Der Sportgeschichts-Podcast

Geschichten über Legenden und Meilensteine des Sports

Fussball: Celtic Glasgow: Die Lissabon Lions & Jock Stein: Europapokal der Landesmeister 1967

Von der Gründung in den Slums von Glasgow zu einem Wunderjahr mit fünf Titeln und dem plötzlichen Tod von Jock Stein.

26.10.2026 59 min

Zusammenfassung & Show Notes

Intro & Einstieg 
Kurzer Einstieg ins Thema: Warum ist die Geschichte von Celtic Glasgow mehr als nur eine Fußballchronik? Warum wir immer ein bißchen Celtic Fans waren.

Kapitel 1: Die Gründung (1887) 
Alles beginnt am 6. November 1887 in der St. Mary's Church Hall im Glasgower Stadtteil Calton. Der irische Maristenbruder Walfrid ruft Celtic ins Leben – nicht als sportliches Projekt, sondern als Mittel zur Armutsbekämpfung. Seine Wohltätigkeitsorganisation "Poor Children's Dinner Table" versorgt hungrige Kinder im East End mit Mahlzeiten, doch dafür braucht es Geld. Fußball, zu jener Zeit ein aufstrebender Massensport, soll genau dieses Geld einbringen. Inspiriert vom Vorbild Hibernian in Edinburgh, entsteht so ein Verein, der bewusst Brücken zwischen irischer Einwanderergemeinschaft und schottischer Bevölkerung schlagen soll – daher auch der Name "Celtic". Am 28. Mai 1888 bestreitet der junge Klub sein erstes Spiel überhaupt, ausgerechnet gegen die Glasgow Rangers, und gewinnt deutlich mit 5:2 – ein Ergebnis, das gewissermaßen die berühmteste Rivalität des europäischen Fußballs einläutet, lange bevor jemand das Wort "Old Firm" dafür erfand.

Kapitel 2: Die ersten Erfolge 
Der sportliche Aufstieg lässt nicht lange auf sich warten: 1892 gewinnt Celtic den ersten Scottish Cup, ein Jahr später die erste schottische Meisterschaft. 1895 stellt die Mannschaft beim 11:0 gegen Dundee einen bis heute gültigen Ligarekord auf. Geprägt wird diese Ära vor allem von Willie Maley, der den Verein von 1897 bis 1940 – also 43 Jahre lang – als Trainer und Manager formt und zu einer der dominierenden Kräfte Schottlands macht. In diesen Jahrzehnten entstehen auch die ersten echten Legenden des Vereins: der bullige Stürmer Jimmy Quinn, der technisch brillante Patsy Gallacher und der Torschützenkönig Jimmy McGrory, der über 400 Ligatore für Celtic erzielt – eine europaweit kaum erreichte Marke für einen einzigen Verein. Doch die Vereinsgeschichte kennt auch dunkle Kapitel: Am 5. September 1931 stirbt der erst 22-jährige Torhüter John Thomson nach einer Kollision im Old-Firm-Spiel – eine Tragödie, die den gesamten schottischen Fußball erschüttert und bis heute nachwirkt.

Kapitel 3: Der Bergmann wird Trainer 
Im Zentrum dieser Folge steht ein Mann, dessen Weg so ungewöhnlich wie eindrucksvoll ist: John "Jock" Stein, geboren 1922 in Burnbank, Lanarkshire, arbeitet zunächst selbst jahrelang als Kohlebergmann – eine harte, prägende Erfahrung, die später seine Disziplin und seinen Blick für die Arbeiterklasse formt. Als Spieler kommt er 1951 zu Celtic, wird dort sogar Mannschaftskapitän, doch eine schwere Verletzung beendet 1956 abrupt seine aktive Karriere. Was folgt, ist der eigentliche Beginn seiner Legende: Als Trainer rettet er den kleinen Verein Dunfermline Athletic vor dem Abstieg und gewinnt mit ihm 1961 sensationell den schottischen Pokal – ausgerechnet gegen Celtic selbst. Nach einer weiteren erfolgreichen Station bei Hibernian kehrt Stein 1965 als Cheftrainer zu seinem alten Klub zurück – ein Verein, der zu diesem Zeitpunkt seit über einem Jahrzehnt auf einen Meistertitel wartet.

Kapitel 4: Das Wunderjahr 1967 
1967 wird zum unvergesslichen Jahr der Vereinsgeschichte: Celtic gewinnt buchstäblich jeden Titel, den es zu gewinnen gibt – Meisterschaft, Scottish Cup, Ligapokal, Glasgow Cup und, als Krönung, den Europapokal der Landesmeister. Im Finale am 25. Mai 1967 in Lissabon trifft die Mannschaft auf den haushohen Favoriten Inter Mailand, trainiert vom weltgewandten Helenio Herrera und Meister des defensiven Catenaccio-Fußballs. Nach frühem Rückstand durch einen Foulelfmeter dreht Celtic das Spiel in der zweiten Halbzeit mit offensivem, mutigem Fußball – Tommy Gemmell und Stevie Chalmers erzielen die Tore zum 2:1-Endstand. Celtic wird damit der erste britische Verein, der diesen Titel gewinnt, und zwar mit einer Mannschaft, deren Spieler – bis auf eine einzige Ausnahme – allesamt aus dem unmittelbaren Umkreis von Glasgow stammen. Diese elf Männer gehen als "Lisbon Lions" in die Fußballgeschichte ein.

Kapitel 5: Neun Meisterschaften in Folge 
Der Triumph von Lissabon bleibt kein Strohfeuer: Von 1966 bis 1974 gewinnt Celtic unter Stein neun schottische Meisterschaften in ununterbrochener Folge – ein Rekord, der über Jahrzehnte unerreicht bleibt und die fast schon erdrückende Dominanz des Vereins im eigenen Land dokumentiert. Auch international bleibt Celtic eine Macht: 1970 erreicht man nach einem Sieg über den favorisierten englischen Meister Leeds United erneut das Europapokalfinale, verliert dort aber überraschend gegen Außenseiter Feyenoord Rotterdam. Dennoch festigt sich in diesen Jahren der Ruf Steins als einer der größten Trainer des europäischen Fußballs – ein Mann, der seine Spieler bis ins Detail kennt, der fordern und fürsorglich sein kann.

Kapitel 6: Abschied und Nationaltrainer 
Nach sportlich schwächeren Jahren – die Saison 1977/78 endet für Celtic enttäuschend nur auf Rang fünf – legt man Stein nahe, von der Trainerbank in eine Vorstandsposition zu wechseln. Für den Mann, der sein gesamtes Leben dem Spielfeld gewidmet hat, ist das inakzeptabel: Im August 1978 verlässt er Celtic. Sein Nachfolger wird mit Billy McNeill ausgerechnet der einstige Kapitän der Lisbon Lions. Stein selbst wechselt kurz zu Leeds United, bleibt dort aber nur 44 Tage, bevor er noch im selben Jahr das Amt des schottischen Nationaltrainers übernimmt – eine Rolle, in der er Schottland unter anderem zur Weltmeisterschaft 1982 in Spanien führt. 

Kapitel 7: Cardiff, 10. September 1985 
Das letzte Kapitel der Geschichte ist zugleich das bewegendste: Im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales in Cardiff braucht Schottland zwingend ein Unentschieden, um sich wenigstens einen Playoff-Platz zu sichern. Nach einem dramatischen Spielverlauf gleicht Davie Cooper per Foulelfmeter in der 81. Minute zum 1:1 aus. In den letzten, chaotischen Sekunden der Partie erhebt sich der bereits gesundheitlich angeschlagene Stein – er hatte schon 1977 einen ersten Herzinfarkt erlitten – vermutlich in der irrigen Annahme, das Spiel sei bereits beendet, um seinem walisischen Trainerkollegen die Hand zu schütteln. Dabei erleidet er einen schweren Herzinfarkt und bricht zusammen. Wenige Minuten nach dem offiziellen Abpfiff wird sein Tod verkündet – eine Nachricht, die den schottischen Fußball bis ins Mark erschüttert.

Kapitel 8: Das Vermächtnis 
Was bleibt, ist die Geschichte eines Vereins, der als Suppenküche für hungrige Kinder begann, und eines Bergmanns, der zum größten Trainer wurde, den Schottland je hervorgebracht hat. Bis heute prägen Jock Stein und die Lisbon Lions die Identität von Celtic – von der Statue vor dem Celtic Park bis zur nach ihm benannten Tribüne. Zum Abschluss ordnen wir ein, warum dieses eine goldene Jahr 1967 und der tragische Tod 1985 bis heute untrennbar mit dem Namen Celtic Glasgow verbunden bleiben. 
Outro

Transkript

Tim
00:00:15
Herzlich willkommen bei Sportarchiv. Mein Name ist Tim.
Stefan
00:00:18
Und mein Name ist Stefan.
Tim
00:00:20
Ja, Stefan, nachdem du uns ja zuletzt was über Baseball und den vielleicht besten Baseballer, der nie einen Titel gewonnen hat, erzählt hast.
Stefan
00:00:29
Ja, einer von denen zumindest. Es gibt einige. Zumindest den, der mich interessierte.
Tim
00:00:35
Ja, genau. Sprechen wir heute mal wieder über Fußball. Und wie ich ja schon angekündigt hatte, sprechen wir heute über einen Verein, den wir früher sehr mochten oder vielleicht auch immer noch.
Stefan
00:00:46
Ja, ich habe ja sogar ein T-Shirt, ein Trikot gehabt.
Tim
00:00:50
Genau, das hat sie ja schon als Kind quasi.
Stefan
00:00:53
Ja, stimmt.
Tim
00:00:54
Wir sprechen nämlich heute über Celtic Glasgow oder den Celtic FC.
Stefan
00:00:59
Ja, sehr gut, sehr gut.
Tim
00:01:01
Ja, den haben wir ja früher in den 80er Jahren noch in der Sportreportage regelmäßig gesehen.
Stefan
00:01:06
Ja, da kam dann meistens das Glasgow Derby, the old firm gegen die Rangers meistens. Sonst wurde ja nicht viel gezeigt. Aber das wurde immer wieder mal gezeigt, ja.
Tim
00:01:14
Ja, ich fand, früher konnte man ja neben belgischem Fußball ja auch dann oft so schottischen noch, da wurde da schon mal so gezeigt, Sport aus aller Welt. Da wurde immer so ein bisschen was gezeigt.
Stefan
00:01:24
Wir hatten ja dankenswerterweise, dank der Oper, hatten wir ja da die Zusatzantenne für flämisches und wallonisches belgisches Fernsehen.
Tim
00:01:34
Ach, dafür war die Zusatzantenne.
Stefan
00:01:36
BRT und RTBF, da kam natürlich auch viel Fußball immer. Aber wir hatten aber später noch eine extra weitere Antenne, eine dritte für RTL und Sat.1, oder?
Tim
00:01:44
Ja, das stimmt. Naja, aber wenn wir jetzt über Celtic Glasgow sprechen, da sprechen wir halt ja eben nicht über irgendeinen Fußballverein.
Stefan
00:01:52
Oh nein.
Tim
00:01:52
Das ist eine Bewegung in Schottland gewesen aus bitterer Armut heraus und, es gab mal eine Mannschaft, die hat etwas Unwiederholbares, jedenfalls viel schottischen Fußball erreicht, nämlich jetzt die ganze Welt in Erstaunengesetz und den Landesmeisterpokal gewonnen. Und dafür war vor allem ein Mann verantwortlich, der Trainer Jock Steen. Und ich möchte heute mal alle mitnehmen auf so eine Reise in die grün-weiße Geschichte. Quasi aus den Kirchenhallen im Osten Glasgow's bis in die Hitze eines Sommerabends in Lissabon.
Stefan
00:02:29
Sehr gut, sehr gut.
Tim
00:02:30
Ja, und am Ende kommen wir noch zu einem tragischen Zwischenfall 1985. Aber fangen wir mal ganz vorne an. Also ich habe angefangen, weil ich mich immer mal gefragt habe, warum gibt es eigentlich so eine Art irischen Verein in Schottland? Weil die haben ja auch dieses Kleeblatt auf dem Logo. Wenn man da so liest, ist es ja halt so, dass Mitte des 19. Jahrhunderts Glasgow und auch andere Städte im Norden Englands einen extremen Bevölkerungszuwachs hatten. Nämlich ganz viele Iren, die vor der großen Hungerkatastrophe flohen. Also sie flohen nicht nur nach Amerika, sondern halt auch nach Schottland und Nordengland. Und dort bilden sie dann Slums und es gab so Armen- und Arbeiterviertel. Und Celtic, habe ich immer gedacht, das ist einer der Urvereine. Aber das ist nicht so, der gehört nicht einmal zu den ältesten Vereinen Schottlands.
Stefan
00:03:20
Oh, das überrascht mich jetzt auch tatsächlich.
Tim
00:03:22
Ja, der älteste noch so richtig bestehende Verein ist der FC Queens Park Glasgow.
Stefan
00:03:28
Ah, aha.
Tim
00:03:29
Der besteht seit 1867.
Stefan
00:03:32
Oh, in der Tat sehr alt.
Tim
00:03:34
Und die Glasgow Rangers, die wurden schon 1873 gegründet, sind also etwas älter als die Celtics. Aber Celtic gehört auch nicht zu den ältesten irischstämmigen Vereinen in Schottland, denn da gab es schon in Edinburgh, in Hibernian, in Dundee schon frühere Vereine. Aber kommen wir mal zu Celtic. Am 6. November 1887 in der St. Mary's Church Hall im Glasgow-Stadtteil Kelton versammelten sich eine kleine Gruppe von Männern. Irischstämmige Männer versammelten sich um den Mönch Andrew Currens, besser bekannt als Bruder Walfried. Und die hatten soziales Anliegen. Es ging denen nicht so sehr ums Sportliche, sondern es ging darum, Kinder aus bitterer Armut zu holen. Denn die Zehntausende von irischen Einwanderern, die in der Stadt waren, die waren ja vor der Hungersnot geflohen und lebten jetzt unter erbärmlichen Bedingungen da. Und dieser Bruder Walfried, der hatte eine wohltätige Organisation gegründet. The Poor Children's Dinner Table. Für hungrige Kinder sollten Mahlzeiten besorgt werden. Aber klar, es fehlte am Geld. Und schon zur damaligen Zeit war es wohl so, dass Fußball ein Ereignis war, mit dem man Geld verdienen konnte. Denn bei so einem ähnlichen Charity-Event, da hatte man zwei andere Vereine aus anderen Städten mal spielen lassen in Glasgow, da kamen 4000 Pfund zusammen.
Stefan
00:04:58
Ja, stattlich.
Tim
00:05:00
Ja, und so wurde dann der Celtic Football Club aus der Taufe gehoben. Mit dem erklärenden Ziel, Eintrittsgelder in Suppe, Brot und Milch zu verwandeln.
Stefan
00:05:10
Sehr karitativ.
Tim
00:05:12
Ja genau, war sehr karitativ. Aber der eigentliche Ideengeber Wallfield, der hatte so mit dem Verein gar nicht dann so viel zu tun, sondern der Mann, der die Verantwortung übernommen hat, das war John Glass. Und der leitete nicht nur die erste Versammlung, sondern wurde dann auch erster Präsident. Ja, und dann kommen wir auch direkt zu dem Namen Celtic. Man spricht es ausdrücklich nicht Celtic aus, habe ich gelesen. Und das sollte quasi einerseits, dass die irischen Wurzeln belegen, das Wort, allerdings auch so eine Brücke zu den schottischen, keltischen Wurzeln schlagen. Also es ist eine Art Kunstwort.
Stefan
00:05:51
Verbindend.
Tim
00:05:53
Genau. Also es ging ja auch gar nicht darum, wie das später ist, dass es nur Katholiken sind und die anderen sind die Protestanten. Diese Rivalität gab es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht.
Stefan
00:06:03
Oh, das finde ich auch interessant. Aha.
Tim
00:06:05
Es durften also Katholiken und Protestanten zusammenspielen.
Stefan
00:06:09
Naja, das ist schon mal eine sehr interessante Tatsache. Hätte ich jetzt nicht gewusst. Ich dachte, das wäre immer schon so gewesen.
Tim
00:06:15
Und auch bei den Rangers war es halt so, da durften auch Katholiken spielen. Das wurde nachher dann ein bisschen extremer da. Am 28. Mai 1888 bestritt Celtic sein erstes Spiel überhaupt. Und natürlich gegen die Glasgow Rangers. Und das ist also so, dass das Old Firm nicht nur irgendeine Rivalität begründete, sondern das war ja direkt das erste Spiel, was Celtic überhaupt gemacht hat. Ja und Celtic gewann 5 zu 2 das erste Spiel, obwohl die Glasgow Rangers ein wesentlich älterer Verein waren. Ja kurz darauf am 8. Mai 1888 wurde auch der Celtic Park eröffnet und zwar von freiwilligen irischen Mitbürgern, die haben das selber zusammengezimmert, so eine kleine Holztribüne. Für rund 1000 Zuschauer um eine alte Radrennbahn.
Stefan
00:07:03
Kleiner Anfang.
Tim
00:07:04
1892 zog man rund 200 Meter weiter in das neue, modernere Stadion. Und das nennt man bis heute ja liebevoll The Paradise. Und im Vergleich zu dem ursprünglichen Stadion sollte das halt betonen, wie fortschrittlich und schön das Stadion war. Ab 1889 werden dann auch die Farben des Vereins von Grün-Weiß-Schwarz auf Grün-Weiß reduziert. Und ab 1903 gibt es dann diesen Querstreifen, die Hubs, wie sie die nennen. Also da wurde schon dieses klassische grün-weiße Trikot eingeführt. Ja, man war auch ziemlich schnell sehr erfolgreich. Schon in der Saison 88-89, also 1888-89, erreichte Celtic das Pokalfinale, verlor nur knapp 1 zu 2 gegen Third Lanark.
Stefan
00:07:53
Ah ja, Third Lanark.
Tim
00:07:55
Und mit James Lilly gibt es so den ersten frühen Fußballstar für den Verein.
Stefan
00:08:01
Aha.
Tim
00:08:02
Und der, also zumindest wird er so eine Lokalpersönlichkeit. Denn 1892 holt man den ersten großen Titel, man gewinnt das Pokalfinale gegen Queen's Park Glasgow.
Stefan
00:08:14
Ah, die kennen wir ja schon, der älteste Verein.
Tim
00:08:17
Genau, und ein Jahr später, 1893, gewinnt man die erste schottische Meisterschaft. und im gleichen Jahr wird in Schottland schon der Profifußball zugelassen. Da haben wir ja von dir schon viel zu gehört, wie spät das in Deutschland war, aber das, Quasi in Schottland, die waren da wirklich schon ganz früh dabei.
Stefan
00:08:35
Ja, Großbritannien, also England wie auch Schottland waren da weit vor dem Festland.
Tim
00:08:41
Ja, ich habe nochmal nachgeguckt, acht Jahre zuvor war England schon das Profitum eingerichtet worden.
Stefan
00:08:46
Ja, die waren die Nummer eins und dann waren wohl die Schotten, ich weiß nicht, ob die weltweit die Zweiten waren, aber ich glaube es fast. Ich meine, so wäre das.
Tim
00:08:54
Ja, 95 stellt die Mannschaft mit einem 11 zu 0 Kantersieg gegen Dundee einen Liga-Rekord auf, der übrigens bis heute noch besteht. Ja, ab 1897 beginnt dann so eine Phase, wie man das jetzt eigentlich kennt, dass Celtic der katholische Verein wird und die Rangers eher das protestantische sind. Denn bei so einer Vereinsversammlung wird ein Antrag gestellt, dass maximal drei Protestanten spielen dürfen für Celtic. Das wird aber noch abgelehnt. Aber man sieht schon, da kommen schon die ersten Ungereimtheiten, weil es halt viel Stress zwischen den einheimischen Schotten gab und den Iren. Ja, was ganz interessant ist, schon bei dieser Sitzung wird Celtic von einem Verein zu einer Limited-Gesellschaft. Und man vergibt 5000 Anteilsscheine. Und das führt dann dazu, dass wenig später mehr als 3000 von diesen Scheinen, im Besitz von Familien sind. Nämlich die Familien von den Vorständen des Vereins. Und in den nächsten Jahrzehnten führen dann diese wenigen Familien quasi die Geschicke des Vereins.
Stefan
00:10:03
Also es war zum Start, heute ist das sicherlich nicht mehr der Fall. Nein, nein, nein.
Tim
00:10:09
Aber bis zum Zweiten Weltkrieg haben die so viel mitgesprochen.
Stefan
00:10:15
Okay, Einfluss gehabt.
Tim
00:10:18
Ja, in den frühen Jahrzehnten prägte vor allem ein Mann den Verein, wie kein zweiter, das war Willie Melley, ein gebürtiger Ihre. Der war erst Spieler und ab 1897 Trainer und Vereinsmanager. Und das für uns sage und schreibe 43 Jahre.
Stefan
00:10:35
Wow, ich habe von dem Mann noch nie gehört, das allein hat Lohn schon zuzuhören.
Tim
00:10:39
Und unter seiner Führung wird Zertig quasi zur dominierenden Kraft im schottischen Fußball und gewinnt Dutzende an Meisterschaften und Pokalen und in dieser Zeit formen sich auch so die ersten weiteren Stars des Vereins heraus. Da ist zum Beispiel Jimmy Quinn, ein bulliger Stürmer aus dem Kohlerevier zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wird so eine kleine Ikone vom Verein und der stellt halt so diesen harten bodenständigen Malocher-Typen dar, für den der Verein halt auch stehen will. Ja, Anfang des 20. Jahrhunderts nach dem Ersten Weltkrieg, vor allem während des Unabhängigkeitskrieges zwischen Irland und Großbritannien, verschärft sich das natürlich alles auch in diesen Städten dann halt.
Stefan
00:11:21
Ich hätte jetzt vermutet, dass da erst die Trennung zwischen Katholiken und Protestanten überhaupt so relevant wurde. Aber es sei gesagt, war vorher schon.
Tim
00:11:27
Ja, also da waren so die Ansätze und jetzt wird das so richtig auch durchgesetzt. Also von da an spielen quasi nur Katholiken, wobei es da immer wieder Ausnahmen gibt. Also wenn einer besonders gut ist, dann darf auch der Protestant für Celtic spielen und umgekehrt ein Katholik auch für die Rangers. Also man ist ja schon so ein bisschen flexibel.
Stefan
00:11:46
Immerhin.
Tim
00:11:47
Ja, in den 10er und 20er Jahren gibt es einen bekannten Spieler, Patsy Gallagher, der so besonders technisch affin war, wendig war. Ein kleiner, drahtiger Mann. Von dem sagt man, der konnte den Ball quasi am Körper kleben lassen. Und so eine Anekdote aus den frühen Geschichten ist halt das Pokalfinale 1925 gegen Dundee. Da soll der Gallagher quasi den Ball am Körper geführt haben und als zwei Gegner die Torlinie blockierten, soll er quasi so mit dem Ball zwischen den Beinen ins Tor gesprungen sein. Hat sich ja quasi hindurchgeworfen mit dem Ball. Ein weiterer ganz bekannter Spieler, jedenfalls für die Schotten, ist Jimmy McRory. Das ist der treffsichtigste Stürmer, den der schottische Fußball vielleicht hier gesehen hat. Der hat nämlich 469 Tore in 448 Spielen geschossen.
Stefan
00:12:42
Oha, gute Quote.
Tim
00:12:44
Ja, und das bei nur 1,68 Meter Größe als Stürmer. Und das ist halt in Europa wenig erreicht worden, so eine Zahl.
Stefan
00:12:51
Das ist schon beachtlich.
Tim
00:12:52
Ja, und der begeilt das besonders bescheiden, treu und bodenständig. Der hat niemals den Verein gewechselt, obwohl er abgeworben werden sollte von anderen Vereinen, auch europäischen Vereinen. Ja, aber es gibt auch so ein paar dunkle Geschichten. Am September 1931 ereignet sich eine der größten Tragödien im schottischen Fußball direkt im Old-Firm-Duell. Der Celtic-Torhüter John Thompson, gerade mal 22 Jahre alt und galt so als einer der talentiertesten Torhüter im Fußball. weil der kollidiert bei einem Rettungsversuch mit dem Stürmer von den Rangers Sam English und der Thompson erleidet einen Schädelbruch und stirbt noch am selben Abend im Krankenhaus.
Stefan
00:13:35
Das ist ja furchtbar.
Tim
00:13:36
Wahnsinn. Das Grab von dem wird im Übrigen von beiden Lagern verehrt. Also da kommen auch Fans der Rangers hin, beziehungsweise die schmücken das Grab bis heute. Also das...
Stefan
00:13:49
Ja, das war toll. Das war ja eine Tragödie, die er bei allen Bestürzungen auslöste wahrscheinlich.
Tim
00:13:55
Ja, in den folgenden Jahrzehnten durch die Zeit der Weltwirtschaftskrise, Zweiter Weltkrieg und Nachträgtsjahr bleibt Celtic zwar ein großer Name, aber sie tun sich da total schwer. Die Rangers sind total dominant. Mit denen Schritt zu halten, fällt denen halt schwer. Und vor allem auch dann in den 50ern sind die so die überlegende Kraft im schottischen Fußball. Also ein bisschen so Tristesse für die Celtic Anhänger, Aber das ändert sich und das ändert sich vor allem durch einen Mann, den ich schon erwähnt habe, Jocksteen. Der ist ja eine Trainerlegende in Schottland. Es gibt ja so viele berühmte schottische Trainer.
Stefan
00:14:33
Bill Shankly, Liverpool.
Tim
00:14:35
Alex Ferguson zum Beispiel, Bill Shankly, genau.
Stefan
00:14:38
Bob Hastie.
Tim
00:14:39
Aber bei einer Wahl in Schottland ist Jocksteen zu dem Trainer des Jahrhunderts gewählt worden. Also selbst gegen so große Namen hat er sich dann wohl durchgesetzt. Und das Interessante bei ihm ist, der wurde als Protestant geboren. Also der war Protestant und ist 1922 im kleinen Ort Birnbank geboren. in Lancashire geboren, mitten im schottischen Kohlerevier. Der kommt aus einer richtigen Bergarbeiterfamilie, so wie viele andere Fans vom Celtic FC halt auch. Und der Jockstein musste halt zusehen, wie sein Vater unter Tage geschuftet hat, jahrzehntelang als Bergmann. Und das wollte der nicht. Allerdings hat er da von seinem Vater gelernt, besonders Disziplin und Härte auch gegen sich selbst sehr wichtig ist. Und der war halt ein klarer Vertreter der Arbeiterklasse auch sein ganzes Leben lang. Und das strahlte er irgendwie auch aus. Aber um aber da rauszukommen, wollte er auf jeden Fall Profifußballer werden.
Stefan
00:15:37
Er war auf der einzige Weg, um da rauszukommen.
Tim
00:15:40
Genau, aus solchem Elendsvierteln rauszukommen, aus dieser Armut. Spielte er dann zunächst bei einem Verein Albion Rovers und wechselte dann nach Wales und schaffte dann schließlich 1951 mit bereits 28 Jahren erst den Wechsel zu Celtic. Also ziemlich spät. Ja, spät, ja. Ja, der war Verteidiger, der war jetzt kein großer Fußballer. Solide, robust, kopfballstark wird er beschrieben, aber zuverlässig. Und er hatte von Anfang an so einen guten Blick fürs Spiel. Also er hatte Spielübersicht, Führungsqualitäten und wurde dann 1954 sogar Mannschaftskapitän, das als Protestant. Und führte Celtic dann zum Double aus Meisterschaft und Pokal.
Stefan
00:16:23
Ja, sehr stark.
Tim
00:16:24
Ja, sein Problem war dann, dass er eine schwere Verletzung erlitt, eine Knöchelverletzung 1956 und da musste er dann schon aufhören. Und jetzt hätte man meinen können, ja okay, das war es dann für ihn, jetzt ist der Fußball zu Ende, aber jetzt kommt eigentlich das eigentliche Kapitel, wofür er halt bekannt ist, nämlich als Trainer.
Stefan
00:16:43
Ja, ich kannte ihn nur als Trainer, aber auch spannend, dass er durchaus auch als Spieler Höhepunkte hatte, ne?
Tim
00:16:48
Ja, auf jeden Fall. Und bevor er Trainer wurde, gibt es so ein Fußballspiel, das ihn so ganz besonders geprägt hat und das sozusagen die Spielweise vorgegeben hat, die er als Trainer umsetzen wollte. Nämlich am 25.11.1953 spielt England gegen Ungarn mit dem Wunderteam.
Stefan
00:17:08
Oh, das gibt es bei YouTube dringend. Sollte man sie angucken, weil Zeitenwende. Aber erzähl mal.
Tim
00:17:15
Ja, die spielen im Wembley-Stadion und die Engländer hielten sich ja für damals eigentlich die Besten auf der Welt. Und die werden deklassiert, nämlich 6 zu 3.
Stefan
00:17:25
Ja, das war vernichtet.
Tim
00:17:26
Und vor allem schoss Ungarn insgesamt 35 Mal aufs englische Tor und die Engländer, England nur fünf Mal. Ja und das zeigt halt, wie dominant die Ungarn zu der Zeit waren und wie offensiv stark die waren und die Engler quasi an die Wand gespielt haben.
Stefan
00:17:42
Vor allem war das ein weltbewegender Schock für England, weil das war die erste Niederlage überhaupt auf eigenem Boden gegen eine europäische Mannschaft und dann gleich 3-6 deklassiert werden, nicht nur verlieren, nein, die sind vernichtet worden, also auch in der Wahrnehmung neutraler Zuschauer.
Tim
00:17:59
Ja, das muss ja wirklich auch in der Presse so als Schockmoment wahrgenommen worden sein.
Stefan
00:18:06
Vor allem hatte Ungarn unter dem Gustav Zewitsch den Nandor-Hitakuti als hängende Spitze. Da konnten die Engländer gar nicht mit umgehen. Die hatten ja reine Manndeckung. Der kam immer aus der zweiten Reihe nach vorne, neben dem Puskas. Und er konnte machen, was er wollte. Die haben ihn gar nicht auf dem Schirm gehabt. Also sie wurden abgeschossen. Und der Rückspiel in Budapest war da gar 7-3 im Nepp-Stadion. Also sie wurden auseinandergenommen, die Engländer.
Tim
00:18:30
Ach, ja und für den Jogstein war das jetzt halt der Moment zu sagen, Also so, wie wir bisher gespielt haben, können wir nicht weiterspielen. Und gerade dieses Offensivfeuerwerk, das war so sein großes Vorbild. Ja, bei Celtic war es jetzt allerdings so, dass man jetzt nicht genau wusste, wo man ihn hintun soll. Am Anfang wurde er quasi für die Reservemannschaft oder, die jungen Spieler eingesetzt. Das war so eine Verlegenheitslösung, weil man jetzt irgendwie für ihn nichts hatte und man wollte nicht, dass der der richtige Trainer wird. Der Vorteil war jetzt allerdings, dass in dieser Jugendmannschaft quasi schon die Spieler spielten, die in späteren Jahren die großen Stars werden sollten und den Verein ganz nach vorne bringen. Ja, der Vorstandsvorsitzende Robert Kelly hat ihm dann halt gesagt, tut mir leid, Cheftrainer kannst du nicht werden. Wir können dir allerdings anbieten, dass du der Leiter der gesamten Jugendabteilung wirst, aber das hat ihm nicht gereicht. Und so wechselte er dann 1960 zu Dunfermelein Athletic, einem kleinen Klub in Schottland, der quasi vor dem Ausstand, also kurz vor dem Abstieg stand. Und der Stine übernahm die Mannschaft dann praktisch im freien Fall und rettete sie auch innerhalb von wenigen Wochen vor dem Abstieg. Und ein Jahr später gewann er mit diesem kleinen Provinzverein sensationell den schottischen Pokal und natürlich gegen Sette Glasgow. Auch in der Liga war er dann mit diesem kleinen Verein total erfolgreich. Er wurde Vierter und in der Folgesaison spielte man sogar im Europapokal der Pokalsieger und kam da ins Vierte Finale. Und bevor er dann zu Celtic zurückkehrte, wechselte er noch zu Hibernien nach Edinburgh. Da kam es auch zu einem Spiel, da gab es so einen sogenannten Summer Cup in Schottland, quasi so um die spielfreie Zeit zu füllen. Da wurde so ein Pokal ausgespielt und da gewann man auch. Ja und weil Celtic so erfolglos war jetzt die ganzen 50er Jahre überwiegend, standen die Bosse richtig unter Druck und aufgrund dieses Drucks holte man ihn dann zurück und er wurde der erste protestantische Trainer, den Celtic Glasgow hatte. Dass dann ausgerechnet ein Protestant der größte Trainer der Vereinsgeschichte wird, das hat natürlich viele überrascht und ist ja auch so eine lustige Geschichte, wenn man diese Rivalität zwischen den Katholiken und den Protestanten da kennt.
Stefan
00:20:49
Das überrascht schon sehr, finde ich. Mir war das nicht bewusst, dass der gar nicht katholisch war.
Tim
00:20:56
Ja, und der wird ja quasi sowas wie der Vater des Vereins, wie so eine große Vaterfigur, die aber sehr lange Zeit dann da ist.
Stefan
00:21:04
Irgendwie aber auch sympathisch, dass das Ganze dadurch aufgebrochen wird und man erkennt, es ist ja eigentlich irre, an so Kategorien wie Religion einen Verein zu führen. Das freut mich dann schon, dass es dann ein Protestant war, der der Übervatertrainer ist.
Tim
00:21:19
Ja, das Besondere bei seiner Verpflichtung war, dass er mitten in der Saison geholt wurde. Das war auch sehr ungewöhnlich zu der Zeit. Und der Verein stand vor dem Pokal-Halbfinale gegen Motherwell. Die hatten so einen Topstürmer, Joe McBride. Und Celtic siegt dann in einem Wiederholungsspiel, weil es ja noch kein Elfmeterschießen gab zu der Zeit, 3 zu 0. Und im Finale besiegt man dann seinen alten Verein, diesen kleinen Verein Dumpfirm Line, Athletic, und gewinnt zum ersten Mal den Pokal seit 1954. 54. Ja, und Steen holt jetzt natürlich nach diesen Spielen clevererweise diesen Joe McBride zu Celtic, um die Offensive nochmal zu verbessern. Und der schießt dann auch gleich 43 Tore in der Saison. Wow. In der Saison 65-66, das ist jetzt seine erste volle Saison, da wird man schottischer Meister, und man erreicht auch das Halbfinale des Europapokals, der Pokalsieger. Man verliert knapp 2 zu 1 gegen Liverpool.
Stefan
00:22:23
Auch spannend. Die hatten ja den Bob Shankly da, auch in Schotte, lange als Coach.
Tim
00:22:27
Ja, und die verlieren in diesem Jahr aber dann Liverpool im Hemdenpark, wo das Spiel ausgetragen wird, gegen Borussia Dortmund 2 zu 1. Als Nicht-Dortmund-Fan wusste ich jetzt nicht, dass die da einen Europapokal gewonnen haben in der Zeit, aber scheinbar waren die sehr erfolgreich.
Stefan
00:22:45
Ich erinnere mich, doch, doch. Das war, glaube ich, der erste Sieg im Europapokal einer deutschen Mannschaft durch Borussia Dortmund.
Tim
00:22:52
Ja, im schottischen Pokal verlor man gegen die Rangers nach einem 0-0 auch wieder ein Wiederholungsspiel 1-0 dann. Aber man ist ja weit gekommen und für Jock Steen war es jetzt so, das war jetzt nur der Anfang. Er wollte halt viel mehr, aber vor allem war ihm wichtig, dass man attraktiv gewinnt. Nicht irgendwie gewinnt, sondern bedingungslos offensiver Fußball sollte gespielt werden.
Stefan
00:23:16
Klingt sehr gut.
Tim
00:23:16
Er verabscheute nichts mehr als diesen zu dieser Zeit so dominanten defensiven Fußball, dem Catenaccio.
Stefan
00:23:24
Ja, Italien, sage ich mal.
Tim
00:23:26
Ja, aber da ist ja auch diese WM in Chile.
Stefan
00:23:30
62.
Tim
00:23:32
Ja, das dominiert, weil vor allem Inter Mailand in den 60er Jahren auch zweimal den Landesmeisterpokal gewinnt.
Stefan
00:23:38
Ja, unter Helene Juerreira, furchtbar.
Tim
00:23:41
Ja, auf den werden wir gleich nochmal zu sprechen kommen.
Stefan
00:23:44
Sehr gut.
Tim
00:23:45
Der Jock Steen sagt dann nämlich in so einem Zeitungsinterview, sein Ziel ist es mit Stil zu gewinnen und nicht durchmauern.
Stefan
00:23:52
Sehr sympathisch.
Tim
00:23:53
Was besonders ist an seiner Mannschaft, die er dann so aufbaut, das sind ja nicht irgendwelche Spieler, die er jetzt irgendwo herholt und verpflichtet. Fast alle Spieler stammten aus der unmittelbaren Umgebung von Glasgow. Nur ein Spieler wohnt 30 Meilen entfernt. Also im Grunde war das eine ganz lokale Mannschaft.
Stefan
00:24:11
Stark, dass es überhaupt klappte. Also aus so einem geringen Radius so viele hochqualifizierte Spieler zusammenzutragen.
Tim
00:24:19
Ja, und das führte halt natürlich auch zu einer besonderen Verbundenheit mit den Fans. Das war ja für die Fans ja noch was ganz Besonderes. Und was dann alle in Erstaunen versetzt, ist dann das Jahr 1967. In dieser einen Saison gewinnt Celtic buchstäblich jeden einzelnen Wettbewerb, an dem es teilnimmt. Man gewinnt die Meisterschaft, den schottischen Pokal, den Liga-Pokal, den es da auch gibt und noch den regionalen Glasgow. Aber natürlich vor allem gewinnen sie den Europapokal der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League.
Stefan
00:24:49
Wahnsinn, was für ein Jahr für Celtic.
Tim
00:24:51
Und das ist halt das Wunderjahr von den Celtic-Fans und ja, kaum zu wiederholen. Mit 196 Pflichtspieltoren stellt Celtic bis heute den Rekord für die meisten erzielten Treffer in einer Saison vor dem FC Barcelona von 2011-2012 mit 190 Toren.
Stefan
00:25:09
Wow.
Tim
00:25:10
Ja, und Celtic verlor in der gesamten Spielzeit nur drei Pflichtspiele. Einmal gegen den FK Vojvodina im Europapokal.
Stefan
00:25:20
Ich weiß, wo die herkommen.
Tim
00:25:21
Und zweimal gegen Dani United in der Liga. Kennst du Vojvodina?
Stefan
00:25:26
Ja, natürlich. FK Vojvodina Novisat. Ehemaliges Verein in Serbien. Damaliges Jugoslawien.
Tim
00:25:35
Genau. Nachdem die ja zunächst den FC Zürich besiegen, dann den FC Nantes, spielen sie dann halt gegen FK Vojvodina Novisat. Ja, und dann spielten sie gegen den FC Dukla Prag. Das ist jetzt auch nicht so ein Verein, der mir viel sagt.
Stefan
00:25:51
Das ist der Armeesportclub in Prag.
Tim
00:25:54
Ah, okay.
Stefan
00:25:54
Also der tschero-slowakische Armeesportclub war das. Das war auch im Grunde, weil das der Verein, den die Regierung am meisten gefördert hat. Den damaligen Tschero-Slowakei. Aber ist nicht so wichtig.
Tim
00:26:05
Ja, zumindest waren das jetzt nicht die stärksten Vereine, die man sich so in einem Europapokal vorstellen kann. Aber im Finale wartet ein Top-Verein, nämlich Inter Mailand. Und kommen wir jetzt mal kurz zu der Mannschaft, die dann da spielt für Celtic Glasgow. Die nennt man ja auch die Lisbon Lions, weil sie ja in Lissabon findet das Finale statt und da gewinnen. Und im Tor steht Ronnie Simpson, den Steen zu Beginn seiner Amtszeit mit bereits 33 Jahren verpflichtet. Also ein ungewöhnlich alter Torwart, jedenfalls zu der Zeit. Aber für Steen ist das genau der Richtige. Der ist nämlich ballsicher, ein erfahrener Torwart und soll ja auch so ein bisschen die Jungen heranführen. Der wird später sogar mit 36 Jahren noch Nationalspieler. Ja, in der Abwehr spielen Jimmy Craig und Tommy Gamble auf der Außenbahn. Und Billy McNeil, der ist Kapitän und Abwehrchef, der spielt zusammen mit John Clark in der Innenverteidigung. Im Mittelfeld dirigiert Bobby Murdoch und Bertie Old das Spiel. Und auf den Flügeln wirbelt ein ganz besonderer Spieler, Jimmy Johnston. Das ist ein kleiner, rothaiger Dribbelkünstler, den man liebevoll auch Jinky nannte. Und neben auf dem anderen Flügel spielte Bobby Lennox. Das war halt der einzige Spieler, der von etwas weiter entfernt kam, nämlich aus 30 Meilen Entfernung. Und im Sturm agierten Willie Wallace und Steve Chalmers. Mal um die Namen so zu nennen. Bekannt ist vor allem Jimmy Johnston. Also den Namen hatte ich zumindest schon mal gehört.
Stefan
00:27:37
Ja, Jamil kenne ich. Ich kenne einige von so einem Quartett, was wir von meinem Onkel hatten. Da waren auch vier Spieler von Celtic Glasgow von dieser Europapokalsieger-Mannschaft dabei. Aber das nur am Rande.
Tim
00:27:49
Okay, wie cool. Spieler-Quartett, okay. Ja, der Jimmy Johnston, der was Besonderes an ihm war, der war nur 1,57 Meter groß, und gilt, jedenfalls nach den Wahl der Fans, als der beste Spieler der Geschichte von Celtic. Und dessen großes Vorbild war Stanley Matthews. Kann man ja auch verstehen. Da hatte ich ja schon mal erzählt, dass der 1956 der erste Ballon d'Or-Sieger war. Der war ja auch ein super Dribbler. Man nannte den Jimmy Johnston dann auch The Lord of the Wings. Aber vor allem war er ein Heißsporn, was vielleicht auch mit seiner Körpergröße oder so, dass er sich da durchsetzen muss, zusammenhängt. Und er hatte eine Leidenschaft für Bier und Whisky, war dem auch sehr zugetan. Und das störte jetzt vor allem den Jock Steen besonders, weil der trank nicht. Der hätte am liebsten gehabt, dass seine Spieler auch nichts trinken, aber das ließ sich damals nicht durchsetzen. Zu den Jimmy Johnson gibt es eine lustige Geschichte. Bei einem Spiel der Nationalmannschaft gegen Wales 1974, da ist er mit zwei Spielern aus dem Trainingslager ausgebüxt. Spät in die Nacht haben die gesoffen und dann ging man noch betrunken ans Meer und der Johnson, der setzt sich dann so in ein Ruderboot, fängt an zu singen, und die Mitspieler finden es witzig mal so gegen das Boot zu stoßen. Dadurch legt er das ab und während die anderen Spieler nicht so darauf achten, treibt er immer mehr aufs Meer hinaus, sinkt dabei, voll betrunken und sie kriegen ihn nicht mehr an Land.
Stefan
00:29:22
Das darf nicht wahr sein. Und dann?
Tim
00:29:24
Da mussten sie betrunkenerweise die Küstenwache alarmieren. Die fuhren dann raus. Und hielten dann das Boot mit dem Johnson an, der war dermaßen betrunken, dass er auf die Frage, was er denn da machen würde, meinte, sie sollen ihn in Ruhe lassen, er wäre doch am Fischen. Aber zwei Tage später war er wieder nüchtern und macht gegen England eins seiner besten Spiele bei einem 2-0-Sieg von Schottland gegen England. Aber kommen wir jetzt nochmal zurück zu dem Endspiel von Celtic gegen Inter Mailand. Und die waren zu dem Zeit anntierender Titelverteidiger und waren zweimalige Gewinner des Europapokals der Landesmeister in den drei Vorjahren. Und trainiert wurden sie, wie du schon gesagt hast, von Heleno Herrera. Der ist uns ja schon mal ein paar Mal untergekommen irgendwie.
Stefan
00:30:08
Argentinier.
Tim
00:30:09
Ja, das ist ja so eine ganz schildernde Persönlichkeit. Und einer der ganz bekannten Trainer, der habe ich gelesen, der ist in Marokko aufgewachsen. Und der hat ja dann, der hat in ganz Europa gearbeitet. Und man sagt ihm ja immer nach, er wäre so der Erfinder des Kattenachos. So ganz so richtig ist das nicht. Aber damit ist er halt bekannt geworden.
Stefan
00:30:29
Und erfolgreich.
Tim
00:30:30
Ja, total. Und sein Markenzeichen oder auch das Markenzeichen von Inter Mailand war es ja zu der Zeit so zu spielen, dass man früh in Führung geht und dann quasi schottendicht macht, um das Spiel dann über die Zeit zu bringen.
Stefan
00:30:43
Ja, unglaublich attraktiv. Nicht.
Tim
00:30:45
Ja, verhasst auch weitestgehend.
Stefan
00:30:48
Ja, die Inter- und Independiente Bundes-Aires waren zu der Zeit, auch in den Jahren danach, unglaublich erfolgreich, aber haben dem Fußball totalen Schaden zugefügt. Dieses rein auf Ergebnis spielen und sonst nichts bieten. Also ich bin echt ein großer Feind davon. Man mag deswegen beide Mannschaften auch aufgrund dieser Historie gar nicht.
Tim
00:31:09
Es war jetzt halt so, dass Lissabon hatte gegen Inter Mailand in einem Finale verloren. Deshalb waren die eh schon so gegen Inter und auch gegen die Spielweise ausgerichtet. Aber Inter war in dem Jahr eigentlich der große Favorit. Denn die hatten jetzt Torpedo Moskau besiegt, Vargas Budapest und dann Real Madrid geschlagen und im Halbfinale ZSKA Sofia, also zu der Zeit auch große Vereine.
Stefan
00:31:32
Also Vajaj war einer der großen Budapester Vereine gewesen in dem... In Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, neben Hornwett natürlich dem großen Armeesportklub und Ferdinand Svaros und MDK, da war Vajas auch dabei. Ich meine, das wäre der Eisenbahner-Verein, aber da kann ich mich täuschen.
Tim
00:31:50
Naja, auf jeden Fall der Kontrast zwischen Celtic und Inter Mailand könnte nicht größer sein und auch nicht zwischen den beiden Trainern. Der eine so der weltgewandte, kalkulierende Herrera, Welttrainer und dann der bodenständige Jock Steen, der aus den Kohleminen kommt. Und interessanterweise hatte der mal bei Herrera hospitiert. Oh, spannend. Und als sie jetzt zusammentreffen bei dem Spiel, kann sich der Herrera überhaupt nicht daran erinnern, dass er den kennt. Also kommt so ein bisschen arrogant rüber. Der Jockstein hat aber mal erklärt, nach diesem Praktikum bei dem Herrera hätte er gewusst, dass er so auf gar keinen Fall Fußball spielen lassen will. Aber auch die Teams hätten jetzt nicht unterschiedlicher sein können. Der Jimmy Johnson hat mal berichtet, als die Italiener ankamen, waren sie braungebrannt, die Haare nach hinten gegillt, mit perfekten Zähnen und sahen aus wie Filmstars in Anzügen. Dagegen waren wir klein hässig und ohne Zähne im Mund.
Stefan
00:32:49
Sehr geil.
Tim
00:32:50
Und auch das Durchschnittsgehalt eines Interspielers war höher als das gesamte Gehalt der Mannschaft von Celtic Glasgow.
Stefan
00:32:57
Sehr geile Kontraste.
Tim
00:32:58
Also war Celtic der klare Underdog, Inter der große Favorit. Aber die Schotten hatten 13.000 Fans mitgebracht. Und die haben teilweise ihr letztes Hand gegeben, um dort hinreißen zu können. Es gibt eine lustige Geschichte, dass sich nach dem Spiel die Verlobte von einem von so einem Hardcore-Fan getrennt hatte. Denn der hatte das mühsam angesparte Geld für den Hauskauf oder die Hochzeit, je nachdem wie man die Geschichte erzählt, verwendet, um ins Stadion nach Lissabon zu kommen. Also für die Celtic-Fans war das was ganz Besonderes.
Stefan
00:33:28
Ja, definitiv.
Tim
00:33:29
Und was Inter oder die Spieler von Inter besonders beeindruckte, war dann, bevor man ins Stadion einlief. Stimmten auf einmal die Celtic-Spieler lauthals die Celtic-Hymne. Hail, hail, the Celtics are here. What the hell do we care now? Und dann stimmten auch die 13.000 Fans dieses Lied an und brüllten das dann so ganz laut. Und das war für die völlig ungewohnt, für die Italiener. Die waren völlig irritiert. Aber zunächst lief alles wie von den Italienern geplant. Siebte Minute faulte Jimmy Craig im Strafraum Sandro Mazzola. und der verwandelt dann den Elfmeter zur Führung.
Stefan
00:34:06
Da muss man vielleicht einschieben. Sandro Mazzola war ein Star in Italien bei Inter natürlich, neben vielen anderen bei Inter, aber der Vater war auch schon ein Star. Der Valentino Mazzola war einer der größten italienischen Fußballer nach dem Zweiten Weltkrieg und war spielte bei dem AC Turin. Diese Mannschaft hat man immer verehrt von den Fans des AC Turino, als Grande Turino. Die waren da, also ganz überlegen in Italien, in der Serie A auch viele Nationalspieler und das Unglück, das Flugzeugunglück von Superga, Also Superga ist der Berg, Ubald von Turin, das das Flugzeug zerschellt und mit ihm fast alle Spieler und auch der Vater von Sandro Mazzola. Das fiel mir nur gerade ein bei der Nennung von dem Namen Sandro Mazzola.
Tim
00:34:46
Das ist super, dass du das sagst, weil ich habe ja einen kleinen Exkurs vorbereitet gehabt zu Sandro Mazzola. Und da wäre genau das vorgekommen, was du gesagt hast.
Stefan
00:34:54
Ah, schade, sorry.
Tim
00:34:56
Nein, alles gut. Das ist ja super, dass du das weißt. Denn das Besondere jetzt für den Sandro Mazzola in diesem Spiel war, dass sein Vater 1949 sein letztes Spiel in genau demselben Stadion nämlich bestritten hat. Denn bevor sich dieses Flugzeugunglück ereignet, haben die in Lissabon gespielt. Ah, das hätte ich jetzt nicht gewusst.
Stefan
00:35:18
Ja, interessant. Irgendwie klingt schon fast unheimlich.
Tim
00:35:22
Ja, und wie du ja schon gesagt hast, der Vater war wohl schon so ein richtiger großer Star und eine Legende. Dass er jetzt da quasi im Finale steht und ein Tor schießt, war für diesen Sandro Marzola halt ganz besonders. Ja, aber kommen wir zurück zum Spiel. Trotz des Rückstands lässt sich Celtic jetzt nicht beirren oder die werden jetzt nicht unsicher. Denn der Steen hatte seiner Mannschaft vor dem Spiel unmissverständlich klar gemacht. Wir sind es unserem eigenen Spiel schuldig, so zu spielen, wie wir spielen wollen und können. Also offensiv, mutig und unbeirrbar nach vorne. Und das haben seine Spieler dann auch gemacht. Fast 60 Minuten ran Celtic gegen die Abwehrmauern von Inter Mailand an, Welle um Welle. Aber irgendwie gab es kein Durchkommen durch die Abwehr der Italiener. Insgesamt haben die Schotten 36 Mal auf das italienische Tor geschossen. Sie trafen dabei zweimal die Latte, scheiterten 13 Mal im italienischen Torhüter Giuliano Sarti und sieben Mal waren Verteidigerbeine bei Schüssen dazwischen. Also im Grunde spielte nur noch Celtic, aber es kam nichts bei rum. Ja, der Ausgleich fiel dann in der 63. Minute. Rechtsverteidiger Simi Craig legte quer und Tommy Gamble, ebenfalls eigentlich Verteidiger, hämmerte den Ball mit dem linken Fuß unhaltbar unter die Latte. Der Kapitän Billy McNeil erinnerte sich später dann so, er habe von der Mittellinie aus alles perfekt beobachten können, wie Gammel sich für den Schuss in Position brachte. Und das hat sich bei vielen Celtic-Fans oder die Zeitzeugen so eingebrannt, wie der diesen Hammerschuss auspackt und das 1-1 schießt. Endlich. Ja, Celtic drängte dann unermüdlich weiter. Und fünf Minuten vor Schluss, in der 85. Minute, war schließlich Stevie Chalmers. Der den entscheidenden Treffer zum 2-1-Endstand erzielte. Bei einem Schuss aus 20 Metern hält er einfach den Fuß rein und der Ball geht dann unten rechts ins Tor. Der Inter Mailand endgültig in die Knie zwang. Ja, Celtic war Europapokalsieger. Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Wettbewerbs hat ein britischer Verein den Europapokal gewonnen, noch vor Manchester United, das erst ein Jahr später nachzog. Und das Besondere halt, dass man das mit so einer lokalen Truppe quasi geschafft hat. Und ohne großes Geld, ohne große Stars, jedenfalls internationale Stars.
Stefan
00:37:37
Dann wird sowas wahrscheinlich nie mehr erleben, aber schön, dass es das mal gab. Eine Mannschaft aus so einem engen Umfeld, die dann im Zenit des europäischen Fußballs gesiegt hat. Also fantastisch.
Tim
00:37:47
Der einzige Verein, dem das auch gelungen ist, mit so einer lokalen Truppe was zu gewinnen, war der FC Markburg 1974. Der hat den Europapokal der Pokalsieger damals gegen den AC Mailand gewonnen. Ja, und es ist vor allem auch der erste Sieg einer nordeuropäischen Mannschaft. Was ich auch nicht wusste, von 1955 bis dahin hatte Real Madrid sechsmal den Europapokal gewonnen, da wohl fünfmal in Folge.
Stefan
00:38:13
Ja, das wusste ich.
Tim
00:38:14
Und Benfica Lissabon zweimal, Inter zweimal und einmal der AC Mailand.
Stefan
00:38:18
Ja, das war eine Dominanz der Südeuropäer.
Tim
00:38:20
Ja, unmittelbar nach dem Abpfiff sagte John Steen dann den Satz, der für ihn so besonders bekannt ist, There is not a prouder man on God's earth than me at this moment.
Stefan
00:38:31
Zurecht.
Tim
00:38:32
Ja, das kam dann so, ist so richtig aus ihm rausgebrochen wohl, so bei so einem Interview. Und das ist so ein ganz bekannter Satz, so ein geflügelter Satz, den man mit Celtic in Verbindung bringt. Besonders schön sind dann auch die Feierlichkeiten quasi nach dem Sieg. Die schottischen Fans stürmen nämlich den Platz und die portugiesischen Behörden sind dann völlig überfordert. Und dann gibt es so eine improvisierte Siegesfeier. Und bei der Überreichung des Pokals ist auf einmal nur noch der Kapitän von Celtic da. Die anderen Spieler sind schon längst in der Kabine und feiern und trinken. Und er bringt ihnen dann die Medaillen quasi erst beim Abenddinner mit.
Stefan
00:39:11
Sehr ungewöhnlich.
Tim
00:39:13
Und ich habe dann mal so recherchiert, so die Presse, was die da zu der Zeit so geschrieben haben. Die waren halt alle begeistert, dass der Offensivfußball gesiegt hat.
Stefan
00:39:22
Ja Gott sei Dank, nicht diese Defensivfretzen von Inter.
Tim
00:39:26
Genau und die Portugiesen schreiben dann so, es war unvermeidlich, früher oder später musste das Inter von Herrera, das den Catenacho spielt, des negativen Fußballs, der knappen Siege für seine Fußballverweigerung bezahlen. Also alle waren froh, dass im Grunde Inter verloren hat, jedenfalls wenn man so die überwiegende Presse so liest. Tatsächlich war in diesem Jahr nicht nur Celtic besonders gut, sondern eigentlich auch die Rangers, denn die schaffen es 1967 im Europapokal, der Pokalsiegerfinale, aber sie verlieren gegen einen Verein, der uns sehr gut bekannt ist.
Stefan
00:40:02
Ich weiß gegen wen. Ich sage nur zwei Worte, Bulle Rot.
Tim
00:40:05
Ja, so ist es.
Stefan
00:40:07
FC Bayern München hat natürlich in der Verlängerung mit 1 zu 0 die Glasgow Rangers besiegt. Ja, aber das Spiel kann man sich ganz schwer angucken. Es gibt es auf YouTube, ich habe es mir angesehen, in kompletter Länge, harte Kost. Aber fußballhistorisch sehr, sehr spannend, gerade für Bayern-Fans.
Tim
00:40:23
Also der erste große Erfolg von Bayern München, ne?
Stefan
00:40:25
Der erste internationale Titel, ganz genau.
Tim
00:40:27
Ja, für Celtic war es jetzt ja so, als Sieger im Landesmeisterpokal spielte man auch zu der Zeit schon den Weltpokal aus. Und da spielten sie gegen einen Verein, Racing Club Buenos Aires.
Stefan
00:40:40
Ja, das ist einer der bekannten Vereine aus Buenos Aires, also geschichtlich bekannt.
Tim
00:40:44
Ja, und die waren vor allem bekannt für ihre Härte im Spiel. Und das Hinspiel gewinnt Celtic 1 zu 0. Und da geht es schon so richtig hart zur Sache. Aber das Rückspiel findet dann vor 120.000 Zuschauern in Buenos Aires statt. Und schon vor dem Anpfiff bekommt der Torwart Simpson eine Flasche oder nach anderen Berichten sogar einen Stein, der von einer Steinschleuder geschossen wird, an den Kopf und kann nicht mitspielen. So heftig. Nach dem Spiel dringen dann sogar argentinische Fans in die Kabine von Celtic ein und dann wird es dann handgreiflich. Ungelob. Aber vor allem auch draußen findet so eine richtige Schlacht statt zwischen den Argentiniern und den Uruguayern, weil ganz witzig, zur Unterstützung von Celtic reisen hunderte oder auch tausende Uruguayer-Fans an, die irgendwie total verfeindet waren mit den Argentiniern.
Stefan
00:41:35
Hauptsache es geht gegen die Argentinier, so klingt das.
Tim
00:41:38
Genau so, die zetteln dann halt so richtige Straßenschlachten an.
Stefan
00:41:41
Also vielleicht haben die sich noch an das WM-Finale 1930 erinnert, wo ja Uruguay gegen Argentinien den ersten Weltmeistertitel gewonnen hat in Montevideo-Uruguay. Aber naja, das war ja 1930, vielleicht doch ein bisschen lang her.
Tim
00:41:55
Ja, aber Montevideo ist ein gutes Stichwort. Das Spiel endet 2 zu 1 und so steht es ja dann insgesamt 2 zu 2. Jetzt muss ein Entscheidungsspiel her, weil es auch da immer noch kein Elfmeterschießen gab.
Stefan
00:42:07
Ja stimmt, da fehlen noch ein paar Jahre bis zur Erfindung.
Tim
00:42:10
Das Elfmeterschießen wird offiziell in den Wettbewerben erst 1976 eingeführt. Daher gab es also ein Wiederholungsspiel. Und dieses Spiel findet in Montevideo statt, weil man musste ja irgendwas in der Nähe suchen, aber halt nicht in Argentinien. Und dieses Spiel in Montevideo, das gilt als eines der größten Skandalspiele aller Zeiten. Denn der Schiedsrichter stellt insgesamt sechs Spieler vom Platz. Vier von Celtic. Wahnsinn. Und zwei von Buenos Aires.
Stefan
00:42:37
Wow, krass, habe ich noch nie von gehört. Sehr, sehr spannend.
Tim
00:42:39
Ja, witzig ist, von den vier Spielern, die ihr von Celtic vom Platz stellt, gehen aber nur drei runter.
Stefan
00:42:45
Ja, die anderen?
Tim
00:42:46
Der Spieler Bertie Old, der spielt einfach weiter.
Stefan
00:42:50
Sehr unglaublich.
Tim
00:42:51
Der geht einfach nicht runter vom Platz.
Stefan
00:42:53
Sehr geil.
Tim
00:42:54
Und als dann auch Bobby Lennox, der ja schon vom Platz gestellt war, wieder zurück will, wird er von einem Polizisten mit Säbel bedroht, damit er nicht zurückgeht.
Stefan
00:43:02
Bisschen übertrieben vielleicht.
Tim
00:43:04
Ja, es artet total aus, aber am Ende gewinnen die Argentinier 1 zu 0 und so wird Celtic leider nicht Weltpokalsieger.
Stefan
00:43:11
Das war ja auch ein Chaos da.
Tim
00:43:13
Aber das war halt der große Triumph 1967. Aber im Grunde macht Celtic zumindest in Schottland genauso weiter wie in diesen Jahren. Also von 1966 bis 1974 gewinnen sie neun Meisterschaften in Folge. Wow. Also quasi über ein Jahrzehnt hinweg sind sie durchgehend Meister, so ähnlich wie Bayern ja ab 2013 mit elf Meisterschaften.
Stefan
00:43:37
Aber damals haben wir in Deutschland, hat man dann gerne gesagt, naja, diese kleine, unausgeglichene schottische Liga, da ist das ja leicht. Natürlich ein bisschen peinlich, dass jetzt in der Bundesliga Bayern dann so dominant über ein Jahrzehnt geherrscht hat. Aber naja, das nur am Rande.
Tim
00:43:52
Ja, und auch die Glasgow Rangers haben das mal geschafft von 89 bis 97. Aber trotzdem eine super Leistung.
Stefan
00:43:59
Muss man erstmal gewinnen, natürlich. Es ist der Wettbewerb da, wo er ist, dann musst du eben erstmal gewinnen. Und wenn du es so oft schaffst, ist das eine fantastische Leistung.
Tim
00:44:09
Ja, auch international bleibt Celtic eigentlich eine Top-Mannschaft. 1970 erreicht Celtic ein weiteres Mal das Finale im Europapokal, nachdem man vor allem im Halbfinale den hochfarosierten englischen Meister Leeds United in der Battle of Britain ausschaltet. Aber im Finale treffen sie auf einen anderen Außenseiter, Fairnord Rotterdam und man unterliegt dort 1 zu 2 nach Verlängerung. Eine bittere Enttäuschung für die Celtic. Wenn sie eigentlich gedacht hatten nach Leeds United, ist das nur noch so pro forma das Spiel gegen Fairnord?
Stefan
00:44:44
Das kann ich mir gut vorstellen, diese Battle of Britain, weil Leeds United galt jetzt eine der besten Mannschaften Europas, vielleicht sogar ein bisschen der Welt damals. Das war ein enormer Prestige-Erfolg gegen Leeds gewonnen zu haben. Und dann kam Feyenoord. Aber da war da nicht Cruyff, nee, Cruyff war nicht bei Feyenoord.
Tim
00:45:01
Nee, aber Feyenoord wurde damals von Ernst Happel trainiert, der ja dann später mit dem HSV große Erfolge erzielt, den Landesmeisterpokal gewann und zwei Meisterschaften. Ja, ab 1971 hat man dann einen späteren Superspieler in den eigenen Reihen noch zusätzlich, Kenny Dorglish.
Stefan
00:45:22
Oh ja, mega bekannt. Später beim FC Liverpool.
Tim
00:45:26
Genau und mit Liverpool gewinnt er dreimal den Landesmeisterpokal, 78, 81 und 84.
Stefan
00:45:33
Absolute Topsturm hat der Zeit, also Ende 70er, Anfang 80er.
Tim
00:45:37
Darüber habe ich ja schon mal kurz in meiner Folge über Kevin Keegan erzählt, denn der war ja bis 1977 bei Liverpool und hat also den ersten großen Erfolg miterlebt. Aber 1971 kommt es noch zu einer großen Katastrophe, die man erwähnen muss beim Spiel Celtic Glasgow gegen die Glasgow Rangers im Ibrox Park der Rangers. Kommt es zu einer Katastrophe? Es starben 66 Fußballfans. Das Unglück geschah beim Stand von 0 zu 1, als tausende Rangers ein Hänger das Stadion verließen und eine Absperrung wegbrach. In der 89. Minute hatte Jimmy Johnston für Celtic ein Tor geschossen. Und so glaubten die irgendwie nicht mehr daran, dass sie das noch drehen können. Und es gab dann großen Andrang. Als dann noch plötzlich das Ausgleichstor fiel, kehrten nach Augenzeugenberichten wohl viele Fans wieder zurück oder wollten zurück. Nachher wurde diese Darstellung aber dann doch in Zweifel gezogen, so genau weiß man es nicht. Auf jeden Fall kam es zu einem großen Gedränge und dabei gab es eine Massenpanik und in der Folge wurden dann zahlreiche Besucher niedergetrampelt. Ja, aber dennoch, unter Steen etabliert sich Celtic indgültig zu den großen und respektierten Namen im europäischen Fußball. Er holt dann noch viele weitere Titel, nationale Titel. Also neben den neuen Meisterschaften auch Pokalsiege und dieser Jock Steen, der ist halt so die Autorität in dem Klub. Er hat das absolute Sagen und wenn man so die Philosophie, die so dahinter steckt, das hatte ich ja eben schon gesagt, war ja einmal das Offensivspiel, aber auch so diese psychologische Führung, sozusagen, dass er so eine Mannschaft zusammenschweißen kann. Und er war auch sehr streng und fordern, aber das hatten ja zu der Zeit viele Trainer.
Stefan
00:47:29
Ja, die waren ja oft sehr autoritär, ja.
Tim
00:47:31
Wie es bei so vielen großen Ehren im Fußball halt so ist, geht auch irgendwann die Zeit von Jock Steen bei Celtic zu Ende. Und der Abschied war leider weniger würdevoll, als man sich das für so einen Mann gewünscht hätte. Denn nach den vielen Meisterschaften und Erfolgen kommen dann auch so ein paar schwächere Jahre, so Ende der 70er oder Mitte bis Ende der 70er. Und in der Saison 77, 78 ist Celtic enttäuschend auf dem fünften Tabellenplatz.
Stefan
00:47:59
Ich glaube, jetzt beginnt die Zeit vom FC Aberdeen und dann die United und so.
Tim
00:48:03
Genau, die lösen die ab. Die lösen die jetzt so ein bisschen ab. Und hinzu kam, dass der Jockstein 75 einen ganz schweren Autounfall hatte. Und da ein ganzes Jahr ausfällt, so schwer war der verletzt. Ja, auf jeden Fall 78, sagt dann der Vorstand zu ihm. Es wäre doch vielleicht an der Zeit, dass er sich mal so ein bisschen zurückzieht, mehr so ins Management oder so in den Vorstand. Aber für so einen Mann wie ihn, das trifft dann auch andere große Trainer, kommt das überhaupt nicht in Betracht. Der will halt am Spielfeld bleiben und er hat auch immer so seine Probleme mit den Vorständen, die eigentlich keine Ahnung haben vom Fußball. Und so verlässt er dann im August 78 den Verein. Und sein Nachfolger wird Billy McNeil, also ein einziger Kapitän der Lisbon Lions. Und der tritt dann in große, vielleicht auch zu große Fußstapfen. Denn so richtig erfolgreich wird das dann in der Folgezeit nicht. Der Jogs Dean, der wechselt kurz zu einem anderen großen Verein, den wir gerade schon hatten, nämlich Leeds United. Hätte man ja vielleicht gedacht, da hätte man vielleicht mal was von gehört von seiner Zeit bei Leeds. Konnte man aber nicht. Denn die dauerte nur 44 Tage.
Stefan
00:49:16
Ach Gott.
Tim
00:49:17
Also man hat schnell gemerkt, die passen nicht zusammen, der Verein und er. Und es bot sich ihm da noch eine andere Lösung, denn die schottische Nationalmannschaft, die suchte einen Trainer und da wollte man ihn unbedingt und so einigte er sich dann ganz schnell mit Leeds, dass er den Vertrag wieder auflöst. Und mit der Nationalmannschaft ist er eigentlich auch erfolgreich, denn er führt sie zur Weltmeisterschaft 1982 in Spanien.
Stefan
00:49:45
Oh ja, die waren dabei, die Schotten. Ich erinnere mich, gegen Brasilien haben die auch gespielt.
Tim
00:49:51
Auf jeden Fall ist er da auch dabei.
Stefan
00:49:53
Ja, ich kannte den Namen. Also dann ist er hoffentlich für ihn, was heißt hoffentlich, aber er ist ja ein bisschen alter, muss ja bald Schluss sein mit Jockstein.
Tim
00:50:02
Ja, gut, dass du es sagst. Leider ist es ein tragisches Ende. Oder vielleicht kann man auch anders sehen, vielleicht auch ein schöner Tod. Denn am 10. September 1985 findet ein ganz wichtiges Spiel für Schottland statt. Im walisischen Cardiff, im altehrwürdigen Ninienparkstadion, spielt die schottische Nationalmannschaft unter Jock Steen gegen Wales. Das letzte Spiel für die WM-Qualifikation und Schottland benötigt unbedingt einen Punkt, um sich zu qualifizieren für die WM in Mexiko 86. 12.000 schottische Fans sind mit dabei, reisen da an und das Spiel verläuft dramatisch. Bereits in der 13. Minute geht Wales durch einen ehemaligen Bayern-Spieler in Führung, Mark Hughes.
Stefan
00:50:51
Ah, ich erinnere mich an den, der kam von Man U.
Tim
00:50:54
Ja, fand den eigentlich immer cool, er war ja auch bei Barcelona, aber nicht sehr erfolgreich.
Stefan
00:50:58
Ein sehr früher Vorläufer von Harry Kane, aber natürlich kein Vergleich.
Tim
00:51:03
Über den habe ich ja schon mal so eine Teilfolge gemacht, über den Mark Hughes. Die kann man sich auch anhören. Interessant, wie er so wechselt und wie der geht von Bayern. Auf jeden Fall, die schottischen Chancen schwinden zusehends und Jock Steen ist da erst 62 Jahre alt. Ja, kein Alter, allerdings ist er gesundheitlich angeschlagen. Er hatte schon 1977 seinen ersten Herzinfarkt erlitten und er hatte immer so Herzmedikamente. Und vor dem Spiel war der so richtig angespannt schon die ganze Zeit und sein damaliger Assistent ist kein anderer als Alex Ferguson.
Stefan
00:51:40
Ach, Sir Alec. Der spätere Sir Alec.
Tim
00:51:43
Genau, der spätere Sir. Und der erinnerte sich, wie nervös der war, der Jock Steen. Der war ja auch so sein Mentor. Und der hatte wohl seine Medikamente dann im Laufe des Tages nicht richtig genommen.
Stefan
00:51:55
Oh nein.
Tim
00:51:57
Und in der 60. Minute trifft Steen seine letzte Entscheidung als Trainer. Er wechselt Davy Cooper ein. Und dieser Cooper wird zum Helden des Abends. Neun Minuten vor Schluss, in der 81. Minute verwandelt der einen Foul-Elfmeter zum 1-1. Und das ist der Punkt, den Schottland braucht.
Stefan
00:52:15
Ja, mega.
Tim
00:52:16
Und dann in diesen letzten chaotischen Sekunden der Partie, als riesiger Jubel bricht aus, der Platz wird gestürmt, ereignet sich dann ein Unglück. Und das ist so den schottischen Fans, die das damals miterlebt hat, bis heute so in Erinnerung geblieben. Man sieht im Fernsehen, wie der Jockstein quasi so aufgebarrt, auf so einer Bahre liegt und dann nach innen gebracht wird und so mit schmerzverzerrtem Gesicht.
Stefan
00:52:41
Das ist ja furchtbar.
Tim
00:52:43
Der Reporter ist noch so am Jubeln und dann sieht man aber so, wie die den da reintragen und tatsächlich verstirbt er dann im Stadion.
Stefan
00:52:52
Das ist ja grauenhaft, aber seine letzte Entscheidung hat Schottland immerhin zur WM gebracht.
Tim
00:52:57
Ja, genau. Also man könnte ja auch sagen, wenn er jetzt nicht so jung gewesen wäre, wäre das natürlich ein...
Stefan
00:53:03
Perfekter Tod.
Tim
00:53:04
Ein Tod, wo er eigentlich auch hätte vielleicht sterben wollen im Stadion, aber natürlich mit 62 viel zu früh.
Stefan
00:53:10
Das zu früh, ja, definitiv.
Tim
00:53:12
Und dieser Herzinfarkt ereignet sich in dem Moment, wo er aufsteht von der Bank, will so kurz vor dem Schluss in Richtung Gegner gehen, um dem die Hand zu reichen. Und da ereignet sich das. Und das ist wohl auch von Fotografen festgehalten worden. Ja, natürlich war das ein Riesen-Nachhall im englischen Fußball oder auch im schottischen Fußball natürlich vor allem gegeben. Also das ist so, dass einer da auf dem Platz stirbt und das hatten wir ja schon mal, dass so ein Trainer auf dem Platz stirbt. Edelmaiger Bayern-München-Trainer.
Stefan
00:53:46
Du meinst Jula Laurent, Ungar.
Tim
00:53:48
Der stirbt ja auch auf dem Platz.
Stefan
00:53:52
Ich habe vergessen, etwa in Griechenland, kann das sein, dass der irgendwo im Ausland dann?
Tim
00:53:56
Ja, genau. Der stirbt beim Spiel Parok Saloniki gegen Olympiakos Piraeus. Und einer unserer Hörer hatte uns damals bei der Folge bei Bayern München, wo ich das schon mal erzählt habe, darauf hingewiesen, dass Jock Steen nämlich auch auf den Platz gestorben ist. Weil wir gedacht haben, das ist wahrscheinlich der einzige Trainer, der auf dem Fußballplatz gestorben ist. Und das war der Stefan Huber. Also da nochmal vielen Dank.
Stefan
00:54:20
Jetzt wird es rund. Schlimme Ereignisse, aber Aber trotzdem sehr, sehr interessant, dass da so eine Übereinstimmung.
Tim
00:54:27
Ja, für Alex Ferguson ist es dann so, dass er dann quasi Interimstrainer wird für die WM in Mexiko. Und er sagt dann nochmal über den Jogstein, ich bin stolz sagen zu können, dass er nicht nur ein Kollege war, sondern auch mein Freund war und mein großes Vorbild. Ja, wenn man heute durch Glasgow geht und den Celtic Park besucht, begegnet man Jogsteen noch immer auf Schritt und Tritt. Denn vor dem Stadion steht seine Statue und auch sein Name schmückt eine der großen Tribünen im Stadion. The Jogsteen Stand.
Stefan
00:55:03
Kann man nur sagen, wohlverdient.
Tim
00:55:05
Auf jeden Fall. Und die Lisbon Lions, jene elf Männer, die da den Europapokal der Landesmeister gewonnen haben, gelten bis heute als die meistverehrte Fußballmannschaft natürlich von den Celtic Fans. Die haben auch ihren eigenen Stand sozusagen im Stadion. Ja, zum Schluss vielleicht noch ein paar Fakten. Mittlerweile ist Celtic wieder der erfolgreichste Verein in Schottland. Mit 56 Meisterschaften. Die Rangers haben nur 55.
Stefan
00:55:32
Nur.
Tim
00:55:34
Ja, Celtics haben 43 schottische Pokalsiege, 22 League Cups gewonnen. Und ich habe jetzt mal so geguckt, wenn man so die berühmtesten Spieler halt schaut oder was so gewählt wurde bei verschiedenen Gelegenheiten, taucht halt ganz vorne Jimmy Johnson halt auf. Der hat halt bis 75 für den Verein gespielt. Und danach kommt schon Henrik Larsson. Das ist ja ein relativ neuer Spiel.
Stefan
00:55:58
Ah, ich erinnere mich. Da hatten wir eins der ersten FIFA. Da habe ich mit dem Henrik Larsson gerne mit Celtic gespielt. Fällt mir da gerade ein.
Tim
00:56:06
Und da habe ich von dir ja auch mal ein Celtic-Trikot geschenkt bekommen zu der Zeit.
Stefan
00:56:10
Was ist das bloß? Ach, was hast du noch?
Tim
00:56:12
Das habe ich noch.
Stefan
00:56:13
Ja, da müsste ich mir auch noch mal eins bestellen. Dann müsste man sich das Old Firm mal live im Fernsehen angucken.
Tim
00:56:18
Ja, das wäre ein Traum, ja. Ein Traum wäre es, das mal live zu sehen.
Stefan
00:56:21
Ja, das müssen wir mal ins Auge fassen. Aber das ein andermal.
Tim
00:56:26
Ja, andere russische Spieler sind halt vor allem diese Spieler der Lisbon Lions, Billy McNeil, Jimmy McRory, der ist ja noch früher, 20er, 30er Jahren. Natürlich Kenny Dolglisch, den wir schon erwähnt haben. Aber es gibt auch einen, Spieler, der auch sehr hoch immer da gehandelt wird bei Celtic. Und der hat nochmal in Deutschland bei Borussia Dortmund gespielt. Paul Lambert.
Stefan
00:56:49
Ah, ich erinnere mich, ja, ja, ja, Paul Lambert. Na klar, ich hätte nicht gewusst, dass er auch bei Celtic aktiv war.
Tim
00:56:55
Und der hat ja mit Borussia Dortmund die Champions League gewonnen.
Stefan
00:56:58
Ja, der erste, ich weiß auch, der erste Schotter bei Dortmund war, glaube ich, Mölde McLeod.
Tim
00:57:03
Ja, das stimmt.
Stefan
00:57:05
An den Remy hat er nämlich auch gerade so ein kleiner Blonder, als die wieder aufgestiegen sind damals. Ja, die Schotten.
Tim
00:57:11
Relativ neu, also da ist der griechische Stürmer Georgios Samaras. Mit dem hat man 2012, 2013 den Achtelfinaleinzug der Champions League geschafft.
Stefan
00:57:23
War schon ein richtiger Erfolg.
Tim
00:57:24
Und Callum McGregor, das ist der Mittelfeldspieler und Kapitän der jüngeren Erfolgsehra von Celtic. Jetzt um mal so den Kreis zu schließen. Ja, das war meine Folge über Celtic Glasgow, so ein kleiner Ritt durch die Geschichte.
Stefan
00:57:39
Sehr, sehr spannend, vor allen Dingen, weil ich ja mit diesen Lisbon, Lions auch so ein bisschen, wie gesagt, bevor ich mich für Fußball interessierte, hatten wir dieses Quartett und da kannte ich diese vier Spiele aus diesem Fußballerquartett, finde ich das schon ganz großartig. Also Celtic fand ich immer irgendwie geht toll, die Farben, ja, vielleicht, irgendwann sitzen wir vielleicht mal auf der Tribüne.
Tim
00:57:59
Das wäre ein Traum, auf jeden Fall. Alles klar.
Stefan
00:58:03
Schön war's.

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