Skisport: Toni Sailer: Der schwarze Blitz aus Kitz: Vom Dreifach Olympia Sieger zum Weltstar der Skisports
Dreifacher Olympia-Sieger, siebenfacher Weltmeister, Filmstar und Jahrhundertsportler
21.09.2026 51 min
Zusammenfassung & Show Notes
Toni Sailer: Der schwarze Blitz aus Kitz:
Vom Dreifach-Olympiasieger zum Weltstar – Die Biografie von Toni Sailer
Vom Dreifach-Olympiasieger zum Weltstar – Die Biografie von Toni Sailer
🎙️ Episodenbeschreibung
Toni Sailer war mehr als nur ein herausragender Skirennläufer – er war der erste echte globale Superstar des alpinen Wintersports, ein Popstar des Wirtschaftswunders und ein Symbol für das neue Selbstbewusstsein der Republik Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg.
In dieser Podcastfolge tauchen wir tief in das bewegte Leben des Kitzbühelers ein. Wir begleiten Toni von seinen Anfängen als Spenglerlehrling auf den heimischen Hängen über seinen historischen Dreifachtriumph bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo bis hin zu seinem überraschenden Rücktritt mit nur 23 Jahren.
Erfahre alles über die skitechnische Revolution, die Sailer einleitete, die wilde Hysterie um seine Person in Japan, seine Zeit als Chef-Mentor von Franz Klammer beim ÖSV sowie die Schattenseiten und Kontroversen rund um die Vorwürfe von Zakopane.
Toni Sailer war mehr als nur ein herausragender Skirennläufer – er war der erste echte globale Superstar des alpinen Wintersports, ein Popstar des Wirtschaftswunders und ein Symbol für das neue Selbstbewusstsein der Republik Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg.
In dieser Podcastfolge tauchen wir tief in das bewegte Leben des Kitzbühelers ein. Wir begleiten Toni von seinen Anfängen als Spenglerlehrling auf den heimischen Hängen über seinen historischen Dreifachtriumph bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo bis hin zu seinem überraschenden Rücktritt mit nur 23 Jahren.
Erfahre alles über die skitechnische Revolution, die Sailer einleitete, die wilde Hysterie um seine Person in Japan, seine Zeit als Chef-Mentor von Franz Klammer beim ÖSV sowie die Schattenseiten und Kontroversen rund um die Vorwürfe von Zakopane.
**** – Intro & Einleitung: Warum Toni Sailer der erste echte Popstar des Wintersports war.
**** – Teil 1: Das Nachkriegs-Österreich: Skisport als „Nation Building im Schnee“.
**** – Teil 2: Kindheit in Kitzbühel: Spenglerlehre, eiserne Disziplin und Bergläufe im Morgengrauen.
**** – Teil 3: Das Kitzbüheler Wunderteam: Die goldene Ära rund um Sailer, Anderl Molterer und Ernst Hinterseer.
**** – Teil 4: Der Weg nach oben: Schwere Verletzungen und der internationale Durchbruch am Lauberhorn.
**** – Teil 5: Das weiße Wunder von Cortina 1956: 3-fach Olympiegold, Fabelvorsprünge und die Anekdote zur Startnummer 135.
**** – Teil 6: Die Revolution auf zwei Brettern: Wie Sailer Fahrstil, Aerodynamik und Kästle-Ski veränderte.
**** – Teil 7: WM Bad Gastein 1958 & Streit um den Amateurstatus: Der Konflikt mit dem IOC und der Rücktritt mit 23 Jahren.
**** – Teil 8: Der Star des Wirtschaftswunders: Heimatfilme, Schlagererfolge und die ungeheure Fan-Hysterie in Japan.
**** – Teil 9: Der Baumeister des ÖSV: Cheftrainer, die Prägung von Franz Klammer und 20 Jahre Hahnenkamm-Rennleiter.
**** – Teil 10: Schattenseiten & Kontroversen: Die Geschehnisse von Zakopane 1974, diplomatische Verwicklungen und spätere Enthüllungen.
**** – Teil 11: Die späten Jahre & Vermächtnis: Der tapfere Kampf gegen die Krankheit und das Fazit einer Legende.
**** – Teil 1: Das Nachkriegs-Österreich: Skisport als „Nation Building im Schnee“.
**** – Teil 2: Kindheit in Kitzbühel: Spenglerlehre, eiserne Disziplin und Bergläufe im Morgengrauen.
**** – Teil 3: Das Kitzbüheler Wunderteam: Die goldene Ära rund um Sailer, Anderl Molterer und Ernst Hinterseer.
**** – Teil 4: Der Weg nach oben: Schwere Verletzungen und der internationale Durchbruch am Lauberhorn.
**** – Teil 5: Das weiße Wunder von Cortina 1956: 3-fach Olympiegold, Fabelvorsprünge und die Anekdote zur Startnummer 135.
**** – Teil 6: Die Revolution auf zwei Brettern: Wie Sailer Fahrstil, Aerodynamik und Kästle-Ski veränderte.
**** – Teil 7: WM Bad Gastein 1958 & Streit um den Amateurstatus: Der Konflikt mit dem IOC und der Rücktritt mit 23 Jahren.
**** – Teil 8: Der Star des Wirtschaftswunders: Heimatfilme, Schlagererfolge und die ungeheure Fan-Hysterie in Japan.
**** – Teil 9: Der Baumeister des ÖSV: Cheftrainer, die Prägung von Franz Klammer und 20 Jahre Hahnenkamm-Rennleiter.
**** – Teil 10: Schattenseiten & Kontroversen: Die Geschehnisse von Zakopane 1974, diplomatische Verwicklungen und spätere Enthüllungen.
**** – Teil 11: Die späten Jahre & Vermächtnis: Der tapfere Kampf gegen die Krankheit und das Fazit einer Legende.
Transkript
Herzlich Willkommen bei Sportarchiv. Mein Name ist Tim.
Ja, nachdem wir jetzt zuletzt viel über Fußball gemacht haben
und wir auch viel Feedback bekommen haben, auf das wir nochmal zurückkommen
werden, wollte ich heute mal etwas ganz anderes erzählen über eine Sportart,
die wir noch bisher nicht hatten, nämlich über den Skisport,
und vor allem über eine Person, Toni Seiler.
Für die, die aus Österreich sind, die werden den sicherlich kennen,
auch wenn es schon sehr lange her ist.
Aber das Ganze ist vielleicht auch eine Folge, die ich für meine Mutter mache,
die sich zwar nicht für Sport interessiert, aber in ihrer Jugend ein großer Fan von Toni Seiler war.
Nicht, weil er ein Sportler war, sondern weil er vor allem nachher auch Schauspieler war.
Und während meines Urlaubs in Tirol im Sommer ist mir eine Biografie von Toni
Seiler in die Hände gekommen.
Und zwar die Biografie Sonntagskind, das Leben eines außergewöhnlichen Sporters von Sigi Bergmann.
Und daher machen wir heute eine Folge über Toni Seiler.
Den schwarzen Blitz aus Kitz, dreifacher Olympiasieger, siebenfacher Weltmeister
und für die Österreicher sowas ähnliches wie für uns Deutsche Fritz Walter und
die Weltmeister von 1954.
Ja, bevor wir jetzt mit Toni Seiler anfangen, vielleicht nochmal einen kurzen
Blick, in welcher Zeit wir uns befinden. Wir befinden uns in den Nachkriegsjahren
des Zweiten Weltkriegs.
Und die Republik Österreich, die war in einer ganz tiefgreifenden Umwälzung
wohl politischer, wirtschaftlicher, auch psychologischer Probleme.
Das Land war, wie Deutschland, durch den Staatsvertrag bei 1955 in vier Besatzungszonen unterteilt.
Die Infrastruktur lag in weiten Teilen da nieder und die Bevölkerung suchte
im Grunde auf, wie in Deutschland, Hoffnungsträger und Symbole.
Und da bieten sich ja oft Sportler an.
Und in dieser Situation wird vor allem der alpine Skisport von ganz großer Bedeutung
für Österreich, so wie für Deutschland vielleicht der Fußball.
Es gibt so einen Begriff, der nennt sich Nation Building im Schnee.
Das soll bedeuten, dass sich das Selbstbewusstsein der Nation wieder durch den
Skisport gebessert hat.
Und der Skisport wird vor allem von einer elitären Freizeitbeschäftigung,
die es vielleicht vor dem Krieg war, zu einem Aushängeschild für Österreich und die Junge Republik.
Und im Zentrum von dem Ganzen steht der ein Ort und im Zentrum von dem Ganzen
steht ein Ort, nämlich Kitzbühel.
Was ja auch heute noch einer der bedeutendsten Skiorte in der Welt ist,
aber in den 50er Jahren wirklich noch ein kleines Dorf war und noch nicht so
vom Massentourismus geprägt war.
Aber da bilden sich über den Skiverein in Kitzbühel Weltklassefahrer heraus,
über die wir dann gleich sprechen werden. Unter anderem halt Toni Seiler.
Ja, Toni Seiler wurde am 17.11.1935 an einem Sonntag als Engelbert Toni Seiler.
In der Kleinstadt Kitzbühel geboren. Seine Geburt fällt in eine Zeit,
wo sich das beschauliche Gebirgsdorf, das Kitzbühel einmal war,
schon zu so einem Treffpunkt für internationale Skifans herausbildet.
Und die späteren Erfolge Mitte der 50er Jahre fallen natürlich genau in den
Beginn des mitteleuropäischen Wirtschaftswunders, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt.
Und dadurch kommen ja dann auch mehr alpine Touristen nach Österreich.
Toni Seiler wird ja vor allem durch die Winterspiele 1956 bekannt.
Und das war ja auch die erste Winterolympiade, die im Fernsehen übertragen wurde,
was dann auch für großes Aufsehen erregte. und auch der Skisport für Massen sichtbar wurde.
Ja, Toni Seiler wird einer der erfolgreichsten Skifahrer aller Zeiten.
Aber das Ganze liegt nicht nur an seinem Talent, sondern ist so eine Mischung
aus familiärer Tradition, angeborenem
Talent und extrem guter Nachwuchsarbeit, die es damals dort gab.
Wie schon gesagt, Toni Seiler wird in Kitzbühel geboren und wächst da auch auf
in einem Handwerker- und.
Bergbauernmilieu, da der Ort Kitzbühel halt noch nicht von diesen großen Hotels,
als Skisport für Reiche geprägt war.
Allerdings hatte Kitzbühel bereits schon 1928 die erste Seilbahn und wurde daher
schon vor dem Krieg so ein kleiner Tourismusort für Skibegeisterte.
Und so haben dann schon in der NS-Zeit dort Albert Speer, Hermann Göring,
Leni Riefenstahl und andere diesen Ort als Urlaubsort genutzt, um Ski zu fahren.
Und sein Vater Anton Seiler Senior war ein Spengler und Glasmeister.
Ein Spengler, das wusste ich nicht, was das ist, aber es war ein...
Metallverarbeitung, die mit Bleche arbeiten, auch Fensterscheiben um einrahmen.
Also ein klassischer Handwerksberuf zu der Zeit. Und sein Vater war 1914 nach Kitzbüh gezogen.
Dessen Vater kommt aus Stifts, einem Dorf in Trentino in Südtirol,
direkt am Berg Ortler, dem höchsten Berg von Südtirol.
Und nachdem der seine Frau in Kufstein kennengelernt hatte und dann in den dortigen
Familienbetrieb eingegangen ist, zog man später nach Kitzbühlen,
wo er ein Stadthaus bezog, mit direktem Blick auf den Hahnenkamm und die Streif.
Also da zeigt sich schon, da war das irgendwie vorprogrammiert.
Und man muss sagen, dass Toni Seilers Vater selber ein sehr guter Skifahrer
war, der auch Rennen gewonnen hat und vor allem auch bei den Kindern das Skifahren
von früh an gefördert hat.
Ja, die Begeisterung für den alpinen Skisport, der übertrug sich auf die gesamte
Familie. Sowohl Tonis ältere Schwester Hilde und auch Rosi und auch sein jüngerer
Bruder Rudi. Das waren alles Skifahrer, die im Rennsport Erfolge feierten.
Sein Onkel Sepp war sogar österreichischer Meister im Skispringen.
Also von daher waren da gute Voraussetzungen vorhanden, dass aus ihm auch ein
guter Skifahrer wird. Wie schon gesagt, er hatte zwei ältere Schwestern,
Hilde und Rosi und zwei jüngere Brüder, Rudi und Walter.
Walter starb allerdings 1943 schon im Alter von vier Jahren,
weil er vom heimischen Balkon gestürzt war und starb.
Auch die Schwester Hilda stirbt schon als junge Ehefrau von André Brandner.
Das war ein Seilbahnpionier aus Weidring. Das liegt auch in Tirol,
ist auch ein bekannter Ort.
Und dieser war beteiligt an den frühen Seilbahnen, die gebaut wurden.
Vor allem auch in Kitzbühel gab es schon früh eine Seilbahn,
was ein Riesenvorteil ist.
Wenn man mit der Seilbahn zum Berg hoch kann und dort einfach runterfahren kann
und sofort wieder hochfahren kann, als bei anderen, die sich dann die Skier
auf den Rücken binden müssen und dann den ganzen Berg wieder rauflaufen müssen.
Ja, Toni Seiler stand im Alter von nicht einmal zwei Jahren erstmals auf Skiern.
Seine Kindheit war geprägt von der Nähe zu den Bergen und aber auch körperlicher,
harter Arbeit, die er dann auch mit sportlicher Betätigung verbannt.
Zudem war natürlich der Zweite Weltkrieg prägend für ihn als Kind,
Als der Krieg endete, war er zehn Jahre alt.
Und neben dem Skifahren, wenn der Winter vorbei war, spielte er viel Tennis,
Fußball. Der war halt ein wirklich guter Sportler.
Und schon als kleines Kind fuhr er dann mit seinem Vater auf die Pisten der
benachterten Berge herunter.
Aber gerade in den jungen Jahren bis zum sechsten Lebensjahr zeigte sich überhaupt kein Talent.
Jedenfalls hat der Vater das später so berichtet. Im Alter von sechs Jahren,
berichtet Toni Seiler, habe er das erste Mal so Angst gehabt,
den Berg in voller Geschwindigkeit runterzufahren, nachdem er auch einige Male schwer gestürzt war.
Sein Vater hat es dann mit einer Radikalkur versucht. Er nahm ihn mit auf die Streif.
Und dann, als er vor der Mausefalle stand, schoss er doch ohne zu zögern und waghalsig hinab.
Und dort zeigte er dann zum ersten Mal auch für seinen Vater sein großes Talent.
Sein Vater war jetzt natürlich auch Ski begeistert, aber der hat nie Druck gemacht.
Also für den Vater war das ja auch nichts, war das ja kein Beruf.
Generell waren das ja alles Amateure zu der Zeit.
Und Skifahren war halt ein Hobby sozusagen, neben dem normalen Beruf.
Das man aber auch so ausgeübt hat, dass man da auch wirklich ehrgeizig war und
Preise gewinnen wollte.
Und Toni Seiler war besonders ehrgeizig. Ab 1947 war er bereits offizielles
Mitglied im Kitzbühler Ski-Club beim KSC und er probierte sich da in allen Bereichen,
auch sogar im Skispringen.
Aber er erkannte rasch, dass das alpine Abfahrtsrennen, Slalom und Riesenslalom
das ist, was er machen möchte, weil er ein sehr gutes Gleichgewichtsgefühl hatte,
reaktionsschnell war und er auch in der Lage war, einen guten Hangabtrieb zu entwickeln.
Und auch sich mit seiner Haltung befasste, dass er anders als zu dieser Zeit
mal nicht aufrecht stand, sondern eher schon sehr tief die Fahrten vorgenommen hat.
Ja, schon mit zwölf Jahren, berichtet Toni Seiler, hatte er das ganz klare Ziel,
Olympiasieger zu werden und hat alles dem untergeordnet, beziehungsweise alles irgendwie.
Genutzt als Training, sowohl die Arbeit als auch andere Sportarten,
um stärker zu werden und auf jeden Fall einer der besten Skiläufer zu werden.
Und das zeigt auch sehr schnell Erfolg, denn mit 13 Jahren schlug er bereits
seinen Vater das erste Mal auf der Streif und nahm auch schon an Clubmeisterschaften
der Erwachsenen teil und wurde dort als Jugendlicher bereits 15.
Im Vergleich mit den Erwachsenen. Und im selben Jahr wurde er beim Rennen am
Steinbergkugel sogar schon Dritter.
Zwei Jahre später als 15-Jähriger gewann er dann seine
ersten großen Rennen und in dieser Zeit wurde Ander Molterer sein bester Freund,
der ebenfalls aus dem Ort kam und selber auch ein Weltklassefahrer wurde und
sozusagen ein Rivale von Tony Seiler.
Ander Molterer war allerdings nicht der Einzige. Schon zu Schulbeginn hatte er...
Seinen Freund, den Hias Leitner, kennengelernt und sich mit ihm angefreundet,
der ebenfalls ein super Skifahrer wurde.
Ja, parallel zum Sport, wie ich schon gesagt habe, das war ja kein Beruf.
Musste er eine Berufsausbildung machen und das machte er natürlich im selben
Beruf wie sein Vater. Es lag ja nah.
Er besuchte vorher noch die Handelsschule im Tiroler Ort Schwarz,
also ein bisschen entfernt Und ging dann zurück in den väterlichen Betrieb,
um dort als Auszubildender im Spengler- und Glasmachergewerbe zu arbeiten.
Ja, jetzt könnte man meinen, es ist ja gut für ihn im väterlichen Betrieb.
Das hat er ja bestimmt mehr Zeit als andere, aber das war nicht so.
Sein Vater hat ihn schon richtig rangenommen, der natürlich davon ausging,
dass mit dem Skifahren das ja einerseits wichtig ist, aber dass er das nie als Beruf ausüben werde.
Aus dieser Zeit gibt es auch eine nette Anekdote, die so überliefert ist,
dass auch so die Disziplin von Toni Seiler da quasi so fast überehrgeizig erscheint.
Denn in den Sommermonaten der frühen 50er Jahre existierte so im alpinen Skisport
noch gar kein organisiertes Sommertraining, wie man das heute kennt,
dass sie sich das ganze Jahr über fit halten.
Aber Toni Seiler erkannte schnell, dass es wichtig ist, sich da schon den konditionellen
Vorsprung herauszuarbeiten.
Und er hatte dann so sein eigenes Training. Er stand morgens um 6 Uhr auf, zog unter
seiner Spengler-Arbeitskleidung schon den Trainingsanzug an,
marschierte dann durch das verschlafene Kitzbühl und dann zu den Hängen des
Hahnkamm und machte dort seinen ersten Bergläufe als Konditionstraining.
Dann kehrte er pünktlich zum Arbeitsblieben zurück, arbeitete dann seine acht
Stunden in der Werkstatt und dann ging es am Nachmittag direkt weiter mit dem
Training. Also das hat er auch knallhart durchgezogen.
Vor allem ist allerdings bekannt, dass er auch besonders fleißig und freundlich
war auch zu allen, wenn er sie dann irgendwo traf. Also er hatte immer schon
eine Bodenständigkeit, die er auch später beibehielt.
Tony Seiler war allerdings nicht der Einzige, der besonders gut war in Kitzbühel, sondern...
Da war eine ganze Gruppe von Rennläufern, die man später das Kitzbühler Wunderteam nannte.
Diese Gruppe bestand aus sechs Rennläufern, die alle aus dem Kitzbühler Skiclub stammten.
Das war Toni Seiler, Andal Molterer, Ernst Hinterseer.
Das ist übrigens der Vater von Hansi Hinterseer, der war ja auch Skifahrer und sehr erfolgreich.
Und dann gab es noch Matthias, den Hias Leitner, den Fritz Huber und den Christian
Pravda. Der war etwas älter und war auch in frühen Jahren, schon Anfang der 50er, ein echter Star.
Und es war halt so, dass die alle aus ähnlichen Verhältnissen,
aus einfachen Verhältnissen stammten und alle zusammen quasi am selben Ort natürlich
vor allem an der Streif üben konnten, was natürlich ein hartes Pflaster war,
weil es gilt ja auch heute noch als das schwerste Skirennen der Welt.
Und diese haben dann später ab der Mitte der 50er Jahre bis Ende der 50er Jahre
wirklich den gesamten Skisport dominiert.
Und vor allem auch den österreichischen Skisport. Da war es für andere ganz
schwer, überhaupt in die Nationalmannschaft zu kommen, weil im Grunde waren es nur die Kitzbühler.
Und so kam es dann, dass halt der österreichische Skiverband in den 50er Jahren,
nur Athleten aus dieser einen Stadt zur Nationalmannschaft berief,
was dann auch dafür sorgte, dass aus anderen Regionen Österreich es da.
Naja, Argwohn gab.
Man sprach davon, dass sie bevorteilt wurden und man die anderen nicht berücksichtigen
würde. Man hat dann auch den Nationaltrainer unter Druck gesetzt.
Aber im Grunde war es einfach so, dass die, die sportlich Dominanten waren und
auch die großen Rennen gewonnen haben.
Ja und der Toni Seiler, da sind wir jetzt so 1952, da ist er ja erst 17, 17 Jahre alt.
Und da beginnt so sein Weg an die Weltspitze. Aber das Ganze war nicht so einfach.
Mit 16 gewann er erste internationale Fahrten.
Mit 16 gewann er dann erste internationale Abfahrten.
Vor allem gab es eine Reise nach Frankreich.
Da waren verschiedene Rennen für Jugendliche, für junge Fahrer angesetzt und
da war der Tony Seiler extrem erfolgreich.
Er gewann die Abfahrt und die Kombination. Es gab drei Arten von Rennen,
Slalom, Abfahrt und Riesenslalom. Wer da der Beste war, der gewann dann auch die Kombination.
Naja und durch diese Siege wurde dann auch die Fachwelt schlagartig auf Toni
Seiler, den Jungen aus Tirol, aufmerksam.
Allerdings war das Ganze da noch nicht so glamourös, denn er musste da selber
noch mit seinem Freund mit dem Zug anreisen, mit eigenem Geld dann irgendwie zur Skipiste fahren.
Vor allem gab es keine Ausrüster oder ähnliche Unterstützung.
Der hatte tatsächlich nur ein paar Skier und das waren die neuen Skier seiner
Schwester, die er dann benutzte.
Während andere ältere Skifahrer quasi für die Abfahrt, für den Slalom in Riesensum
ganz unterschiedliche Skier benutzen.
Es kam der Tony Seiler halt da an und in Frankreich, man sprach ja auch die Sprache nicht,
man musste sich da erstmal durchfahren und tatsächlich waren sie dann schon
so spät dran, dass sie noch mit dem Taxi dann zur Piste fahren mussten und kamen
wenige Minuten vor dem ersten Rennen an.
Trotzdem gewann der Tony Seiler halt dann das Rennen mit dem Skiern seiner Schwester
und weil alle so aufmerksam waren, gewann er dadurch ja auch Preise.
Und neben den Pokalen, die man so bekam, gab es da auch Praktisches.
Und einer seiner ersten Preise war ein Kühlschrank, ein französischer Kühlschrank,
was 1952 noch eine richtige Realität war, vor allem in so einem Dorf in Österreich.
Aber das war der Lieblingspreis seiner Mutter.
Die hat den Kühlschrank nämlich dann bis 1992 benutzt.
Ja, aber durch diese Erfolge in Frankreich war es dann so, dass natürlich auch
die ersten Ausrüster direkt aufmerksam wurden.
Er wurde von einem Ausrüster in Frankreich zum nächsten geschickt und reiste
dann mit Zulfparschieren nach Österreich zurück.
Tatsächlich hat sein Vater ihn abgeholt, weil der Presserummel war dann auf
einmal so groß, dass der Vater gedacht hat, na, den Jungen hole ich lieber ab,
bevor es da irgendwie Probleme gibt und den hole ich zurück,
damit er auch weiter seine Ausbildung macht und nicht abhebt.
Ja, alles deute jetzt darauf hin, dass er dann so richtig durchstarten wird.
Und er war ja auch bereits nominiert für den Nationalmannschaftskader und hatte
da auch so direkt eine prominente Rolle als 16-Jähriger, als Jüngster.
Die anderen waren so 18, 19, aber er galt schon als das größte Talent.
Aber dann kam ein dramatischer Rückschlag. Am 15.12.1952 hatte er schon morgens
so ein schlechtes Gefühl, das berichtet er in seiner Biografie.
Und er wollte eigentlich gar nicht Ski fahren. Dann fragt seine Schwester ihn,
ob er nicht doch fahren will und dann sagt er, ja gut, dann fährt er quasi nach,
die anderen waren schon weg.
Und er wollte vor allem nicht fahren, weil es total neblig war.
Ja, und wie befürchtet, bei einer Bodenwelle, einer kleinen Bodenwelle im Boden
und schlechten Sichtverhältnissen, hat er falsch reagiert, weil es so aussah,
als wäre ein Grabendreck vor ihm in der Nähe.
Und die Skier verkeilten sich und er stürzte und hörte ein lautes Knacken.
Tja, bei dem Sturz erlitt Tony Seiler einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch.
Und zu der Zeit war das so, da gab es ja noch keine modernen Operationsmethoden
und auch keine großen Reha-Maßnahmen, die man da gemacht hatte.
Und das hätte schon das Karriereende für den einen oder anderen sein können.
Denn Toni Seiler, da wurde der Bruch genagelt und dann musste er monatelang
einen schweren Gipsverband am Fuß tragen.
Er verpasste dadurch die gesamte Rängsaison 52, 53 und er musste sich dann hart
wieder ranarbeiten, weil er vor allem viel Muskelmasse im Bein verloren hatte.
Aber wie er berichtet, nutzte er das Ganze auch so ein bisschen als mentale
Reifung, so beschreibt er das.
Und dass er da auch viel an sich gearbeitet hätte, auch mit dem Gips.
Nicht immer das gemacht hätte, was die Ärzte so gesagt haben.
Und nachdem der Gips dann ab war, hat er wie ein Verrückter wieder trainiert,
sodass er dann im Winter 53, 54 wieder sehr fit auf die Piste zurückkam.
Allerdings ist er ja sehr lange nicht gefahren und das merkte man auch.
Und gerade beim ersten Rennen am Lauberhorn, da stürzte er schwer.
Allerdings hat er sich Gott sei Dank nicht verletzt. Und er sagte im Nachhinein,
hat ihm das auch ein bisschen wieder mehr Selbstvertrauen gegeben,
dass selbst so ein schwerer Sturz, da nichts passiert ist, das Bein hält und
von da an ging es wieder steil bergauf.
Er verpasste dann quasi aufgrund des Trainingsrückstands und da er im letzten
Jahr nicht gefahren ist, die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1954 im schwedischen Ehre.
Allerdings hatte er schon wieder die ersten Siege eingefahren.
Drei Siege im Slalom, fünf in der Abfahrt und fünf im Riesenslalom bei insgesamt 15 Rennen.
Also eine sehr gute Ausbeute. Vor allem fuhr er auch die Abfahrt in Cortina
d'Ampezzo, denn da sollte 1956 die Olympischen Spiele stattfinden.
Er wurde dort Dritter in dem Rennen und hatte aber schon ein gutes Gefühl, was diese Piste angeht.
Der endgültige Durchbruch gelang dann in der Saison 54-55.
Beim traditionellen Lauberhorn-Rennen im schweizerischen Weng demonstrierte
Seiler erstmals seine ganz klare Überlegenheit im Vergleich zu den anderen.
Auf der längsten Abfahrtstrecke im Renngeschäft distanzierte der 19-Jährige
den zweiplatzierten seinen Kumpel Andal Molterer um fast vier Sekunden,
also Welten dazwischen.
Und der Andal Molterer berichtet dann auch, dass er so, das hat ihn so richtig
geschockt. Also Zweiter zu werden hinter dem Toni Seiler, das wäre nicht schlimm
gewesen, weil die haben sich eh immer so ein bisschen abgewechselt,
was Siege anging. Aber dass er so weit zurück ist, das hätte ihn schon schockiert.
Ja, und in dem abschließenden Slalom wurde er dann siebter und gewann dann auch
halt die Kombinationswertung bei diesem Rennen.
Und in der Folge, in dieser Saison gewann er jede Menge Rennen, Riesenslaloms.
Teilweise gewann er alle drei Rennen, sowohl Abfahrtslalom und Riesenslalom.
Und auch in Cortina Lampezzo gewann er wieder. Das war ihm ja sehr wichtig,
weil er alles darauf abzielte, bei Olympia 56 erfolgreich zu sein.
Und schon derzeit war er schon sozusagen der dominierende Rennfahrer in dem
Bereich, obwohl er noch so jung war.
Und das Ganze sollte er dann auch ein Jahr später in der Saison 55-56 bei den
Olympischen Spielen im italienischen Cortina D'Ampezzo bestätigen.
Das war sozusagen der Höhepunkt von Toni Seilers Laufbahn.
Im Alter von 20 Jahren schaffte er die fast einmalige Leistung.
In allen drei alpinen Disziplinen Slalom, Abfahrt, Riesenslalom die Goldmedaille zu gewinnen.
Und teilweise sogar mit gewaltigem Vorsprung auf die Konkurrenz.
Ja, den Auftakt der Olympischen Spiele bildete am 29. Januar 1956 der Riesenslalom
auf einer extrem steilen und schwierigen vereisten Piste.
Iljo Colli ging Seiler, nachdem schon viele ausgeschieden waren bei dem Rennen,
mit hoher Aggressivität und mit einer besonderen Kantenbeherrschung ins Rennen.
Da werden wir nachher nochmal drauf kommen.
Also auch technisch hat er da für große Weiterentwicklungen gesorgt und gewann
dann mit einem Vorsprung von
6,2 Sekunden auf den Silbermedaillengewinner wieder der Andal Molterer.
Und das ist auch bis heute wohl der größte Vorsprung bei Gold und Silber bei
Olympischen Spielen überhaupt im Riesenslalom.
Ja, als nächstes folgte dann der Slalom am 31.
Januar 56 und da gab es so ein kleines Missverständnis um die Startnummern.
Das Rennen fand am Koldruskie statt und der galt als besonders tückisch.
Da schieden schon 23 Athleten beim ersten Durchgang aus und Toni Seiler fuhr
in beiden Läufen unangefochdete Bestzeit und sicherte sich Gold auch wieder
mit einem Riesenvorsprung von vier Sekunden vor dem Japaner Shiharu Igaia.
Das wird bedeutend sein, weil diese Medaille für Japan, die führt dazu,
dass in Japan ein riesiger Skiboom ausbricht.
Das Skifahren wird da echt bedeutend in Japan und dadurch wird auch Tony Seiler
ein riesen Star in Japan. Also wirklich umjubelt.
Naja und bei dieser Fahrt war es halt so, dass der Toni Seiler eigentlich mit
der Startnummer 15 an den Start gehen sollte, aber am Rennmorgen herrschte dann
reges Chaos beim österreichischen Verband, weil man hatte die Startnummern verloren bzw.
Vergessen und jetzt musste man irgendeine Lösung finden und dann hat man das
pragmatisch gemacht und hat einfach die höchsten Startnummern genommen,
die noch nicht vergeben waren und hat die dann verteilt.
Aber das Ganze, diese ganze Panne hat der Tony Seiler gar nicht an sich ran
gelassen und fuhr halt überlegen zu Gold. Ja, als letztes fand dann die Abfahrt
statt am 3. Februar und auch da waren die Bedingungen eigentlich unmenschlich.
Es herrschte klirrende Kälte von minus 28 Grad Celsius, gepaart mit einem ganz schneidenden Wind.
Also im Grunde war es wahnsinnig schwer, dort zu fahren. Die Piste war vollkommen
gefroren und es gab ganz gefährliche Bodenwellen. Von 90 Startern erreichten
nur 17 überhaupt das Ziel.
Und Toni Seiler hat wieder mal eine fehlerfreie Fahrt gemacht und gewann auch
wieder mit 3,5 Sekunden Vorsprung. Er war also der unangefochtene Superstar dieser Winterspiele.
Das war vor allem so bedeutend, weil das Ganze halt ja im Fernsehen ausgestrahlt wurde das erste Mal.
Im Grunde war er jetzt so der erste Superstar im Skisport und vor allem auch
für Österreich. Der kehrte dann natürlich sozusagen als Sportheld nach Österreich zurück.
Im Übrigen bei diesen Winterspielen war die jüngste Akteurin eine deutsche,
Marika Kilius, die später ja auch Medaillen gewinnt mit Hans-Jürgen Bäumler.
Marika Kilius war bei den Olympischen Spielen gerade mal zwölf Jahre.
Und auch die wurde ja zu einem frühen Star quasi durch diese Übertragungen.
Ja, er ist also jetzt der unumwobene Star des Skisports und kehrt natürlich
dann nach Österreich als Staatsheld zurück.
Es gibt Empfänge, die er dann besucht. In der Wiener Hofburg wird ihm vom Bundespräsident
Körner das große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik verliehen.
Der wird Österreichs Sportler des Jahres natürlich und er wird von der Sportzeitung
Likib, dem goldenen Ski, als weltbester Wintersportler ausgezeichnet.
Also ein Riesenerfolg mit 20 Jahren.
Und Toni Seiler, der hat das alles zur Kenntnis gesommen und Skifahren war ihm
ja auch wichtig, aber der hat direkt erkannt, da lässt sich vielleicht auch was draus machen.
Und der öffnet jetzt in Kitzbühne eine Pension, weil es ja diesen großen Hype
um ihn gibt. Da lernt er aber auch die ersten Neider vor allem auch so im eigenen
Ort kennen, die sich zwar nach außen hin als seine Freunde ausgeben,
aber eben dann sozusagen in den Rücken fallen.
So gibt es so eine Geschichte, dass er bei der Ortsbank einen Kredit haben wollte für eine Pension.
Und als er dann zur Bank kommt, eröffnet ihm der Bankier, als er sagt,
ja, seine Freunde hätten ihm das empfohlen, sich zu werben, ja, die wären da gewesen.
Aber die wollten einen Kredit für ihre Pension, hätten gesagt,
der Tony Seiler soll auf keinen Fall einen Kredit kriegen. Also es gab da schon
so die ersten Neider natürlich, wenn man so erfolgreich ist.
Aber insgesamt war er natürlich der Bravo-Superstar. Wobei kleiner Funfact,
die Bravo im August 1956 zum ersten Mal erschienen ist.
Und Tony Seiler sah ja auch super aus. Er sah aus wie ein Filmstar.
Der war groß, wie damalige Verhältnisse mit 1,81. Dunkelhaarig, sehr gut gebaut.
Wie gesagt, ein Gesicht wie ein Filmstar und hat auch damals schon Briefe gekriegt von Regisseuren.
Er solle auf keinen Fall irgendwelche Verträge unterschreiben,
sondern er sollte dann zu diesen internationalen Regisseuren kommen.
Er hat Briefe aus Frankreich gekriegt.
Die ja damals auch schon eine große Filmindustrie hatten, aber auch aus Österreich und aus Deutschland.
Also da zeigte sich schon, wo es hingehen sollte. Jetzt kommen wir aber kurz
nochmal zu einer technischen Seite. Jetzt ist es ja so, dass ich mich mit Skisport
nicht so wirklich gut auskenne und auch wenig Ski gefahren bin.
Aber das, was ich so gelesen habe, ist halt so, dass das Ganze,
die Erfolge halt nicht nur darauf fußten, dass er ein riesen Talent war und
wahnsinnig viel trainierte, was natürlich das Maßgebende ist.
Aber es gab vor allem auch technische Entwicklungen, die das Ganze unterstützt
haben, beziehungsweise Techniken, die der Tony Seiler quasi vorgemacht hat, wo er Pionier war.
Und das Besondere an Fasting von Tony Seiler soll gewesen sein,
dass er besonders elegant, geschmeidig und dynamisch war. Anders als in den Jahren davor.
Und er gilt als einer der wichtigsten Pioniere im Bereich des Parallelschwungs,
des Wedens und des frühen Carven.
Also dieses die Skier beieinander halten. Jetzt für mich als Laien hat sich
das so erschlossen, dass er die zusammenhält, den Oberkörper immer,
zur Abfahrt gerichtet und quasi mit der Hüfte hin und her gesteuert hat,
was sehr ungewöhnlich war, weil vor seiner Zeit teilweise ja auch noch der Stemmbogen
teilweise benutzt wurde.
Also das Ganze noch nicht so weit war, wie es heute ist. Und die früheren Fahrweisen.
Führten halt oft dazu, dass es so einen starken Rutschen gab und man dadurch
Geschwindigkeit verlor.
Vor allem, wenn man halt den Stemmbogen benutzt, dann verliert man,
das kennt man ja auch als Hobby-Skifahrer natürlich auch viel an Geschwindigkeit,
auch weil es halt sicher ist. Und der Tony Seiler war halt bekannt dafür,
dass er die Skier extrem eng führte. Fast wie ein einziges Brett wird das beschrieben.
Und seine Beine blieben die ganze Kurve über parallel geschlossen.
Und dieses eng beieinanderführen führte halt dazu, dass er sein Gewicht gut verlagerte.
Das war auch eine seiner Fähigkeiten. Und vor allem auf den Außen- und Innenschiern
den Druck setzte, wenn er in den Kurven ging und so da die Geschwindigkeit behalten konnte.
Also dieses frühe Carven, wird das beschrieben, das hat er mit als einer der
Ersten perfektioniert.
Hinzu kommt, dass so die Skier selber wesentlich besser wurden,
denn Mitte der 50er Jahre kommt so eine Revolution in den Skibau vom Holz.
Wechselt das Ganze zu so einem Verbundstoff.
Vorher fuhr man vor allem auf Hickory Holzschiern, die schnell ihre Spannung
verloren hatten und bei Nässe und so waren die halt auch nicht so geeignet.
Und dann hat die Firma Kneisel wohl den White Star herausgebracht.
Das ist so eine Sandwich-Bauweise mit verschiedenen Schichten aus Holz,
Hartschaumkern, mit Glasfaser und Epoxidharz wurde da schon gearbeitet.
Und das Ganze führte zu wesentlich besseren Steifigkeiten und führte halt dazu,
dass man höhere Geschwindigkeiten hatte und eben halt auch besser fahren konnte, ohne wegzurutschen.
Hinzu kommt, dass der Tony Seiler auch immer im tiefschwarzen Rennanzug fuhr
und daher hat er auch seinen Spitznamen, der schwarze Blitz aus Kitz.
Hinzu kommt, dass der Hals, Toni Seil, auch ein angebotenes Terrain-Gefühl hat.
Also es wird so gesagt, dass er quasi schon spüren konnte, wo die Bodenwellen
demnächst kommen oder die Sprünge sind.
Und er war einer der Ersten, der besonders tief fuhr, gerade bei der Abfahrt.
Während viele noch eher stehend herabfuhren, setzte er schon ganz früh auf einen
möglichst tiefen Sitz beim Skifahren.
Ja, jetzt war er ja ein großer Star in Europa, vor allem in Österreich, aber...
Er wollte jetzt natürlich auch international noch bekannter werden und im Winter
56, 57 setzte Seiler seine Siegeserie fort. Und er gewann zunächst Abfahrten
in Wengen und in Kitzbüh.
Er wurde österreichischer Meister im Slalom, Riesenslame und in der Kombination.
Und dann brach der gesamte österreichische Trost zu einer großen Tour nach Nordamerika
auf, was ja auch eine Sensation zu der Zeit war und auch ein Riesenereignis für die Fahrer.
In Aspen, Colorado, dem berühmten Skiort, gewann er zwei Riesenslaloms,
einen Slalom und die Abfahrt.
In Vermont siegte er im Riesenslalom und.
Er gewann dann auch das prestigeträchtige Harryman Cup Rennen in Sun Valley in Idaho.
Er gewann dort das Triple-Auslalom, Abfahrt und der Kombination und er auch
bei den vorolympischen Tests in
Square Valley. Da sollte nämlich 1960 die Olympischen Spiele stattfinden.
Entschied er auch die Abfahrt und auch insgesamt die Kombination für sich.
Also er wurde dann auch in den USA der führende Ski-Star.
Ja, Tony Seiler wurde so erfolgreich durch die Tour in den USA,
dass er so eine richtige Sportikone wurde.
Und auch die Amerikaner erkannten, dass er so Hollywood-Format hat.
Und so kam es dann, dass er 1957 dann seinen ersten Film drehte,
allerdings in Österreich.
Der Film hieß Ein Stück vom Himmel.
Dem ging es überhaupt nicht ums Skifahren. Das war mehr so ein Heimatfilm.
Allerdings war es so, dass die Dreharbeiten recht kurz vor der WM stattfanden,
beziehungsweise noch in der Vorbereitung zur WM 57, 58.
Und die Premiere dieses Films, die fand am 3.1.1958 statt, unmittelbar vor der WM im Februar.
Und da er nach der Premiere sofort zurück ins Trainingslager musste,
wurde er dorthin geflogen und das war kein geringerer, der Pilot, als Heinz Rühmann.
Was ich auch nicht wusste ist, dass der Pilot war und der hatte sich bereits
erklärt und der Toni Seiler schreibt in seiner Biografie.
Der wäre angekommen mit dem Flugzeug und da hätten noch so Äste von Bäumen drangehangen,
die er wohl beim Landen abgerissen hätte.
Also ihm wäre ein bisschen mulmig zumute gewesen, aber der Heinz Rühmann hätte
ihn sicher wieder ins Trainingslager gebracht.
Was da noch keiner wusste war, dass die Weltmeisterschaft 1958 quasi das Ende
der aktiven Laufbahn von Toni Seiler sein wird. Und die fand im heimischen Bad Kastein statt.
Und er war natürlich da der Riesenstar. Und der Erwartungsdruck der Österreicher
war natürlich auch immens. Alle erwarteten ja jetzt, dass er die alle im Grunde in den Boden fährt.
Und das führte dann dazu, dass tausende von Fans da vor Ort waren.
Und auch sehr viele Medienvertreter. Also an Ausmaß, wie man es vorher im Skisport gar nicht kannte.
Und er war der Superstar, der James Dean sozusagen des Skisports.
Und es war dann halt so, dass das keiner vorbereitet hatte und die Leute auch
einfach hinter ihm her waren.
Es ging dann so weit, dass Autogrammjäger selbst im Speisesaal der österreichischen
Nationalmannschaft auftauchten und ein Autogramm haben wollten.
Im Grunde hatte er gar keine richtige Ruhe.
Die verfolgten ihn ja auch im heimischen Ort, in der Vorbereitung.
Und das hat ihm nervlich auch schon recht zugesetzt. Vor allem,
weil er es ja gewohnt war, sich so zu fokussieren, nur auf den Skisport, auf sein Training.
Und das ging mir jetzt so ein bisschen ab. Und das ging dann so weit,
dass er dann vor dem ersten Rennen richtig Panik hatte.
Dass er Angst hatte, überhaupt zu fahren. Also das Gefühl hatte,
er hätte auch alles vergessen.
Und so war es halt so vor dem Slalom, das war der Beginn der Weltmeisterschaft.
Da fuhr er dann bei den Trainingsläufen so schlecht. Beim ersten Trainingslauf
schaffte er es nur bis zum zweiten Tor.
Und bei dem zweiten Trainingslauf scheiterte er schon am ersten Tor.
Er brach dann das Training ab und fuhr nicht mehr bis zum Rennen.
So kam es dann, dass er beim Slalom nicht gewann.
Dass er wenige Zehntelsekunden hinter seinem Teamkollegen Josse Rieder Silber gewann.
Und in der Presse war das eine riesen Enttäuschung.
Für ihn selber sagt er, war er eigentlich froh, dass er überhaupt gut runtergekommen ist.
Und hatte jetzt das Gefühl, doch, es funktioniert wieder. Und er war mit einer
Silbermedaille natürlich auch eigentlich recht zufrieden.
Aber natürlich gab es einen ersten
Aufschrei in Österreich und man schrieb schon, ja was ist mit ihm los.
Aber es war dann halt so, dass er im Riesenslalom wieder zur absoluten Bestform
fand und mit deutschem Vorsprung auch dort Weltmeister wurde im Riesenslalom.
Und am 9. Februar 1958 fuhr er dann auf dem extrem steilen Graukogel sein letztes
großes Abfahrtsrennen und holte überlegen WM-Gold. Durch diese beiden Siege
und die Silbermedaille war er ja natürlich dann auch Sieger in der Kombination.
Hat also drei Weltmeisterschaftstitel bekommen und einen Vize-Weltmeistertitel.
Und er war natürlich damit auch dort wieder der überragende Athlet.
Und alle dachten jetzt, naja, Weltmeisterschaft, das ist ja nur so ein Zwischenspiel,
denn der Tony Seiler will ja sicher auch 1960 in Squaw Valley in den USA da
auch die Goldmedaillen holen.
Allerdings wird es dazu nicht kommen, denn im Jahr 1959 beendet Tony Seiler
im Alter von nur 23 Jahren seine aktive Skikarriere.
Und das Ganze hat die Sportwelt sehr überrascht. Allerdings war es so,
dass die mit Toni Seiler schon eng zusammengearbeitet haben,
schon wussten, dass die WM 58 wahrscheinlich die letzte ist und dass er dann aufhören wird.
Dafür gab es zwei Gründe, die so angeführt werden. Die eine ist,
dass in den 50er Jahren das internationale Olympische Komitee extrem rigide
war, was irgendwie Verdienste von Athleten anging.
Also die durften schon arbeiten, also die durften mit ihrer Tätigkeit als Athlet kein Geld verdienen.
Und wer das doch tat, der wurde sofort verbannt und durfte nicht mehr als Amateur
bei den Olympischen Spielen starten.
Profis waren ja ohnehin nicht zugelassen und so gab es halt schon bei anderen
Fahrern, bei dem Pravda.
Der ja auch ein bisschen Vorbild für Toli Seiler war, weil er schon was älter
war bei dieser Kitzbühler Wundermannschaft, der hatte mal Werbung gemacht als
Skifahrer Und das führte dazu, dass der da nicht starten durfte 1956.
Und der wurde später dann Profi in den USA.
Aber das zeigt halt, wie streng die da halt waren. So durfte man keine Geldpreise
annehmen, keine Werbeverträge abschließen. Man durfte halt seine Bekanntheit
nicht kommerziell verwerten.
Und der Tony Seiler war ja nun jetzt weltweit einer der größten Sportstars,
zumindest was so den Wintersport anging.
Und er hatte ganz viele Filme und Musikangebote. Natürlich war es damals üblich,
wenn man so einen Film drehte, gerade wenn man so Heimatfilme.
Das war ja ein halbes Musical, da wurde halt bei gesungen und dann nahm man
auch eine Platte für auf.
Naja und nach dem ersten Film, das wurde noch geduldet, weil der Film ja überhaupt
nichts mit dem Skisport zu tun hatte. Und man sagte dann, naja,
der nutzt da ja nicht unbedingt seine Bekanntheit aus.
Auch da hat man schon drüber gestritten. Allerdings hieß dann der zweite Film,
der ein Riesenerfolg war und 1958 rauskam zu den Olympischen Spielen oder in
der Folge, der hieß Der Schwarze Blitz.
Und da er ja der schwarze Blitz aus Kitz war und er da einen Skifahrer spielte,
er spielte quasi sich selber, kam das beim IOC gar nicht gut an.
Und die drohten offen damit, ihn für die Winterspiele 1960 in Score Valley die
Starterlaubung zu entziehen. Ja, hinzu kam, dass Tony Seiler aber selber auch.
Für sich aussagte, dass er sich so ein bisschen...
Gegängelt fühlt einerseits von diesen Funktionären, allerdings auch ihm klar
war, dass wenn er jetzt beruflich als Filmstar und so, er wollte ja auch Geld
verdienen, mit dem Skisport selber konnte er kein Geld verdienen oder durfte es nicht, dass er dann,
Probleme bekommen würde, weil er halt dieses Training, wie er es gewohnt war,
nicht aufrechterhalten kann.
Und das hat er dann auch bei einem Interview, das er dann gegeben hat im
Bayerischen Rundfunk im Juni 1959, hat er dann erklärt, dass er nicht auf zwei
Hochzeiten tanzen könne und ihm aufgrund der Dreharbeiten das nötige Training
fehlen würde und er deshalb aufhören würde
und sich dem Showgeschäft zuwenden wird.
Und er trat damit dann als ungeschlagener Welt- und Olympiasieger ab und kehrte
auch nicht mehr zurück, wie es vielleicht andere in anderen Sportarten und gerade
im Skisport ja in den letzten Jahren auch.
Es Linze von ist da ja nur so ein Beispiel. Ja, Toni Seiler,
der ging nach dem Abschied vom Rennsport seiner zweiten Laufbahn nach als Entertainer.
Er besuchte die Schauspielschule in Berlin, drehte in den 50er und 60er Jahren mehr als 20 Spielfilme.
Das waren oft so heitere Heimatfilme, Verwechslungskomödien,
musikalische Streifen, so ein bisschen sowas wie Charlies Tanten mit Peter Alexander
und dort spielte er in der Regel so den charmanten, gut aussehenden Naturburschen.
Und zu den bekanntesten Filmen zählt vor allem der Film Der Schwarze Blitz.
12,5 Minuten nach Mitternacht, Skifaszination sowie die populäre TV-Serie Luftsprünge von 1969.
Das war dann auch schon das Ende. Da spielte er an der Seite von Louis Trenker,
der ja auch ein Superstar als Bergsteiger war. Zudem avancierte er zum erfolgreichen Schlagersänger.
Er spielte 18 Schallplanten ein. Ein großer Sänger war er allerdings nicht.
Aber er nutzte vor allem seine Popularität nicht nur in Österreich, in Deutschland.
Nein, er war ein noch größerer Star in Japan. Denn nach den Olympischen Spielen
56, hatte ich ja schon gesagt, der Japaner Shiharu Igaia hatte ja Silber gewonnen.
Es gab diesen riesen Skiboom und der Tony Seiler nutzte das sogar aus.
Vielfach reiste er in den Jahren dann nach Japan. Und er war da so ein großer
Star, dass er eine ganz besondere Ehre erhielt. Der wurde halt immer so quasi
als Staatsgast empfangen, als Superstar.
Und er erhielt dann eine persönliche Audienz beim japanischen Kaiser,
dem Tenno. Und das war eine Riesenbesonderheit.
Leute, Privatleute, die bekamen sowas eigentlich nicht. Aber weil er so ein
bekannter Star war und der Kaiser da auch ein Fan war, wurde ihm diese Ehre dann zuteil.
So ist es halt so, dass sein Film König der silbernen Berge in Japan zu einer
richtigen Hysterie gesorgt hat.
Vor den Lichtspürhäusern bilden sich hundert Meter lange Schlangen.
Und es gab Ausschreitungen der wartenden Massen. Um das zu verhindern,
haben die Kinobetreiber einfach
die Saaltüren geöffnet und die Menschen ströbten dann einfach so da rein.
Also das kann man sich kaum vorstellen.
Der Film spielte dann in Japan sogar höhere Summen ein, als der Hollywood-Klassiker
Vom Winde verweht. Der zu dem Zeitpunkt ja der erfolgreichste Film.
Und der Tony Seiler hat dann quasi auch so einen Japan-Schlager aufgenommen.
Am Fujiyama blüht kein Edelweiß.
Naja, ein Evergreen wird das sicher nicht geworden sein. Aber der Toni Seiler
wird, wenn man in Japan den Anspruch heute noch verehrt.
Es gibt in der japanischen Präfektur Yamagata sogar ein eigenes Denkmal für
ihn. Da gibt es auch eine Städtepartnerschaft mit Kitzbühel.
Also der hat da viel getan und war lange Zeit der bekannteste Skifahrer in Japan.
Ja, nach seiner Ski-Karriere Ende der 60er kehrte er zurück nach Kitzbühel,
wo er herkommt und er widmete sich jetzt wieder dem Skisport und wurde Cheftrainer
und Technischer Direktor des österreichischen Skiverbandes.
Dazu muss man sagen, dass der ÖSV zu der Zeit Anfang der 70er Jahre in einer ganz tiefen Krise war.
Denn die Österreicher waren nicht mehr sehr erfolgreich. Die Franzosen bildeten
da das stärkste Skiteam um den Franzosen Jean-Claude Quilly.
Der ist ja auch ein wahnsinnig bekannter Skifahrer. Ja, Toni Seiler,
der übernahm das jetzt, dass er am Abend strukturierte alles um.
Trainingssystem wurde grundlegend geändert. Er führte moderne Konditionstests
ein, professionalisierte die Materialabstimmung.
Und er formte dann eine neue Generation von erfolgreichen österreichischen Athleten.
Und vor allem da ist einer bekannt, Franz Klammer. Der wird zum weltbesten Abfahrer
in dieser Zeit und der hat dann später, auch in der Biografie kommt der kurze
Wort, sagt der Toni, das war unser Beckenbauer.
Ohne ihn und sein Wissen hätte es den Skifahrer Franz Klammer in dieser Art nicht gegeben.
Ja und Österreicher, die gewinnen dann wieder den Nationen Cup vor den Franzosen
und verteidigen diesen Titel dann auch mehrfach in den Folgejahren.
Ja, und dann von 1986, wo er dann schon älter ist, bis 2006,
wird Toni Seiler dann der Rennleiter beim Harnkamp-Rennen.
Das ist ja der Höhepunkt in der Skisaison. Und er übernahm dann quasi für zwei
Jahrzehnte die Verantwortung für das gefährlichste Rennen der Welt.
Und das führt dann ja auch zu vielen Verbesserungen. Moderne Fangnetze.
Größere Sturzräume, die Präparierungen werden besser.
Und er leitet über 30 Jahre die Kinderskischule Die Roten Teufel in Kitzbühel.
Ja, bei so viel Erfolgen und Glamour und Heldentum taucht dann auch natürlich,
wie das oft so ist, auch so ein paar Schattenseiten auf.
Und dazu gehört halt auch ein gewisser Alkoholkonsum, der ihm nachgesagt wurde,
auch anderen österreichischen Trainern.
Und dann gibt es 1974 eine sehr unschöne Geschichte, die er in der Welt war.
Im polnischen Zakopane. Im Zuge des Weltcup-Salomsrennen, das dort stattfindet,
wird diese Geschichte vor allem dann später, im Jahr 2018, neun Jahre nachdem
er tot ist, nochmal sehr groß.
Aber auch damals war es schon eine sehr große Geschichte.
Anlässlich des Weltcup-Rennens in Zakopane hielt Toni Seiler im 1974 als Cheftrainer
des ÖSV viele Einladungen.
Es gab dort natürlich Feste, man trank natürlich nach den Rennen und auch rund
um diese Veranstaltung.
Und plötzlich kam der Vorwurf der Vergewaltigung, damals Notzucht in Polen, so war der Tatbestand.
Eine 28-jährige polnische Staatsbürgerin beschuldigte Toni Seiler sowie zwei
Repräsentanten einer italienischen Skischuhfirma.
Das sollen zwei Jugoslawen gewesen sein und in der Nacht soll Toni Seiler dann
nach so einer Feier unter starkem Alkoholeinfluss zu seinem Hotelzimmer gegangen sein.
Angeblich hat er dann dort die beiden Jugoslawen getroffen, die ihn dann in
ihr Zimmer eingeladen hätten und dort wartete eine Prostituierte.
Laut polizeilicher Anklageschrift und medizinischem Befund, den es in der Akte gibt, hat die Janina S.
Das bei der Polizei und im Krankenhaus so geschildert, dass sie vom Toni Seiler
mit Fäusten auf den Kopf geschlagen wurde und.
In ihrem Mund ein Handtuch gestopft wurde und sie dann von ihm und den beiden
Männern vergewaltigt wurde.
Im Zuge der späteren freigegebenen Akten wurde bekannt, dass diese Janina S.
Im März 1974 auch die österreichische Botschaft wohl zunächst aufgesucht hatte.
Sie gab dort an, polnische Behörden hätten ihr 10.000 Slotty angeboten,
damit sie Stillschweigen bewahre.
Diese Summe sei aber zu wenig gewesen und sie wollte dann eigentlich mehr Geld haben.
Tony Seiler hat das Ganze bestritten, sein Leben lang und,
hatte damals dann erklärt, dass er die Frau, nachdem er da auf dem Zimmer war,
gefragt hat, ob sie mit ihm aufs Zimmer kommen wollte und als sie das abgelehnt
habe, habe er den Raum verlassen und sei auf sein Zimmer gegangen.
Und erst am nächsten Morgen sei dann die Polizei vor seinem Zimmer gewesen.
Darüber hinaus hat er erklärt, dass er davon ausging, dass das Ganze ein abgekartetes
Spiel des polnischen Geheimdienstes gewesen wäre und ein Erpressungsversuch
war, auch um politische Zugeständnisse zu bekommen rund um einen Besuch
des polnischen Ministerpräsidenten.
In Österreich.
Die beiden ebenfalls beschuldigten Mitarbeiter der Shishu-Firma,
die haben Toni Seilers Version bestätigt.
Sie haben wohl ausgesagt, dass Toni Seiler unschuldig sei und der Vorfall auch
eine Inszenierung nur gewesen wäre von dieser Prostituierten.
Sie selber haben aber auch abgestritten, sie irgendwie körperlich angegangen zu haben.
Ja, das Ganze war dann so, dass man dem Toni Seiler und den beiden Jugoslawen
die Pässe abgenommen hatte und da wurde ja ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren
eingeleitet und wie man dann vom ORF im Jahr 2018 sagt.
Aus den ungeschwärzten Justizakten des österreichischen Außen- und Justizministeriums
entnehmen konnte, war es halt so, dass die Regierung sich da direkt eingeschaltet hatte.
Es hätte eine beispiellose Intervention der österreichischen Bundesregierung
unter Bruno Kreisky, das ist ja der bekannte österreichische Bundeskanzler zu der Zeit.
Und die hätten dann bei der Festnahme interveniert und hätten dann mit Nachdruck
dafür gesorgt, dass da eine Kaution möglich war.
Je nach Quellenlage irgendwo zwischen 5.000 bis 15.000 US-Dollar,
die noch am selben Tag wohl gezahlt wurden, damit der Toni Seiler dann ausreisen
konnte. Der Kanzler soll dann natürlich auch direkt an den polnischen Botschafter gewandt haben.
Es ist dann so, dass im Oktober 1974 tatsächlich ein hochrangiger Staatsbesuch
erfolgte, wo man dann das Thema endgültig beigelegt habe.
In den polnischen Justizakten heißt es wohl dazu, man hätte das Ganze eingestellt,
weil es keine öffentlichen Interesse an der Aufklärung gegeben habe.
Man hat das Ganze zu einer leichten Körperverletzung herabgestuft und daraus
wurde dann ein Privatangelegenheit, ein Privatklagedelikt.
Das gibt es ja auch in Deutschland, auch heute noch.
Leichte Körperverletzungen, die werden oft von der Staatsanwaltschaft eingestellt
und dann kann man nur auf den Privatweg einklagen.
Schmerzensgeld oder ähnliches.
Eine Privatklave gab es dann aber durch das Opfer nicht. Das Ganze wurde dann
auch nicht weiter publik und es gab eigentlich so auch keine Vorwürfe,
bis es dann zur MeToo-Debatte im Jahr 2017 und 2018 kam.
Und gerade auch in Österreich, wie auch in Deutschland bei verschiedenen Sporen
an, gab es da auch Vorwürfe systematischen Missbrauchs.
Auch im österreichischen Wintersport. Und so hat die ehemalige Weltklasse-Ski-Rennläuferin
Nicola Verdenig wohl 2017 öffentlich gemacht, dass sie von einem ÖSV-Trainer
und Teamkollegen missbraucht worden sei.
Und das hat da für große Wellen geschlagen. Und das wäre ein Beispiel für die
typischen Vertuschungsmechanismen im Sport in den 70er Jahren gewesen.
Und im Zuge dessen gab es dann auch einen Bericht im Spiegel,
der das Ganze nochmal aufgedrüsselt hat, der sich aus der Originalunterlagen
quasi abgedruckt hat im Spiegel.
Denn es gibt eine anonyme Frau, die behauptet hat im Alter von 14 Jahren, am 26.
Januar 75 in einem Hotel in Innsbruck von Toni Seiler missbraucht worden zu
sein. Der hätte sie ins Zimmer eingesperrt und auch der spätere Cheftrainer Charlie K.
Wäre dabei gewesen. Allerdings war Toni Seiler ja da schon neun Jahre tot und
die Ermittlungen wurden wegen Verjährung eingestellt. Also es war ein kurzes Aufblühen nochmal.
Was daran wirklich wahr war, lässt sich wohl nicht aufklären.
Hat aber was damit zu tun, wie geht man mit so Heldenstatus um.
Das ist ja in Deutschland gibt es ja ähnliche Diskussionen.
Ist halt Teil dieser Lebensgeschichte, soll aber grundsätzlich die sportlichen
Leistungen jetzt nicht schmälern.
Ja, in den späteren Jahren ist es so, dass Toni Seiler 1976 geheiratet hat in
Wenko, eine Rheinländerin, Gabi Rummeni.
Mit der er auch einen Sohn hat, der Florian. Und er hat dann wieder in Kitzbühel gelebt.
Und nach dem Krebstod seiner Frau im Jahr 2000 hat er dann 2006 nochmal seine
zweite Frau, Hedwig Fischer, geheiratet.
Ja, Toni Seiler war in Kitzbühel immer viel präsent. Er widmete sich dem Golfsport.
Er fundierte dort in Kitzbühel als Präsident des Golfclubs.
Er engagierte sich intensiv für die Special Olympics.
Ja, im Jahr 1999 wurde Seiler von der Fachjury zu Österreichs Sportler des Jahrhunderts gewählt.
Also auch zu einer späteren Zeit war er noch so prominent. Ja,
und 2008 wurde dann bekannt, dass er unter Kehlkopfkrebs leidet und dem erlag
er dann auch im Jahre 2009 am 24.
August im Alter von 73 Jahren. Er hat da lange noch gegen angekämpft und ist
da wohl auch gut umgegangen.
Als er die Diagnose mit seiner zweiten Frau erhielt, soll er mit ihr gesagt
haben, komm, daran können wir jetzt nichts ändern, lass uns was essen gehen.
Ich habe ein wunderbares Leben gehabt, ich fürchte mich vor nichts.
Auch nicht vor dem Tod, soll er dann noch gesagt haben.
Angst habe er nur auf der Streif gehabt, aber nicht vor dem Tod.
Ja, er ist dann in Kitzbühel beerdigt worden und auf seinem Grabstein stehen
die Worte berühmt, beliebt, bescheiden. Das soll ihn am besten beschrieben haben.
Ja, das war meine Geschichte über Toni Seiler. Die erste prägende Gestalt im Skisport des 20.
Jahrhunderts vielleicht. Jedenfalls eine der größten und vor allem auch für
Österreich. Vor allem aber war er ja der erste Fernsehsportstar im Skisport.
Und dafür sorgte natürlich vor allem auch sein gutes Aussehen.
Aber auch Technik, was Fahrtechnik und ähnliches an war, war er dann halt auch ein Pionier.
Sportler, Filmstar.
Im Grunde ein echter Popstar des Wintersports für die Zeit.
Aber vor allem sportlich bleibt dreifacher Olympiasieger, siebenfacher Weltmeister
und damit einer der größten Skifahrer aller Zeiten. Ja, das war meine Geschichte
und beim nächsten Mal werden wir dann mal schauen, wem wir uns dann zuwenden.
Wir werden nochmal was über den modernen Fußball und seine Entwicklung machen.
Und wir werden jetzt zu Beginn der NFL vor allem auch wieder auf den Football-Sport zurückkommen.