Der Sportgeschichts-Podcast

Geschichten über Legenden und Meilensteine des Sports

Heinz Flohe: zwischen 1. FC Köln und kölner Milieu

Ein Weltklasse Fussballer der Bundesliga mit einem schweren Schicksal

30.05.2026 59 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Episode reisen wir zurück in die 1970er Jahre und beleuchten das faszinierende, glanzvolle und zugleich tief tragische Leben einer echten Legende des deutschen Fußballs: Heinz Flohe. 

Vom Euskirchener „Dschungel“ spielte sich „Flocke“ in die Herzen der Kölner Fans und führte den 1. FC Köln 1978 als Kapitän zum legendären Double-Erfolg. Doch Flohe war kein gewöhnlicher Profi. 
Er war ein feinsinniger Freigeist auf dem Platz, der sich abseits des Scheinwerferlichts am wohlsten fühlte. 
Wir sprechen über seine heimliche Leidenschaft für das Boxen , seine legendären Nächte im Kölner Milieu rund um das „Klein Köln“ und die Hobby-Zuhältertruppe „FC Johnny“. 
Seinen schweren Stand in der Nationalmannschaft unter Helmut Schön.
Zudem beleuchten wir das brutale Foul, das seine Karriere mit nur 31 Jahren jäh beendete, und seinen langen, bewegenden Abschied im Wachkoma. 
Eine Geschichte über unvergleichliche Spielkunst, bodenständige Ecken und Kanten und ein Schicksal, das bis heute berührt.

Transkript

Tim Stefan
00:00:15
Herzlich Willkommen bei Sportarchiv. Mein Name ist Tim.
Speaker1
00:00:18
Und mein Name ist Stefan.
Tim Stefan
00:00:20
Ja, Stefan. Nach einer kleinen Pause beschäftigen wir uns jetzt mal wieder mit Fußball.
Speaker1
00:00:24
Ja, wir lassen den Ball rollen, genau.
Tim Stefan
00:00:26
Ja, und wir gehen zu unserem Heimatverein sozusagen, dem 1. FC Köln.
Speaker1
00:00:33
Ja, Heimatverein. Ja, wir sind in Köln geboren, aber wir sind ja beide keine Fans. Aber interessierte Begleiter, das stimmt.
Tim Stefan
00:00:39
Ja, auf jeden Fall. So ein bisschen schlägt das Herz hier auf für den FC. Ja, aber wir sprechen heute nicht über irgendeine Zeit vom 1. FC Köln, sondern wir sprechen heute über Heinz Flohr.
Speaker1
00:00:52
Das ist ein mir sehr bekannter Name, aber ich muss darüber nachdenken und sagen, ich werde ihn wahrscheinlich gar nicht mehr spielen gesehen haben. Kann das sein, Anfang der...
Tim Stefan
00:01:01
Ja, wahrscheinlich nicht, denn Ende der 70er Jahre, Anfang der 80er Jahre ist schon zu Ende die Karriere von Heinz Flohr. Ja, Heinz Flohr. Man könnte sagen, zwischen Weltklassefußball und Kölner Milieu spielt sich so sein Leben ab. Und ich habe einen Artikel gelesen, der beginnt damit. Es gibt im deutschen Fußball viele Helden, aber selten haben sich technische Brillanz, menschliche Bescheidenheit und ein tragisches Schicksal so in einer Vita verwoben wie bei Heinz Flohr. Fand ich, ist ein schöner Beginn.
Speaker1
00:01:33
Ja, das klingt richtig gut. Wird ja nicht auch Flocke genannt?
Tim Stefan
00:01:36
Genau. Die Fans und auch die Mitspieler nannten den Heinz Flocke. Da kommen wir auch gleich zu, wo das herkommt. Heinz Flohe, der Inbegriff der Spielgestalters war er jetzt eigentlich nicht. Denn in den 70er Jahren, in denen wir uns jetzt so hauptsächlich befinden, waren das Günter Netzer und Wolfgang Overrath. Und deshalb ist vielleicht der Name Heinz Flohe so über den Kölner Raum hinaus gar nicht so bekannt.
Speaker1
00:02:01
Das könnte ich mir auch gut vorstellen, dass viele den heute schon gar nicht mehr kennen, die nicht ganz eng am FC dran sind.
Tim Stefan
00:02:07
Ja, die 70er Jahre war ja auch so eine Zeit, da wandelt sich der Fußball so ein bisschen vom Kampfspiel zu so einer technischen Fußball oder schön anzusehenden Fußball. Die 70er Jahre waren ja jedenfalls die erste Hälfte noch sehr gut.
Speaker1
00:02:21
Ja, da waren ja auch Overrad, Netzer, Grabowski, Beckenbauer, um einige wenige zu nennen, sogenannte Spielmacher.
Tim Stefan
00:02:28
Ja und der Heinz Floh, der war halt auch eigentlich ein großer Teil dieser Zeit, aber wie gesagt, der ist nicht mehr so bekannt vielleicht und seine Karriere beim 1. FC Köln und der Nationalmannschaft, die spiegelt so ein bisschen so das Spannungsfeld dieses Mannes wieder irgendwo zwischen Freigeist, Supertechniker und jemand, der eigentlich so seine Ruhe haben wollte, der sehr bürgerlich war und vielleicht gar nicht so in diese Glamour-Zeit oder gar nicht so vergleichbar war wie Spieler wie Günter Netzer. Der suchte halt nicht so die Öffentlichkeit.
Speaker1
00:02:58
Ja, der wollte wahrscheinlich nur, in Anführungszeichen, auf dem Platz brillieren und war nicht daran interessiert außerhalb des Platzes.
Tim Stefan
00:03:05
Genau so ist es. Für ihn zählte nur der Fußball und auch so der Boxsport. Das war auch so eine große Leidenschaft von ihm. Und er hatte immer schon gute Connections zum Kölner Milieu.
Speaker1
00:03:16
Ah, das klingt spannend.
Tim Stefan
00:03:17
Ja, der Heinz Floh ist halt auch einer der ersten modernen Mittelfeldspieler, sagt man so. Der ist halt nicht nur Spiegelgestalter gewesen, sondern das war ein dribbelstarker Techniker mit einem sehr starken Abschluss und der konnte halt ein bisschen mehr als nur links antäuschen und rechts vorbeigehen. Also für einen Deutschen war er ein super Techniker und Günther Netzer sagt über ihn, für ihn war er immer ein Brasilianer und Franz Beckenbauer bezeichnet ihn als den besten Techniker seiner Zeit.
Speaker1
00:03:45
Boah, das sind mal Komplimente.
Tim Stefan
00:03:47
Ja, aber schauen wir uns erstmal an, wo er herkommt. Der Heinz Floh wurde am 28. Januar 1948 in der Kölner Universitätsklinik geboren, wuchs allerdings in Euskirchen auf und verbrachte da quasi seine Jugend in der Idylle auf dem Dorf. sozusagen. Und so sein Umfeld war geprägt, sagen wir mal, in einer rauen Herzlichkeit. Und das ist auch ein bisschen so der Grundstein für seinen späteren Charakter. Denn sein Großvater, der hatte ein Abschleppunternehmen und eine Autowerkstatt und die hatten ein sehr großes Gelände, das nannten die Kinder den Dschungel.
Speaker1
00:04:24
Da denke ich aber gerade an die drei Fragezeichen, um das mal einzuwerfen.
Tim Stefan
00:04:27
Ja, so habe ich mir das auch so ein bisschen vorgestellt, so ein Schrottplatz, wo so alles möglich ist, aber so ein bisschen soll das auch gewesen sein. Und die Jugendfreunde erzählen so, dass nach der Schule, da ging man halt zum Heinz und da wurde halt gespielt und da wurde halt auch viel Fußball gespielt. Und das war jetzt halt kein geleckter Fußballplatz oder so, wie man das vielleicht heute kennt. Da spielte man halt neben Autofrax und Trümmern. Und daher kommt auch so ein bisschen seine Spielweise, dass er so ein Überlebenskünstler auf dem Platz war. Und der super dribbeln konnte und sehr kreativ war. Und vom Opa hatte er auch den ersten Berufswunsch. Er wollte nämlich eigentlich Rennfahrer werden.
Speaker1
00:05:08
Auch nicht schlecht.
Tim Stefan
00:05:09
Aber der Opa hat dann schnell erkannt, der Heinz spielt gerne Fußball. und von ihm hat er dann auch die ersten Fußballschuhe bekommen. Und wir sind ja in den 50er Jahren, er war der Erste, der einen Lederball hatte.
Speaker1
00:05:20
Oh, der war heiß begehrt von den ganzen Nachbarskindern bestimmt.
Tim Stefan
00:05:23
Ja, da wird auch so geschildert, da hat man den noch poliert, wenn da ein Kratzer drauf war und so. Das war wie so ein Heiligtum. Und man muss sagen, auch sein Vater war schon ein super Fußballer. Denn der Peter Flohr, der war auch ein sehr guter Techniker und spielte auch in Euskirchen und später in Bonn. Und hat dann so in Freundschaftsspielen auch gegen den 1. FC Köln gespielt mit Hans Schäfer und Hennes Weisweiler.
Speaker1
00:05:51
Also in der Anfangszeit des 1. FC Köln, wir sagen es nochmal, 1948 gegründet.
Tim Stefan
00:05:56
Da war auch immer schon so eine Verbindung zum 1. FC Köln. Und der Heinz Flohr beginnt dann mit sechs Jahren beim TSV Euskirchen. Heute ist das der ETSC, der TSC Euskirchen nach einer Fusion mit dem SC Euskirchen 1967. Ja, schon früh hat man dann gemerkt in Euskirchen, der hat aber ganz besondere Fähigkeiten, die so über das normale Fußballermaß hinausgingen, wie es da so üblich war. Und sein früherer Jugendtrainer, der berichtet dann, dass der Heinz halt stundenlang mit Begeisterung trainiert hat. Fast schon manisch wäre das gewesen und als Jugendlicher hätte er schon Tricks gezeigt, die zirkusreif waren. Und natürlich hat das dann zur Folge, dass auch andere auf ihn ausmerksam werden. Er spielt dann in der Kreis-, in der Mittelrhein- und in der Westauswahl. Und das ebnet dann auch schon den Weg in die Jugendnationalmannschaft.
Speaker1
00:06:51
Schon mein erster wichtiger Schritt, wenn man ambitionierter als Fußballer sein möchte.
Tim Stefan
00:06:55
Für die Schule hat der Heinz jetzt nicht viel übrig gehabt.
Speaker1
00:06:57
Das ist ja oft dann so bei diesen super talentierten späteren Stars.
Tim Stefan
00:07:02
Ja, aber er lernt auch Automechanika. Weil er ja auch so einen Hang zu Autos und vor allem zu Motorrädern hat.
Speaker1
00:07:11
Da kommt das gut, wenn man selber schrauben kann.
Tim Stefan
00:07:13
Auf jeden Fall. Und so dieses Easy Rider mäßige, das wird er auch nie ablegen.
Speaker1
00:07:18
Ah, want to be wild.
Tim Stefan
00:07:20
Ja, außerdem war er ein extrem guter Zeichner. Auch. Er hatte so eine leicht künstlerische Ader. Aber am 7. November 1965 war jetzt klar, es wird auf jeden Fall der Fußball, weil er spielt dann erstmals in der DFB-Junioren-Auswahl. in Belgrad und da verliert man noch 0 zu 1 gegen Jugoslawien, aber das war so das erste Highlight und als Jugendspieler wollte der Heinz Flohr eigentlich nicht zum 1. FC können.
Speaker1
00:07:48
Besonders?
Tim Stefan
00:07:48
Sein Herz schlug ein bisschen für Schalke 04, weil das war ja so ein Arbeiterverein und so rund um Köln galt der 1. FC Köln doch so ein bisschen als ein hochnäsiger Verein, Ja, definitiv. Wobei man ja sagen muss, Anfang der 60er Jahre, überhaupt in den 60er Jahren, war ja dank Franz Krämer der 1. FC Köln vielleicht auch so das Maß der Dinge in der Bundesliga. Ja, die hatten auch in den Jahren davor schon, wie soll man das formulieren, eine gesunde Arroganz.
Speaker1
00:08:14
Aber das muss man sich auch erst mal erwerben und muss ja auch erst mal Leistung bringen, dass die anderen, oder Neid muss man sich erkämpfen. Die wurden beneidet und als arrogant empfunden. So liest man es zumindest.
Tim Stefan
00:08:24
Ja, die hatten ja schon das moderne Geißbockheim zu der Zeit.
Speaker1
00:08:27
Sehr edle Trikots.
Tim Stefan
00:08:28
Ja, und die waren 61, 62 und 63, 64 Deutscher Meister.
Speaker1
00:08:33
Also das, ja, die hatten ja auch etwas, worauf sie sich etwas, naja, vielleicht nicht einbilden, aber worauf sie dann durchaus stolz sein durften.
Tim Stefan
00:08:40
Naja, auf jeden Fall für den Heinz Floh war so dieses städtisch und leicht Arrogante nicht so sehr sein Ding, weil der halt so sehr bodenständig war. Ja, trotzdem, die Scouts hatten ihm schon einen Blick, aber der Wechsel zum 1. FC Köln, der beruht jetzt nicht eigentlich auf so einem kühlen Scouting, wie das vielleicht heute der Fall ist, sondern auch dazu gibt es eine Anekdote, die ist irgendwie auch so ein bisschen typisch Kölsch. Denn also der Patriarch des 1. FC Köln, der Franz Krämer, der wurde auf den Heinz Floh durch Juppröhrig und Georg Stollenberg aufmerksam gemacht.
Speaker1
00:09:15
Schorsch Stollenberg, genau.
Tim Stefan
00:09:17
Ja, aber die endgültige Verpflichtung, die fand dann aufgrund einer Wette im Geißbockheim statt.
Speaker1
00:09:24
Eine Wette?
Tim Stefan
00:09:24
Ja, Flohs Vater Peter saß nämlich mit seinen Leuten, mit seinen Mitspielern vom DSV Euskirchen im Geißbockheim beim 1. FC Köln. Da hatte man so ein Freundschaftsspiel gemacht und der Franz Krämer stand an der Theke und die Mannschaftskollegen von dem Peter Floh meinten dann, eine Wette machen zu müssen. Es ging um zehn Schnäpse, die der Peter bekommt, wenn es ihm gelingt, seinen Sohn noch am selben Abend beim FC unterzubringen. Also packt er seinen Mut zusammen, geht zum Präsidenten, spricht den an und der Franz Krämer dann ganz knapp. Ja, ihr Sohn ist uns bekannt, den hätten wir gern beim 1. FC Köln. Dann gab es einen Handschlag und dann war das besiegelt.
Speaker1
00:10:04
Nein.
Tim Stefan
00:10:05
So lief das dann. Der Peter bekam seine zehn Schnäpse und so beginnt die Karriere vom Heinz Flohr beim 1. FC Köln.
Speaker1
00:10:11
Da brauchte man noch keine Manager.
Tim Stefan
00:10:14
Ja, es wurde auch nicht über Geld verhandelt oder so.
Speaker1
00:10:17
Man war einfach stolz, dass man da spielen durfte.
Tim Stefan
00:10:20
Ja, mit dem Heinz Flohr ging dann auch der Jürgen Jendrosek.
Speaker1
00:10:24
Auch gerne Jenny Jendrosek genannt. Das klingt ja auf die Spitzennamen nicht immer, aber manchmal.
Tim Stefan
00:10:29
Ja, auf jeden Fall. Die waren gut befreundet und die bekamen dann 1000 D-Mark plus Prämien beim 1. FC Köln. Und einen Halbtagsjob hat man ihnen zugeschanzt.
Speaker1
00:10:39
Ja, man war ja noch Amateur.
Tim Stefan
00:10:41
Ja, also Halbprofi. Ja, sozusagen. Beide bekamen einen Job beim Kaufhof. Der Jürgen dann beim Kaufhof auf der Schildergasse. Und der Heinz Floh sollte nach Port zum Kaufhof. Also zum Lager wahrscheinlich. Port City. Genau. Ja, da ist er einmal hingefahren und dann soll er gesagt haben, auf diesen Scheiß habe ich überhaupt keinen Bock.
Speaker1
00:11:04
Wen wundert das.
Tim Stefan
00:11:05
Und danach hat der Heinz Floh auch nie wieder einen regulären Job gehabt.
Speaker1
00:11:09
Der musste auch nicht, ne?
Tim Stefan
00:11:10
Nein, der musste da auch nicht hin. Das war dann mehr so nur das Alibi. Ja, und dann begann relativ schnell schon der Aufstieg zur Vereinsikone sozusagen. Und die ersten Profijare blieb der Heinz dann erst noch in der Heimat Euskirchen wohnen. Der fuhr dann mit dem alten VW Käfer täglich zum Training ans Geisbockheim und der genoss das halt natürlich, dass er dann noch bei der Mutter wohnen konnte. Es gab ja vorher andere Angebote außer dem 1. FC Köln, aber die Mutter hat gesagt, nee, du bleibst mal schön hier in der Nähe.
Speaker1
00:11:39
Wie Mütter so sind.
Tim Stefan
00:11:40
Ja, aber alle im Umfeld waren natürlich mega stolz drauf, dass er jetzt beim 1. FC Köln spielt. Ja, und schon da war es halt so, dass der Heinz Floh kein Mann von großen Worten war, sondern der ließ halt die Füße sprechen. Und das war aber beim 1. FC Köln erstmal gar nicht so einfach. Der Jürgen Jendruszek schildert das dann so. Beim 1. FC Köln, da gibt es halt verschiedene Abteilungen in der Kabine. Die Nationalspieler, die normalen Spieler und die kleinen Arschlöcher. Und das waren die.
Speaker1
00:12:10
Die Neuen und noch nicht so Erfahrenen.
Tim Stefan
00:12:12
Ja, auch im Bus. Die Stammkräfte hatten alle ihren festen Platz. Und der Franz Krämer wollte das auch so. Und die Neuen saßen hinten auf der Rückbank. Hackordnung. Es ging darum, auch gut auszusehen. Es musste ein Anzug gekauft werden.
Speaker1
00:12:27
Ja, klar.
Tim Stefan
00:12:28
Und der Heinz Floh war halt so ein ganz ruhiger, umgänglicher. Der fiel jetzt nicht groß auf, außer dass er ein super Fußballer war. Und das war auch notwendig, denn der Trainer war Willi Muldhaupt.
Speaker1
00:12:38
Willi Fischken Muldhaupt, genau.
Tim Stefan
00:12:40
Der war ja vorher bei Werder Bremen und Borussia Dortmund.
Speaker1
00:12:43
Und der Meister geworden mit Bremen.
Tim Stefan
00:12:45
Ja, auch. Eigentlich ja gewissermaßen so ein Erfolgstrainer.
Speaker1
00:12:49
Er hat eigentlich der Obercup mit Dortmund gewonnen.
Tim Stefan
00:12:51
Der Willi Muldhaub gewinnt 1966 den Europapokal der Pokalsieger mit Dortmund. Der Willi Muldhaub, der stand aber auf jeden Fall auf erfahrene Spieler und nicht so sehr auf die jungen Spieler. Aber der Heinz Flohr hatte aufgrund seiner Fähigkeiten schon den Vorteil, dass er schnell das Ansehen der Mitspieler gewann. Und deshalb spielte er dann schon am dritten Spieltag 1966 für den 1. FC Köln bei einer 1 zu 0 Niederlage. und da kommt wieder einmal Eintracht Braunschweig ins Spiel.
Speaker1
00:13:21
Ah, Eintracht.
Tim Stefan
00:13:22
Machte dann auch direkt 18 Spiele, schoss zwei Tore. Also für so einen ganz jungen Spieler richtig gut. Aber der Ding ist ein Topstart, würde ich sagen. Und das erste Tor hatte er dann bereits am 5. November 1966 gegen Hannover 96 geschossen. Ja, und dann ging es eigentlich ja schon steil bergauf. 1968 holte er mit dem 1. FC Köln den Pokalgewinn im Südweststadion in Ludwigshafen beim 4 zu 1 gegen Bochum. War er Sieg. Danach wollte der FC unbedingt auch seinen Vertrag verlängern, der auslief. Ja und der Heinz, der war da schon clever, der holte sich Hilfe. Und zwar von Rüdiger Schmitz. Der war Anwalt und aber auch so ein bisschen Familienfreund. Ja und dann ging er dann mit dem zum Oskar Maas, der war damals Präsident beim 1. FC Köln.
Speaker1
00:14:08
Denn wir müssen kurz einpflichten. Franz Kremer war leider an einem Herzinfarkt verstorben.
Tim Stefan
00:14:12
Das stimmt. Also der legendäre Präsident war schon verstorben. Und bei den Verhandlungen sagte dann der Oskar Maas, du kannst ja gerne reinkommen, aber der Mann da, der bleibt draußen. Aber dann war das Gespräch nach zwei Minuten für den Heinz Flohr auch erledigt und man ging wieder. Einige Tage später kommt der Maas zum Training und ruft den Flohr zu sich und meint, also so geht das nicht, junger Mann. Sie müssen schon ihren Vertrag selber verhandeln. Und da hat der Flo zudem gesagt, also wenn sie meinen Manager nicht akzeptieren, dann bin ich weg. Das war sehr modern, oder? Ja, auf jeden Fall und so wurde der Schmitz einer der ersten Spielerberater in der Bundesliga. Ja und natürlich hat man sich dann mit dem 1. FC Köln geeinigt und nach und nach wird der Heinz Flohr dann tatsächlich so ein Fußballer, vielleicht sogar von Weltformat. Jedenfalls was Tempodribbling und sowas angeht. Und der trainierte halt auch zusätzlich, insbesondere halt so Tricks eins gegen eins, schaute sich dann auch so bei internationalen Spielen, die man so irgendwie im Fernsehen sah, schaute er sich Tricks ab, hatte auch so erste Aufnahmen von Brasilianern sich angeschaut. Also der übte das auch richtig.
Speaker1
00:15:22
Klasse, wollte sich weiterentwickeln.
Tim Stefan
00:15:24
Ja und über den Master Micha, der nannte ihn dann immer Flocke, weil der kam aus Jugoslawien. Da sagt man einerseits, wahrscheinlich konnte er den Namen vielleicht nicht richtig aussprechen. In dem Film, den es über den Heinz Floh gibt, wird natürlich gesagt, das kam eher daher, weil er so Pässe spielte, die leicht waren wie Schneeflocken.
Speaker1
00:15:43
Naja, ob das so war,
Tim Stefan
00:15:47
Man nannte ihn halt einfach Flocke. Ja und am 22.11.1970 wird er das erste Mal in die A-Nationalmannschaft berufen. Und da wird er in der 79. Minute für Günther Netzer eingewechselt. Ja, sein erstes Tor für die Nationalmannschaft schießt er dann am 30. Juni 1971 in Kopenhagen beim 3 zu 1 über Gastgeber Dänemark. Er schießt das 2 zu 1 in der 83. Minute, also schon ein wichtiges Tor. Und im Jahr 70 hatte er seine Frau Ulla geheiratet in der Kirche in Euskirchen und der gesamte 1. FC Köln machte ein Spalier bei glühender Hitze.
Speaker1
00:16:22
Das finde ich gut.
Tim Stefan
00:16:23
Und seine Frau Ulla, die hatte er schon in der Schule kennengelernt, das war halt seine Jugendliebe und auf der Hochzeitsfeier wurde noch zünftig gefeiert und Jupp Kapellmann spielte das Akkordeon.
Speaker1
00:16:33
Ach, späterer Dr. Jupp Kapellmann.
Tim Stefan
00:16:35
Ja, und kurze Zeit später, am 25.12.1971, wird sein Sohn Nino geboren. Er hat dann auch nur einen Sohn. Ja, und Anfang der 70er Jahre kommen dann immer mehr Vereine und würden ihn gern verpflichten. Allen voran der FC Bayern München.
Speaker1
00:16:53
Ja, das wäre was gewesen.
Tim Stefan
00:16:54
Ja, vor allem Franz Beckenbauer hat sich stark dafür gemacht, den Heinz Floh zu verpflichten. Aber keine Chance. Denn der Heinz wollte aus Köln nicht weg.
Speaker1
00:17:03
Ach, schade.
Tim Stefan
00:17:04
Ja, der war halt so verbunden mit Euskirchen und der Stadt. Ja, heimatverbunden. Muss dazu ja sagen, Euskirchen ist ja nicht weit von Köln entfernt. Auf jeden Fall, der Heinz Flohe wollte nicht weg. Und 1971 waren sie dann mit dem 1. FC Köln wieder im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München. Oh ja. Und Bayern gewinnt 2 zu 1 nach Verlängerung. Das entscheidende Tor schießt ein Edgar Schneider.
Speaker1
00:17:28
Ja, den kennt heute keiner mehr, aber der war da ein aufstrebendes Jungtalent.
Tim Stefan
00:17:32
Okay. Ja, eines seiner besten Spiele macht der Heinz Floh dann im nächsten Jahr. Auch wieder gegen Bayern München im vierten Finale. Und da gab es ja noch Hin- und Rückspiel natürlich im Pokal.
Speaker1
00:17:43
Ah ja, wichtig zu erwähnen, also noch lange bis in den 70er Jahre hinein gab es ein Hin- und Rückspiel.
Tim Stefan
00:17:48
Ja, und das Hinspiel in München verlor der FC 3 zu 0, also eine klare Sache. Aber im Rückspiel waren 28.000 Zuschauer in der Radrennbahn in Köln.
Speaker1
00:17:58
Ah, muss man sich erklären, es gab also eine Zeit lang, oder lange dieses ursprüngliche Mungersdorfer Stadion. Dann hat man sich dann entschlossen, wir bauen ein richtiges neues Stadion. Sollte zur WM erbaut werden, war dann glaube ich später aber gar nicht fertig. Und dazwischen wurde in der sogenannten Radrennbahn gespielt mit einem sehr begrenzt Zuschauervolumen. Es gibt ein eigenes Buch über die Zeit in der Radrennbahn. Und ich meine mich zu erinnern, die Kölner hätten da eine ganz fantastische Heimbilanz von irgendwie zwei Drittel aller Spiele gewonnen.
Tim Stefan
00:18:23
Ja, das war ganz bekannt auch so in der Bundesliga. Da fuhr man ungerne hin. Das war total eng, ein relativ kleines Spielfeld. Und eine Holztribüne, die wackelte dann, wenn die FC-Fans da Stimmung machten. Da war richtig wohl was los. Und da blühte der Heinz Floh auch so richtig auf. Das war eigentlich genau das, was er wollte. Diese Enge im Stadion und diese Stimmung.
Speaker1
00:18:46
Geile Atmosphäre. Dein Vater war doch x-mal auch damals da. Auf jeden Fall.
Tim Stefan
00:18:50
Habt ihr auch immer gerne erzählt, dass das eigentlich die schönste Zeit war.
Speaker1
00:18:53
Da waren wir so ganz dicht dran. Das muss richtig geil und eng gewesen sein.
Tim Stefan
00:18:57
Ja, und bei diesem Rückspiel gegen Bayern München gewinnt der 1. FC Köln dann 5 zu 1.
Speaker1
00:19:03
Triumph.
Tim Stefan
00:19:04
Ein heftiges Spiel, wie geschrieben wird, mit vier Schwerverletzten.
Speaker1
00:19:08
Ui, ernsthaft?
Tim Stefan
00:19:10
Ja, die Bild-Zeitung titelte das gemeinste Spiel des Jahres.
Speaker1
00:19:13
Oh Gott.
Tim Stefan
00:19:14
Es gab einen Schien- und Wadenbeinbruch bei Bayerns Sünnholz. Ach, der Sünnholz.
Speaker1
00:19:20
Ja, der ist später in die USA gewechselt.
Tim Stefan
00:19:23
Der Torwart Manfred Seifert spielte da bei Bayern. Der erlitt eine Brustbeinprellung. Ah, übel. Dann führt der FC schon 3 zu 0. Der schießt dann das 4 zu 0. Aber Bayern kommt nochmal ran 4 zu 1. und dann kommt das entscheidende 5 zu 1 durch Bernd Rupp. Und die Bayern sind dann so frustriert, dass der Harald Konopka vom Gerd Müller eine Kopfnuss verpasst bekommt. Ui, eigentlich ist doch Harald Konopka bekannt dafür, dass er austeilt, dass er auch mal was einstecken musste. Das hat er sich wahrscheinlich auch gewundert. Auf jeden Fall wird das so hitzig, dass es dann zur Schlägerei kommt. Der Krauthausen von Bayern München, der fordert quasi den Flo heraus. Und dann soll es so gewesen sein, dass der Flo dem Bayern-Spieler einige Zähne, vor allem die Schneidezähne, ausgeschlagen haben sollen. Denn der Heinz Flo war ein sehr guter Boxer. Der trainierte auch regelmäßig. Und damit war es aber noch nicht zu Ende. Es gab dann noch im Kabinengang eine Prügelei zwischen den Mannschaften vor den Kabinen. Also es muss so richtig hin und her gegangen sein.
Speaker1
00:20:22
Klingt richtig gut, fast wie Eishockey.
Tim Stefan
00:20:24
Ja, und der Heinz Floh war der überragende Mann des Spiels. Aber im Halbfinale schied der 1. FC Köln dann aus, obwohl man 4 zu 1 noch gewonnen hatte im Hinspiel. Und im Rückspiel verliert man dann im Elfmeterschießen gegen Schalke 04. Also auch das Topspiele.
Speaker1
00:20:45
Da ging es richtig zur Sache.
Tim Stefan
00:20:46
Ja und der Heinz Floh avanciert dann so zum König der Radrennbahn. So wird er dann von den Fans genannt. 1972 wird Rudi Schlott Trainer beim 1. FC Köln. Und der fördert noch mehr so dieses Individuelle bei dem Floh. Und der soll dann quasi noch mehr 1 gegen 1 gehen. Und der spielt dann halt auch immer neben dem Wolfgang Overrath im Zentrum. Anfangs hat er außen gespielt. spielt dann aber nachher mit dem Overrath in der Mitte.
Speaker1
00:21:13
Also wenigstens etwas, wofür man sich an Rudi Schlott erinnern kann.
Tim Stefan
00:21:18
Ja, der war nicht lange da.
Speaker1
00:21:19
Der war nicht lange da, das hätte ich jetzt gewusst. Aber immerhin etwas Gutes da hinterlassen, den Flur gefördert.
Tim Stefan
00:21:27
Ja, 1973 kommt das legendäre Pokal-Endspiel des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach.
Speaker1
00:21:34
Ach, Günter Netzer.
Tim Stefan
00:21:35
Natürlich, die 1-2-Niederlage, Nach Verlängerung, bei der sich Günter Netzer ja selber einwechselt.
Speaker1
00:21:42
Absolutes Traumtor.
Tim Stefan
00:21:43
Ja, deshalb wird dann Czik Tchaikovsky der neue Trainer beim 1. FC Köln. Denn der 1. FC Köln hatte einen hohen Anspruch in den 70er Jahren. Jedes Jahr mussten sie im Europapokal vertreten sein. Das war das Ziel.
Speaker1
00:21:56
Mögen die Zeiten doch bloß wiederkommen. Das kann ich wirklich sagen. Das würde ich im 1. FC Köln sehr, sehr gönnen.
Tim Stefan
00:22:01
Ja, und es kamen auch gute Zeiten im Europapokal. 73-74 schaffte man es durch einen Kanter-Sieg in Müngersdorf gegen Marseille und Nizza ins vierte Finale. Verlor dann aber gegen Tottenham Hotspurs 1-2 und 0-3. Aber man war schon auf der Bühne in Europa. 74-75 schafft man es nach Siegen gegen Kokolan Palo-Weikot.
Speaker1
00:22:25
Finnland.
Tim Stefan
00:22:25
Finnland, ja.
Speaker1
00:22:26
Das ist ein finnischer Verein.
Tim Stefan
00:22:28
Dinamo Bukarest, Partisan Belgrad und dem FC Amsterdam ins Halbfinale gegen Gladbach. Tatsächlich, es ist der FC Amsterdam.
Speaker1
00:22:37
Ja, den gab es eine Zeit lang auch, glaube ich.
Tim Stefan
00:22:39
Ja, der hat nicht so lange da in der ersten Liga gespielt. Das muss irgendein Fusionsverein gewesen sein, der in der Zeitung auch in der Eredivise gespielt hat. Also ein Wettbewerber von Ajax. Ja und im Halbfinale trifft man wieder auf Borussia Mönchengladbach. Und leider verliert man auch hier wieder 1 zu 3 und 0 zu 1. Und Borussia Mönchengladbach gewinnt in diesem Jahr den UEFA Cup. Damals noch mit einem Hin- und Rückspiel gegen Twente Entschede und wird in dem Jahr auch deutscher Meister.
Speaker1
00:23:06
Das waren glorreiche Zeiten der Fohlen.
Tim Stefan
00:23:08
Ja, das ist auch so. Der 1. FC Köln war zwar gut, aber diese Zeiten wurden halt durch Bayern München und Borussia Mönchengladbach total dominiert.
Speaker1
00:23:17
Die waren halt noch besser.
Tim Stefan
00:23:18
Ja, denn der Hintergrund ist vielleicht auch das Verhältnis mit Wolfgang Overrath. Also es war eines der zentralen Themen, die immer in Köln diskutiert werden, das Verhältnis zwischen ihm und Wolfgang Overrath. Die Medien versuchten da immer so eine Rivalität draus zu machen, um die Position des Spielmachers.
Speaker1
00:23:36
Ich hätte ja gedacht, der Flo war viel zu entspannt für sowas, oder?
Tim Stefan
00:23:40
Tatsächlich war das so. Der Overrath hat so in Interviews gesagt, er hat über nie ein böses Wort von dem Flo gehört oder dass er versucht hätte, irgendwie ihm da was streitig zu machen, sondern eigentlich haben die sich super ergänzt. Der Overrath war halt so mit der klassische Regisseur und der Flo war halt der, der dann mal eins gegen eins spielte, aber auch das Spiel schneller machte. Und die haben sich wohl sehr gut ergänzt und in den 70er Jahren harmonierten die teilweise dann blind. Da gibt es so viele Videos, so legendäre Kombinationen, der sogenannte Doppelpass, wo die dann auch so Tore schießen, zum Beispiel bei einem 4-0 gegen Bayern München. Da kommt das mal vor, da nehmen sie die Abwehr auseinander. Aber tatsächlich in der Bundesliga gab es halt noch ein anderes Duo, nämlich das Duo Netzer-Wimmer. Und da zeigt sich auch so ein bisschen die Krux, warum der FC vielleicht auch nicht so erfolgreich war, weil der FC spielte halt mit Oberrad und Flo im Zentrum. Keiner von denen weiß bekannt dafür, defensiv irgendwas zu tun. Und bei Gladbach war halt der Wimmer da, der räumte ab. Bei Bayern...
Speaker1
00:24:47
Haki Wimmer war ja auch die lebende Lunge sozusagen. sagen. Der hat dem Netzer alles abgeräumt und auch für den nach hinten gearbeitet.
Tim Stefan
00:24:54
Ja, da war halt mehr Stabilität im Spiel wahrscheinlich. Und bei Bayern ja auch. Bei der großen Mannschaft der 70er Jahre.
Speaker1
00:25:02
Da hast du auch immer defensiv arbeitende Leute gehabt, die so ein Beckenbau, wenn er nach vorne ging, eben den Rücken freigehalten haben. Denke nur an Katja Schwarzenbeck und die anderen natürlich auch.
Tim Stefan
00:25:09
Ja, Bulleroth.
Speaker1
00:25:10
Bulleroth wird auch gerne oft übersehen. Ein ganz, ganz toller Spieler gewesen. Auch entscheidende Tore geschossen. Ich glaube sogar in drei Europa-Cup-Einspielen. Franz Bulleroth.
Tim Stefan
00:25:20
Ja, und das fehlte halt dem 1. FC Köln so ein bisschen. Und auch medial ging der Heinz Floh so ein bisschen unter, weil der sehr medienscheu war.
Speaker1
00:25:28
Ich wollte nämlich gerade sagen, der hat doch gar keinen Bock auf dieses Da-Sein und Interview hier, Interview da gehabt.
Tim Stefan
00:25:33
Würde ich verurtern? Ja, total. Und vor allem, der hat mehrfach Anfragen vom Sportstudio bekommen, was damals ja so das Aushängeschild war.
Speaker1
00:25:40
Eine Ehre, da eingeladen zu sein, auch um sich bekannt zu machen und dann vielleicht auch mehr Geld zu kriegen. Er war wohl sehr zurückhaltend und an seiner Ruhe mehr interessiert. Er war nur
Tim Stefan
00:25:51
Einmal da mit der Nationalmannschaft und dieses Interview kann man sich noch heute anschauen und da sieht man direkt, wie unangenehm ihm das ist und wie schüchtern er da ist und auf keinen Fall so ins Rampenlicht will. Die Antworten sind sehr einsilbig, sagen wir mal so.
Speaker1
00:26:08
Klingt aber irgendwie total sympathisch, alles auf den Platz geben und dann privat eigentlich bloß seine Ruhe haben wollen.
Tim Stefan
00:26:14
Genau so ist es. Und er wollte zum Beispiel auch keine Autogrammstunden geben, was damals ja auch so eine Einnahmequelle war.
Speaker1
00:26:20
Ja, total.
Tim Stefan
00:26:21
Und der Manager hat immer alles versucht, aber der Heinz Flohr, der wollte das halt nicht. Dann in den Jahren 76, 77, da kommt Hennes Weisweiler zum 1. FC Köln zurück. Zum dritten Mal wird er Trainer und der 1. FC Köln gewinnt erneut den DFB-Pokal. Im DFB-Pokal gelingt dem 1. FC Köln zum sechsten Mal der Einzug ins Finale, nachdem er unter anderem Fortuna Düsseldorf schlägt 4 zu 2 nach Verlängerung und im Halbfinale Rot-Weiß Essen mit 4 zu 0 und dann trifft man im Endspiel in Hannover auf Hertha BSC. Und die Partie endet 1 zu 1 und auch nach Verlängerung gibt es keinen Sieger. Dann kommt es zu dieser Besonderheit, dass der Sieger das einzige Mal im DFB-Pokal durch ein Wiederholungsspiel gefunden wird.
Speaker1
00:27:11
Schon ungewöhnlich.
Tim Stefan
00:27:12
Zwei Tage später an selber Stelle und da gewinnt der 1. FC Köln durch ein Tor von Dieter Müller mit 1 zu 0 und sichert sich halt seinen zweiten DFB-Pokalsieg.
Speaker1
00:27:22
Das war eine tolle Mannschaft. Dieter Müller war ja auch ein absoluter Goalgetter.
Tim Stefan
00:27:25
Ja, und In diesem Spiel spielt Wolfgang Overrath gar nicht mit. Und der Hennes Weisweiler hat da schon auf den Heinz Flohr gesetzt und der war der Chef dann im Mittelfeld. Und das leitet dann quasi das Ende von Wolfgang Overrath beim 1. FC Köln ein und sein Karriereende.
Speaker1
00:27:43
Schon ein bisschen tragisch, wo der 1. FC Köln gerade wieder anfängt Titel zu sammeln, wird eher so ein bisschen rausgedrängt, so war mein Eindruck.
Tim Stefan
00:27:51
Ja, das war nicht nur dein Eindruck, man spricht auch von einer Demontage durch Weisweiler.
Speaker1
00:27:56
Ja, da war da eiskalt.
Tim Stefan
00:27:58
Aber der Heinz Flohr hat sich in keinster Weise daran beteiligt und das hat der Wolfgang Overath ihm auch hoch angerechnet. Jetzt ist es natürlich so, erst durch Wolfgang Overaths Rücktritt wird er jetzt Kapitän beim 1. FC Köln und der Spielmacher.
Speaker1
00:28:12
Jetzt ist er der Chef.
Tim Stefan
00:28:13
Jetzt ist er der Chef und der macht die Saison seines Lebens und es wird ja auch die beste Saison des 1. FC Kölns aller Zeiten.
Speaker1
00:28:21
Bisher zumindest.
Tim Stefan
00:28:23
Ja, mit dem Double-Gewinn. Double-Gewinn, ne. Ja, sie werden Meister und Pokalsieger und der Flo beweist jetzt halt, dass er mehr ist als nur einer, der dribbeln kann. Also im Grunde führte die ganze Mannschaft an und auch Toni Schumacher hebt das hervor, dass der einer war, der halt voranging, so ein richtiger Leader. Und er war jetzt halt so kein Egoist in dem Sinne. Der machte zwar auch so seine Dribblings und so und das führte auch schon mal zu Ballverlusten, aber so menschlich sah der sich jetzt nur als einer von elf.
Speaker1
00:28:52
Sehr sympathisch.
Tim Stefan
00:28:53
Ja, der 1. FC Köln wird deutscher Meister, punktgleich mit Gladbach. Und zwar sind sie drei Tore am Ende vor, obwohl Gladbach am letzten Spieltag 12 zu 0 gegen Dortmund gewinnt.
Speaker1
00:29:05
Ja, das hatte so einen leicht skandalösen Duft um sich, dieser Spieltag. Das Spannende ist, vielleicht kurz eingeflocht, man kann sich die Schlusskonferenz beim Westdeutschen Rundfunk auf YouTube anhören, komplett.
Tim Stefan
00:29:16
Das muss ja spannend gewesen sein. Gott sei Dank gewinnt der 1. FC Köln 5 zu 0 gegen St. Pauli, sodass dieses 12 zu 0 gar nicht mehr so ins Gewicht fällt, Gott sei Dank.
Speaker1
00:29:28
Ich meine auch Otto Rehagel wäre da entlassen worden beim Dortmund. Das Otto Thorhagel, der Bild auch noch gedemütigt.
Tim Stefan
00:29:37
Okay, ja, jetzt sollte man ja meinen, der Heinz Flohr ist ja so ein guter Spieler, der wird ja für die deutsche Nationalmannschaft auch richtig was gerissen haben.
Speaker1
00:29:45
Ich fürchte, er war zur falschen Zeit.
Tim Stefan
00:29:48
So ist das leider. Denn die Karriere von Heinz Flohr bei der Nationalmannschaft, ist nicht so von glanzvollen Momenten geprägt, sondern eher so ein bisschen von Enttäuschungen. Er ist Weltmeister, denn er gehörte zum Kader 1974. Aber er selber sah sich nie als Weltmeister, weil er im Finale nicht gespielt hat.
Speaker1
00:30:08
Naja, da ist auch was dran, ne?
Tim Stefan
00:30:09
Der hatte halt kein gutes Verhältnis zum Trainer Helmut Schön. Sagen wir mal so, das war kompliziert. Im Endeffekt spielt er nur 39 Länderspiele, er zieht dabei 8 Tore und der Flo fühlte sich immer so ein bisschen ungerecht behandelt. Da war der Meinung, der Helmut Schön sei auch kein Trainer, der Mumm habe und im Grunde immer nur so der Lobby folgen würde und deshalb spielen immer Netz und Overrad. Dazu muss man aber sagen, dass der Helmut Schön so ein bisschen auch so ein feinsinniger und leicht empfindlicher Typ wohl gewesen ist. Und der konnte jetzt mit so einem geselligen, boxbegeisterten Rheinländer wie dem Heinz Flo irgendwie nicht so viel anfangen.
Speaker1
00:30:44
Ja, Mentalitätsunterschied, ne?
Tim Stefan
00:30:45
Anscheinend hatten es aber auch generell die Kölner alle so ein bisschen schwerer als, sagen wir mal, die Gladbacher oder die Münchner.
Speaker1
00:30:51
Ach, warum?
Tim Stefan
00:30:52
Ja, einfach so auch, sagen auch andere Spieler, dass sie beim Helmut Schön jetzt nicht so die Chancen bekommen haben, außer dem Overrad. Das liegt natürlich aber auch daran, dass Gladbach und Bayern so erfolgreich waren und einfach auch Superspiele hatte.
Speaker1
00:31:06
Oder kam der mit der Mentalität der Rheinländer etwa nicht zurecht?
Tim Stefan
00:31:08
Ja, das wird auch so gesagt.
Speaker1
00:31:10
Der Dresdner Sachse, Helmut Schön.
Tim Stefan
00:31:13
Scheinbar war ihm das so ein bisschen zu wider. Bei der EM 1972 ist Heinz Floh nicht dabei. Denn Jürgen Grabowski, der war vorher verletzt, steht wieder zur Verfügung. Auf jeden Fall, da ist er nicht dabei. Aber bei der WM 1974. Und da kommt der Heinz Floh auch dreimal zum Einsatz. Aber unter anderem spielt er bei der peinlichen 1-0-Niederlage gegen die DDR.
Speaker1
00:31:36
Ja, das ist echt bitter.
Tim Stefan
00:31:38
Und er wird dann im Finale nicht berücksichtigt. Tatsächlich ist es so, im Endspiel wird ja gar nicht ausgewechselt. Und das haben auch einige Spieler kritisiert. Im Grunde sind ja nur die Weltmeister die Elf, die da gespielt haben. Wobei außerhalb hat man ihn ja schon immer als Weltmeister gesehen. Aber er selber halt nicht.
Speaker1
00:31:56
Sehr bescheiden von ihm, denn er hat ja dann doch im Turnierverlauf auch seine etwas Zeit gehabt.
Tim Stefan
00:32:03
Ja, bei der EM 1976 wird Flo im Halbfinale gegen Jugoslawien eingewechselt, schießt dann nach 2-0 Rückstand das 1-2 und Deutschland gewinnt noch 4-2 nach Verlängerung.
Speaker1
00:32:16
Ja, da war dieses sehr unangenehme Endspiel dann.
Tim Stefan
00:32:19
Ja, ins Endspiel gegen die Tschechoslowakei. Da kommt er in der zweiten Halbzeit auch ins Spiel und im Elfmeterschießen trifft der Heinz Flo den Elfmeter. Ein anderer ganz berühmter Deutscher.
Speaker1
00:32:32
Leider nicht. Also für alle Uli Hoeneß-Hasser, das kann man sich dann wahrscheinlich mit Genuss angucken, wie er den Ball in den Himmel jagt, über die Torlatte hinweg. Und wir haben dann ja verloren. Mir tat es dann sehr leid für Uli Hoeneß, aber naja, passiert ist passiert.
Tim Stefan
00:32:47
Ja, vor allem für Deutschland war das natürlich echt schlecht.
Speaker1
00:32:49
Das war echt schade.
Tim Stefan
00:32:50
Man muss mal dazu sagen, dass der Heinz Floh ein exzellenter Elfmeterschütze war. Er hat nur einen einzigen Elfmeter in seiner Karriere verschossen und das war im UEFA Cup.
Speaker1
00:32:59
Das ist schon gewaltig. Sogar Kane hat ja mal einen jetzt verschossen.
Tim Stefan
00:33:03
Ja, ich wollte gerade sagen, das hat so Kane-Vibes.
Speaker1
00:33:06
Ja.
Tim Stefan
00:33:07
Ja, am 17.11.1976 spielt er dann im Revanchespiel gegen die Tschechoslowakei und er zielt das tausendste Tor der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft.
Speaker1
00:33:17
Das wäre ein Hammer, das wusste ich auch, ob er nie gehört. Also, der hat eine Menge geile Sachen gemacht, der Hans Flohe. Den müsste man dringend mal wieder, würde ich mir wünschen, in der breiteren Öffentlichkeit bekannter machen.
Tim Stefan
00:33:28
Der war dann auch so bescheiden, er bekam den Spielball und hat den dann seinem Freund, dem FC-Koch Jupp Müller, verschenkt.
Speaker1
00:33:36
Ach, das ist ja total nett.
Tim Stefan
00:33:37
Ja, er spielt dann auch nochmal bei der WM 1978 in Argentinien. Da zeigt er dann beim 6 zu 0 gegen Mexiko seine ganze Klasse und spielt da richtig groß auf, aber muss dann wegen einem Muskelfaserriss abreißen. Das habe ich gar nicht mehr auf dem Schaum gehabt. Hätten wir den dabei gehabt.
Speaker1
00:33:54
Hätten wir vielleicht die Schmach von Cordoba vermieden, wer weiß.
Tim Stefan
00:33:58
Ja, das bittere Ausscheiden gegen Österreich, das ist aber auch das Ende seiner internationalen Laufbahn. Und bevor wir jetzt zum Ende der Karriere kommen, wollte ich noch etwas einfügen, was den Heinz Flohr auch total geprägt hat, was ich auch schon so angedeutet habe. Denn der Heinz Flohr war, anders als viele seiner Profikollegen auch beim 1. FC Köln, auch bekannt dafür, dass er so eine Affinität zu einer etwas zielichtigeren Welt hatte, nämlich dem Milieu in Köln.
Speaker1
00:34:25
Halbseiten.
Tim Stefan
00:34:25
Deshalb nannte man Köln ja auch das Chicago vom Rhein in den 60er, 70er Jahren.
Speaker1
00:34:31
Ja, da gibt es auch eine spannende Doku vom WDR. Das muss sehr, sehr interessant gewesen sein.
Tim Stefan
00:34:35
Ja, und der war da voll dabei. Und wenn er so in der Öffentlichkeit immer so zurückhaltend und schüchtern war, war das in seinem Privatleben aber gar nicht so. Denn wenn er so mit Freunden unterwegs war, dann ließ es der Heinz auch so richtig knallen und amüsierte sich gerne, war so im Nachtleben unterwegs. Der trug dann gerne dunkle Sonnenbrille, die Haare länger, wie in den 70ern ja üblich, Lederjacke und fuhr dann mit einer dicken Honda durch die Stadt.
Speaker1
00:35:00
Gefährlich. Aussehend.
Tim Stefan
00:35:02
Ja, eher cool. So Easy Rider mäßig. Also ein lockerer Typ. Und der kam dann in Kontakt mit bekannten Boxgrößen und dem Milieu in Köln. Und diese Ära ist halt ja vom Rotlicht geprägt in Köln, vom Glücksspiel. Und zu seinen Bekannten zählten dann so Typen wie Schäfers Nas, der Dummse Tünn, der hieß wirklich Anton Dumm. Müllers A, Peter Müller, der ist auch sehr bekannt. Auch Leute, die hießen dann Karate Jacky. Der lange Tünn, Horst Brinkmeier. Ach, Brinkmeier, der hat doch so ein Sportstudio gehabt später. Genau. Der war sehr gut befreundet mit dem Heinz Floh. Und diese ganzen Leute aus dem Milieu, die suchten ja auch den Kontakt zum 1. FC Köln.
Speaker1
00:35:46
Na klar.
Tim Stefan
00:35:46
Die Spieler waren gern gesehen am Ring, da wo die Discos waren und die Clubs waren. Die Leute saßen dann auch gerne beim 1. FC Köln auf der Tribüne, wenn Spiele waren. Und im Grunde war es auch so, die FC-Spieler, die standen immer unter dem Schutz des Milieus. Da kam nichts nach außen, da wurden keine Fotos gemacht von Reportern oder die Leute angequatscht.
Speaker1
00:36:10
Das war noch angenehm.
Tim Stefan
00:36:11
Das traute man sich da nicht in den Klubs.
Speaker1
00:36:14
Angenehme Zeiten.
Tim Stefan
00:36:16
Aber der Heinz Lohr hat das echt genossen, auch so diese Typen, diese Geselligkeit. So wie die das sagen, die ehrliche Haut.
Speaker1
00:36:24
Ja.
Tim Stefan
00:36:25
Ja und sein Stammlokal, das war das Kleinköln. an der Friesenstraße.
Speaker1
00:36:29
Das kennt man in Köln natürlich.
Tim Stefan
00:36:31
Ja, das war sehr bekannt, weil sich auch so die Boxerszene da traf über den Satori-Sälen.
Speaker1
00:36:38
Ist immer noch beliebt als spätes Ausgeh-Lokal. Wir haben ja lange auf. Ich weiß gar nicht, ob die überhaupt noch zumachen, aber ja, gibt's noch.
Tim Stefan
00:36:45
Der Inhaber damals war der Bäckers Dieter. Den nannte man auch Bäcker Schmal, weil der halt extrem dick war. Sehr witzig.
Speaker1
00:36:53
Ja, genau.
Tim Stefan
00:36:54
Ja, das war eine Institution in Köln fürs Nachtleben. Da waren auch so Musiker gern gesehen, wie der Zeltinger. Und da waren auch andere Promis, Schauspieler und so, die wollten dann was erleben. Die gingen halt auch ins Kleinköln.
Speaker1
00:37:08
Die Atmosphäre mal aufsaugen.
Tim Stefan
00:37:10
Genau. Und im Kleinköln gab es eine Thekenmannschaft, den FC Johnny. Genannt nach Johnny Walker. Das war das Getränk zu der Zeit.
Speaker1
00:37:19
Der Tag geht, Johnny Walker kommt.
Tim Stefan
00:37:21
Und er war der Verein der Stenzen, also der Zuhälter des Milieus. Und der Heinz Floh spielte da gerne mit, auch als Profi.
Speaker1
00:37:29
War bestimmt witzig mit denen.
Tim Stefan
00:37:30
Ja, das war wahrscheinlich sehr lustig. Ja, für ihn war das halt tatsächlich so ein Ausgleich zu diesem Glamour im Fußball, so ein Rückzugsort. Die mochten den alle. Die sprachen alle die selbe Sprache, das richtige Kölsch.
Speaker1
00:37:47
Ich glaube bestimmt viel entspannter als auf diesen, weiß ich nicht, manchmal hochgestochenen Anlässen für Nationalmannschaft und auch in der Bundesliga mit der Presse. Da konnte er wahrscheinlich mehr er selber sein.
Tim Stefan
00:37:57
Ja, da waren halt Leute, der Zementkopf. Der heißt halt so, weil er mal mit dem Kopf eine Steinplatte eingeschlagen hat.
Speaker1
00:38:05
Das kann nicht jeder.
Tim Stefan
00:38:08
Die spielten dann alle beim FC Johnny und die Die machten dann auch Touren. Unter anderem fahren sie nach Wien. Und auf den Platz kommen die nicht irgendwie auf den Platz. Nein, die haben sich eine Kutsche besorgt mit vier weißen Schimmeln und reiten dann quasi auf den Platz.
Speaker1
00:38:24
Ach nee, Fjaka.
Tim Stefan
00:38:25
Ja, diese lustigen Sachen fand der Heinz Floh natürlich auch super. Es musste immer nur so ein bisschen zurückhaltend sein, weil im Grunde durfte der als Fußballprofi da gar nicht mitspielen. War auch beim FC nicht gern gesehen.
Speaker1
00:38:35
Das durfte nicht zu bekannt werden. Kann ich verstehen. Wir hatten ja bei Joe Namath in der Folge, der musste ja seine Bar dann leider verkaufen auf Druck der NFL.
Tim Stefan
00:38:44
Genau. Aber hier ist das.
Speaker1
00:38:45
Unter der Decke geblieben offensichtlich, was der Hans Floh so in seinem Privatleben dann mit denen machte.
Tim Stefan
00:38:50
Genau, da war natürlich auch noch nicht so wie heute, dass da jede Kleinigkeit irgendwie auch breit getreten wurde.
Speaker1
00:38:55
Ja, oder irgendein Fremder dich mit seinem Handy filmt und dann gleich das zu Insta oder sonst wo hinstellt. Ja.
Tim Stefan
00:39:01
Ja und daneben war halt die Leidenschaft fürs Boxen und das liebte der Heinz Floh, der trainierte, der boxste selber sehr gerne, der mochte so dieses ehrliche Aufeinandertreffen und da traf er halt diesen Horst Brinkmeier, der hat ja so ein Boxstudio gehabt und der bestätigt auch, dass der Heinz Floh eigentlich auch ein guter Boxer gewesen wäre, schnelle Reflexe hatte. Da gibt es dann natürlich auch so Geschichten, es kommt dann irgendwie auch mal Ärger auf und angeblich wird der Floh dann irgendwie wütend und der bedroht dann jemand anderen. Dass er ein paar Freunde hätte, die er gerne mal vorbeischicken könnte.
Speaker1
00:39:39
Was man dann schon mal so sagt.
Tim Stefan
00:39:40
Und muss dann tatsächlich zu so einem Ausschuss vom DFB. Das ist dann irgendwie ein Bußgeld und so. Oh Gott, diese Erdwürfe. Ja, aber das war dann so. Aber es war dann irgendwie doch bekannt, dass er da so ein paar Connections hat. Ja, und dann sind wir ja schon nach der Saison des Nubels. Und da kommt leider auch schon das Aus beim 1. FC Köln auf ihn zu. Denn die Zeit läuft ab. Der Auslöser war ein Zerwürfnis mit Trainer Hennes Weisweiler.
Speaker1
00:40:08
Ungewöhnlich sind es auch beide so gerade gewesen. Die müssten sich doch eigentlich gut verstanden haben. Jetzt bin ich wirklich mal gespannt, was denn das Zerwürfnis anders war.
Tim Stefan
00:40:16
Ja, das ist etwas merkwürdig. Es ist ja tatsächlich so gewesen, dass der Hennes Weisweiler ja extra auf den Heinz Flore gesetzt hat.
Speaker1
00:40:25
Ein bisschen war er
Tim Stefan
00:40:26
So ein Ziehsohn. Aber es war jetzt so, dass in der Saison 78, 79, da wollten sie beim FC und vor allem auch der Hennes Weiß war den ganz großen Wurf. Man hatte das Gefühl, die Mannschaft ist jetzt reif, auch im Europapokal was zu gewinnen. Im Europapokal der Landesmeister. Jetzt war es halt so, dass in der Saison der Heinz Floh tatsächlich nur 13 Spiele machte. Denn der war jetzt Anfang 30 und 30 war ja auch immer so eine magische Zahl zu der Zeit. Also mit Anfang 30 hörten die meisten Spieler schon auf zu der Zeit.
Speaker1
00:40:59
Die waren nicht so durchtrainiert und Und die Ernährung, das ganze Leben war, glaube ich, noch nicht so darauf ausgerichtet, längerfristig noch spielen zu können, zu wollen.
Tim Stefan
00:41:09
Ne, darauf sicherlich nicht. Und er hatte ja bei der WM 78 zurückreisen müssen, weil er eine Verletzung hatte. Und diesen Muskelfaserriss oder was immer es war, hat er nicht richtig auskuriert. Und die ganze Saison ist dann so ein bisschen trostlos beim 1. FC Köln. Aber im Landesmeisterpokal, da reißt man sich zusammen. Man will ja den großen Erfolg und man kommt ins Halbfinale. Ich ahne, was kommt. Ja, du weißt, was kommt. Nottingham Forest.
Speaker1
00:41:38
Ja.
Tim Stefan
00:41:39
Der 1. FC Köln scheitert an Nottingham Forest.
Speaker1
00:41:42
So knapp, so unglücklich knapp gescheitert.
Tim Stefan
00:41:45
3-3 in Nottingham war ein Riesenerfolg. Aber zu Hause, da hatte man jetzt die Hoffnung, jetzt zeigt man es denen. Aber der 1. FC Köln verliert 1-0.
Speaker1
00:41:55
Das war so bitter.
Tim Stefan
00:41:56
Ja, und das Ganze hat der Mannschaft dann auch so einen richtigen Knacks gegeben. Das war ja jetzt noch in der Saison. und dann spielt man gegen den HSV und dann verliert man 0 zu 6.
Speaker1
00:42:07
Das ist demütigend als Titelverteidiger.
Tim Stefan
00:42:10
Ja, und Heinz Flohe wird vom Platz gestellt wegen Nachtretens.
Speaker1
00:42:15
Boah, da hat er die Nervenlagen blank offensichtlich.
Tim Stefan
00:42:17
Genau, neben ihm wurde dann aber auch, und nachdem der Heinz Flohe vom Platz gestellt wird, dann beschwert sich der Herbert Neumann, der Mitspieler vom Heinz Flohe.
Speaker1
00:42:28
Auch ein begnadeter Techniker und im Grunde auch so eine Art Spielmacher gewesen, Herbert Neumann.
Tim Stefan
00:42:32
Der wird dann quasi der Nachfolger von Heinz Flohr. Der wird auch vom Platz gestellt.
Speaker1
00:42:38
Was?
Tim Stefan
00:42:38
Der beschwert sich halt, dass man den Flohr halt vorher, so hatte man den immer wieder umgetreten, da wurde kein Foul gegeben und dann hat er halt nachgetreten. Und dann sagt der Neumann, sicher der Linienrichter ist doch ein Arschloch. Ja, der Hennes Weisweiler findet das ganz furchtbar, dieses Benehmen auf dem Platz.
Speaker1
00:42:58
Ach, ausgerechnet der. Ja gut, wenn man 06 verliert, muss der ja irgendwelche Sündenböcke haben wahrscheinlich.
Tim Stefan
00:43:04
Ja, der ist halt vor allem darüber aufgebracht, dass man jetzt so hoch verliert. Die ganze Saison ist dahin. Und er suspendiert die beiden und die sollen den Rest der Rückrunde gar nicht mehr spielen.
Speaker1
00:43:16
Drakonische Strafe, voll übertrieben finde ich.
Tim Stefan
00:43:19
Ja und das wird auch noch im Mannschaftsbus auf der Rückfahrt entschieden.
Speaker1
00:43:22
Schön emotional, in der ersten Erregung direkt eine Entscheidung treffen, sehr weise.
Tim Stefan
00:43:28
Ja, ich habe ein Interview vom Jupp Heynckes gesehen, da sagt er, ja, ich habe es mir als Trainer dann nachher, habe ich dann gelernt, es ist besser einmal eine Nacht drüber zu schlafen, bevor man so eine Entscheidung trifft. Denke ich auch, ja. Jetzt werden die beiden suspendiert. Das heißt aber, sie müssen trotzdem jeden Morgen zum Training erscheinen am Geisbockheim und zugucken.
Speaker1
00:43:49
Boah, Demütigung. Meine Güte.
Tim Stefan
00:43:52
Also während die anderen vorbeilaufen, sitzen die beiden da und dürfen nichts machen.
Speaker1
00:43:56
Es hätte mich interessiert, wie der Rest der Saison verlaufen ist, ohne diese beiden überragenden Spieler.
Tim Stefan
00:44:00
Ja, richtig schlecht.
Speaker1
00:44:01
Dachte ich mir doch.
Tim Stefan
00:44:03
Man verpasst jetzt auch noch das europäische Geschäft. Das wird also richtig schlecht. Und es gibt dann auch noch eine Geldstrafe vom Verein. Der Heinz Floh ist natürlich auch tierisch sauer. Der Hennes Weisweiler spricht mit ihm kein Wort mehr bis zur Sommerpause.
Speaker1
00:44:17
Das war eine richtige Sturköpfe. Also man fasst es nicht.
Tim Stefan
00:44:21
Und tatsächlich gibt es dann einen Vorstandsbeschluss. Karl-Heinz Thien ist zu der Zeit der Manager. Und der Vorstand beschließt dann, der Heinz Floh war ja verletzt und der ist ja jetzt über 30.
Speaker1
00:44:35
Der kann gehen. Was für ein Dummeres.
Tim Stefan
00:44:37
Und der Heinz Flohe will auch weg, weil er sagt, solange der Hennes weiß, weil er Trainer ist, würde er nicht mehr für den 1. FC Köln spielen.
Speaker1
00:44:44
Da hätte er mal gewusst, dass der gar nicht mehr lange da bleibt.
Tim Stefan
00:44:46
Ja, der Karl-Heinz Thielen gibt dem Flohe dann auch sein Wort. Ja, du kannst gehen. Denn der 1. FC Köln hatte große Pläne, wollte einen Star verpflichten aus dem Ausland. Aber das war gar nicht so einfach. Und das klappt dann nicht. Und jetzt nähert sich ja die neue Saison und dann kommen so die Presse und der Präsident Weyand erklärt dann so ganz lockig, ach ja, der Flohe, der Hennes Weisweiler und der, die werden sich schon wieder einkriegen. Die werden ein Gespräch unter Männern führen und dann ist das Ganze wieder jod.
Speaker1
00:45:17
So sagte man das ja ganz gerne damals und oft klappte das ja auch.
Tim Stefan
00:45:20
Ja, aber diesmal klappt es nicht, denn am gleichen Tag gibt der Heinz Flohe ein Interview und sagt, Man hat mir versprochen, man legt mir keine Steine in den Weg und unter Hennes Weisweiler, mit dem kann man nicht reden, ich werde hier auf keinen Fall spielen, eher beende ich meine Karriere.
Speaker1
00:45:36
Oh, da waren die Fronten aber schon sehr klar.
Tim Stefan
00:45:39
Es ist ja tatsächlich so, dass auch der Jürgen Lovac zum Beispiel sagt, der Hennes Weisweiler, der wäre ja dann ein total schwieriger Typ gewesen.
Speaker1
00:45:46
Absolut.
Tim Stefan
00:45:47
Denn der wurde ja in der Vorsaison zu Werder Bremen ausgeliehen, weil der Hennes Weisweiler ihn nicht mehr wollte, unter anderem.
Speaker1
00:45:53
Ein richtiger Patriarch-Diktator, also aus heutiger Sicht.
Tim Stefan
00:45:57
Ja, es war halt schwierig mit ihm. Tatsächlich hat der Hennes Weisweiler das aber gar nicht so gedacht, dass das so eine Welle schlagen würde. Der hat dann gedacht, jetzt habe ich die suspendiert bis zum Ende und bei der neuen Saison können die sich ja wieder rehabilitieren, so sagt das auch der Presse. Die dürfen sich rehabilitieren, wenn sie sich benehmen.
Speaker1
00:46:14
Ja, die sind ja auch dann dankbar, weiterspielen zu können. Schwamm drüber.
Tim Stefan
00:46:19
Ja, aber der Heinz Floh, der bekommt ein Angebot vom 1860 München. Und das ist auch gar nicht so schlecht, denn der 1. FC Köln, da hat er nur noch ein Jahr Vertrag eigentlich. Und ob das ja dann verlängert ist, weiß er nicht. Und er kriegt da auch mehr Geld, denn Manager ist dort Jupp Kapellmann.
Speaker1
00:46:37
Ach, das ist ja auch interessant. Das habe ich auch überhaupt nicht mehr am Schirm gehabt, dass er über 60 Manager war.
Tim Stefan
00:46:42
Also es war ja so, hatten wir ja schon in meiner Folge, dass der ja abgesägt wird vom Uli Hoeneß und Paul Breitner. bei Bayern München, weil er den Breitner ein bisschen zu schlau und vielleicht selbstständig war. Widerworte gab, die man nicht haben wollte. Und dann hat man ihm ja gesagt, sein Medizinstudium, das wurde jetzt nicht mehr berücksichtigt und deshalb wechselt der zu 1860 und nach dem Ende seiner Karriere fängt er da direkt an. quasi als Manager an. Ja, und da wechselt er dann hin, zieht auch mit seiner Frau und seinem Sohn dahin. Also man möchte richtig neu anfangen in München. Man verspricht ihm nämlich auch, dass er da wie der Jupp Kapellmann quasi einsteigen könnte in den Verein, also auch eine Karriere nach der Karriere hätte. Aber dazu kommt es nicht mehr. Denn am 1. Dezember 1979 ereignet sich im Spiel gegen den MSV Duisburg die Szene, die Heinz Flohs Karriere und sein ganzes Leben nachhaltig verändern wird. Denn sein Gegenspieler Paul Steiner begeht ein schweres Foul am Flohr. Und der Flohr erleidet einen komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch. Und er leidet dadurch auch massive Nervenschäden im Bein.
Speaker1
00:47:45
Oh, bitter.
Tim Stefan
00:47:46
Es ist tatsächlich so, der Flohr geht Richtung Sechzehner, legt sich den Ball vor. Der Steiner kommt von der Seite angerannt. Man sieht schon, wie er ausholt. Und dann spielt der Flohr den Ball an ihm vorbei. Und trotzdem zieht der Steiner noch voll durch. und zertrümmert ihm quasi das Schienen- und Wadenbein und der Knall war so laut, dass man im ganzen Stadion gehört hat. Und der Sohn von Heinz Floh saß mit seinem Onkel auf der Tribüne.
Speaker1
00:48:13
Oh, wie furchtbar.
Tim Stefan
00:48:15
Jupp Kapellmann war ja auch dabei und der war ja Arzt. Der hat dann auch direkt damit geholfen, auch nachher bei der schweren OP. Und noch im Krankenhaus sagt der Floh dann zu seiner Frau und seinem Manager, das Wort.
Speaker1
00:48:31
Hat er wohl richtig erkannt, ne?
Tim Stefan
00:48:32
Der hat auch richtig geheult. Das war ganz schlimm und so richtig furchtbar, dieser Schaden. Und dann geht das alles auch noch ein bisschen schief. Der wird falsch eingegipst angeblich. Und dann hat er diese Nervenschädigung.
Speaker1
00:48:44
Die bleibt ihm bestimmt, oder?
Tim Stefan
00:48:46
Ja, und auch psychisch setzt ihm das natürlich zu. Der schaut sich immer wieder dieses Foulspiel an.
Speaker1
00:48:52
Ach, oh Gottes Willen.
Tim Stefan
00:48:53
Und auch zu dem Paul Steiner gab es keinen Kontakt. Angeblich wollte der Steiner ins Krankenhaus kommen, Aber das hat man nicht zugelassen. Und so richtig schlimm wurde es dann nochmal 1981, als der 1. FC Köln ausgerechnet Paul Steiner verpflichtet.
Speaker1
00:49:08
Der hat da lange gespielt, der hat mehrere hundert Spiele gemacht, sehr, sehr lange, fast ein ganzes Jahrzehnt da in Köln gespielt.
Tim Stefan
00:49:16
Ja, der war ja auch 1990 im Kader der Nationalmannschaft.
Speaker1
00:49:19
Ja, ja, der hat weiter lange, lange Fußball gespielt und Karriere gemacht, ja.
Tim Stefan
00:49:23
Und das hat der Heinz Flohr dem 1. FC Köln sehr übel genommen und hat dann erst wieder Anfang der 90er Jahre Kontakt zum 1. FC Köln gesucht oder die zu ihm, als dann die Karriere von Paul Steiner vorbei war.
Speaker1
00:49:38
Das ist wirklich ganz traurig, das Ganze irgendwie.
Tim Stefan
00:49:40
Der wird nämlich dann Co-Trainer der U23 unter Stefan Engels, dem Steff.
Speaker1
00:49:46
Ja, Stefan Engels, den kennt ja auch jeder in Köln. Da hat der Heinz Flohr den Weg zurückgefunden.
Tim Stefan
00:49:52
Ja, aber das hat sehr lange gedauert und mit dem Paul Steiner hat er sich nie ausgesöhnt. Er hat ihm das nie verziehen. Und da gibt es so eine Geschichte, 1984 hatte Toni Schumacher seinen 30. Geburtstag. Da musste in zwei Räumen gefeiert werden, die mussten räumlich getrennt werden, denn sonst wäre das Ganze explodiert. Das ganze Faul hatte dann sowohl nicht nur medizinische, sondern auch juristische Nachspiele. Denn der Heinz Floh erholt sich nicht mehr, muss die Karriere beenden 1980. Und er verklagt den Paul Steiner wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Und er scheitert aber bei Gericht, weil man kann dem Paul Steiner angeblich keinen Vorsatz nachweisen. Kann man auch nicht.
Speaker1
00:50:33
Ja, die wollten doch bestimmt keinen Präzedenzfall.
Tim Stefan
00:50:36
Genau. Und da in dem Urteil wird auch sowas geschrieben wie, naja, wenn man Fußball spielt, dann muss man dieses Risiko irgendwo auch in Kauf nehmen.
Speaker1
00:50:44
Stimmt ja.
Tim Stefan
00:50:46
In gewisser Weise ist das ja heute auch noch so. Es gibt Ausnahmen, aber das war halt einer der ersten Prozesse, die da geführt wurden. Tatsächlich ist es dann so, dass der Heinz Floh immer mehr unter diesen Schmerzen leidet, muss Medikamente nehmen, auch Kortison, das führt dann zu Problemen. Und das Ganze führt dann auch zu Herzproblemen. Es ist dann so, dass der Heinz Floh der erste bekannte Fußballer wird, der eine Berufsunfähigkeitsrente bekommt von der Berufsgenossenschaft. Also das hat er dann durchgesetzt und die hat er dann natürlich so den Höchstsatz bekommen. Ja, aber das war dann so das Ende beim 1. FC Köln. Der hat insgesamt 453 Pflichtspiele für den 1. FC Köln gemacht, 118 Tore, 329 Bundesligaspiele und eine in der Bundesliga 77 Tore. Also der war sehr erfolgreich.
Speaker1
00:51:41
Absoluter Gigant des 1. FC Köln. Das ist wirklich eine Legende. Heute reden ja viele sehr, sehr leichtfertig, wer alles eine Legende ist. Aber Hans Flohe ist sicherlich einer beim 1. FC Köln, definitiv.
Tim Stefan
00:51:51
Ja, nach dem Fußball beginnt der gesundheitliche Abstieg und auch generell so ein bisschen weiß er nicht wohin mit sich. Der kehrt dann direkt nach der Verletzung wieder nach Euskirchen zurück, übernimmt dann 1981 das Traineramt beim TSC, hat das auch so zehn Jahre inne. Ist da aber auch bekannt, dass er sehr unangenehm werden kann als Trainer, sehr hart ist und sehr viel verlangt. Klar, als Weltklasse-Spieler kann er es auch nicht so gut verstehen, wenn das nicht so klappt, wie er sich das vorstellt.
Speaker1
00:52:22
Man dann ja oft bei so genialen Spielern, dass die mit so Normalsterblichen nicht so gut harmonieren.
Tim Stefan
00:52:27
Aber er forderte vor allem auch Laufbereitschaft, Zweikampfhärte ein und förderte aber auch viele junge Spieler.
Speaker1
00:52:33
Ah ja, siehst du.
Tim Stefan
00:52:35
Ja, er kehrt dann halt Anfang der 90er zum 1. FC Köln zurück. Er ist dann sieben Jahre Co-Trainer bei den Amateuren unter Stefan Engels und ist dann kurzzeitig 1995 mit ihm Trainer des Profi-Teams des 1. FC Kölns.
Speaker1
00:52:50
Aber da war bestimmt irgendwas im Argen und die mussten interimistisch einspielen.
Tim Stefan
00:52:53
Ja, und es hat auch nicht funktioniert. Und die waren dann auch schnell wieder weg. Und dann kam ein neuer Trainer. Ja, das Ganze wird dann überschattet halt von seinen gesundheitlichen Problemen. Der musste sich dann 1992 auf einer Herz-OP unterziehen. 2004 einer weiteren... Da wird eine Herzklappe eingesetzt und er zieht sich dann halt immer mehr zurück in sein Privatleben, meidet so die Öffentlichkeit und dann am 11. Mai 2010 bricht dann das dunkelste Kapitel in seinem Leben an. Er erleidet einen Schwächeanfall auf offener Straße in Köln und er erleidet einen Herzstillstand. Lukas Podolski war dabei.
Speaker1
00:53:29
Nein.
Tim Stefan
00:53:29
Denn die waren beide bei der Eröffnung von Felix Sturms Boxhalle.
Speaker1
00:53:34
Ach ja, Felix Sturm, ja.
Tim Stefan
00:53:35
Der war ja in Köln dann auch viel unterwegs. Und der war ja ein großer Box-Fan und deshalb war er da auch eingeladen. Und da hat der Podolski berichtet dann, er hat sich noch nett mit dem Heinz Flo unterhalten, wie er so ist, über den FC. Und der geht dann raus, der Heinz Flo, und bricht dann da zusammen. Und trotz Wiederbelebungsmaßnahmen durch die Ärzte war sein Gehirn wohl zu lange ohne Sauerstoff. Er leidet irreparable Hirnschäden und fällt in ein Wachkoma, beziehungsweise wird in ein Koma versetzt und kam daraus aber nicht mehr heraus.
Speaker1
00:54:10
War furchtbar.
Tim Stefan
00:54:11
Drei Jahre lang liegt er im Wachkoma in Pflegeeinrichtungen. Seine Frau und sein Sohn besuchen ihn dann täglich, da wird er gepflegt. Und Uli Hoeneß kommt vorbei, Jupp Heynckes. Eine ganz schwere Zeit.
Speaker1
00:54:25
Das glaube ich, ja.
Tim Stefan
00:54:26
Aber der 1. FC Köln und die ganzen Fans zeigen sich sehr solidarisch. Es gibt ein Ehrenspiel im Jahr 2012. Und da kommen viele Weggefährten und man sammelt da Geld. Aber am 15. Juni 2013 stirbt er im Alter von 65 Jahren. Und bei dem Begräbnis auf dem Euskirchener Friedhof...
Speaker1
00:54:46
Hm...
Tim Stefan
00:54:47
Nehmen wir dann also eine ganze Reihe von Sportgrößen, Abschied und Zusammenkunft verschiedenster Typen, sagen wir mal, die dann alle Abschied nehmen vom Heinz Floh.
Speaker1
00:54:58
Ich vermute auch im Milieu, auch ein paar Leute neben den Fußballern. Sehr wahrscheinlich, ja. Und Boxern vermuten. Also verschiedenen Lebensbereichen.
Tim Stefan
00:55:05
Ja, beim 1. FC Köln ist der Heinz Floh bis heute halt unvergessen und er hat eine Bronzestatue. Vor dem Stadion ist der 1. FC Köln seit 2014 in Lebensgröße.
Speaker1
00:55:17
Das finde ich großartig.
Tim Stefan
00:55:17
Vor der Südtribüne des Rhein-Energie-Stadions. In Euskirchen trägt das Stadion jetzt auch den Namen Heinz-Floh-Stadion. Und die Fußballschule des 1. FC Köln ist die Heinz-Flur-Fußballschule.
Speaker1
00:55:30
Ganz toll. Also das finde ich wirklich großartig.
Tim Stefan
00:55:32
Also er wird überall gewürdigt.
Speaker1
00:55:34
Ja, toll.
Tim Stefan
00:55:35
Und als Grundlage habe ich ja auch genommen, es gibt einen Film über Heinz-Floh, der mit dem Ball tanzt von 2015.
Speaker1
00:55:42
Nachgang auch nochmal anschauen. Von 2015.
Tim Stefan
00:55:45
Ja, das wird man nur schwer finden.
Speaker1
00:55:47
Achso, ja. Du hast die Videokassette, stimmt's?
Tim Stefan
00:55:50
Ich habe eine DVD noch gefunden.
Speaker1
00:55:51
Eine DVD, ja.
Tim Stefan
00:55:53
Wie mein Vater noch irgendwo in der Kiste hatte.
Speaker1
00:55:56
Ja, großartig. Sehr gut.
Tim Stefan
00:55:58
Ja, der Heinz Flohr. Der ist halt nicht so der glatt gebügelte Profifußballer, wie wir das heute so erleben. Das ist halt ein Mann aus dem Milieu gewesen, ein echter Typ. Aber vor allem ein super Fußballer. Und was man so sieht.
Speaker1
00:56:15
Und Mannschaftskamerad offensichtlich.
Tim Stefan
00:56:17
Auf jeden Fall sehr beliebt gewesen und hat halt ein heftiges Schicksal erlitten. Aber deshalb war es für mich auch wichtig, als erstes mal über ihn eine Folge zu machen. Wir werden uns auf jeden Fall auch mal mit dem 1. FC Köln...
Speaker1
00:56:32
Ja, da werde ich wahrscheinlich... Wir machen erst die Kanadier jetzt ein Ende. Und dann wird es aber eine Folge geben über die Gründung des 1. FC Köln. Und dann gibt es ja ganz viele, wo man sich sicherlich mal im Wechsel mit den verschiedenen Erfolgen des 1. FC Köln auch auseinandersetzen kann. Denn die gab es ja über Jahrzehnte, was ja sehr viele jetzt gar nicht mehr so einen richtigen Blick haben.
Tim Stefan
00:56:54
Ja, bis zur Mitte der 90er, bis zum ersten Abstieg war der FC Köln sehr erfolgreich.
Speaker1
00:56:59
Ja, Vorzeugeverein. Für die ging es ja immer, wenn nicht um die Meisterschaft, dann doch in den Top 5 zu sein. Ja.
Tim Stefan
00:57:07
Dann schauen wir mal, was wir als nächstes machen. Ich werde auf jeden Fall die Reihe über Bayern München weiter fortsetzen.
Speaker1
00:57:13
Da freue ich mich und wir werden auf jeden Fall auch in Kürze über die Canadiere weiterhören, wie es dann in den 30er Jahren, also im Grunde so bis in die 60er Jahre bis zur ersten Expansion dann weitergeht.
Tim Stefan
00:57:25
Ja, und die sind ja im Moment sehr erfolgreich.
Speaker1
00:57:26
Das freut mich sehr. Ja, so folge ich auch mit sehr großem Interesse und Anteilnahme. Und ich würde mir sehr, sehr, sehr wünschen, dass die Kanadier als erster kanadischer Verein seit 1993 in der Tat den Stanley Cup dann auch gewinnen würden. Drücken wir mal die Daumen. Okay, also, mach's gut.

Feedback geben

Dir gefällt der Podcast und Du möchtest das mal loswerden? Du hast Tipps für neue Themen oder magst über den Inhalt bestimmter Folgen diskutieren? Dann wähle im Formular die jeweilige Episode aus und schreib uns eine Nachricht. Vielen Dank für Dein Feedback!

Mit einem Klick auf "Nachricht absenden" erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Deine Daten zum Zwecke der Beantwortung Deiner Anfrage verarbeiten dürfen. Die Verarbeitung und der Versand Deiner Anfrage an uns erfolgt über den Server unseres Podcast-Hosters LetsCast.fm. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt. Hier kannst Du die Datenschutzerklärung & Widerrufshinweise einsehen.

★★★★★

Gefällt Dir die Show?
Bewerte sie jetzt auf Apple Podcasts