Fussball: Celtic Glasgow: Die Lissabon Lions & Jock Stein: Europapokal der Landesmeister 1967
Von der Gründung in den Slums von Glasgow zu einem Wunderjahr mit fünf Titeln und dem plötzlichen Tod von Jock Stein.
26.10.2026 59 min
Zusammenfassung & Show Notes
Intro & Einstieg
Kurzer Einstieg ins Thema: Warum ist die Geschichte von Celtic Glasgow mehr als nur eine Fußballchronik? Warum wir immer ein bißchen Celtic Fans waren.
Kurzer Einstieg ins Thema: Warum ist die Geschichte von Celtic Glasgow mehr als nur eine Fußballchronik? Warum wir immer ein bißchen Celtic Fans waren.
Kapitel 1: Die Gründung (1887)
Alles beginnt am 6. November 1887 in der St. Mary's Church Hall im Glasgower Stadtteil Calton. Der irische Maristenbruder Walfrid ruft Celtic ins Leben – nicht als sportliches Projekt, sondern als Mittel zur Armutsbekämpfung. Seine Wohltätigkeitsorganisation "Poor Children's Dinner Table" versorgt hungrige Kinder im East End mit Mahlzeiten, doch dafür braucht es Geld. Fußball, zu jener Zeit ein aufstrebender Massensport, soll genau dieses Geld einbringen. Inspiriert vom Vorbild Hibernian in Edinburgh, entsteht so ein Verein, der bewusst Brücken zwischen irischer Einwanderergemeinschaft und schottischer Bevölkerung schlagen soll – daher auch der Name "Celtic". Am 28. Mai 1888 bestreitet der junge Klub sein erstes Spiel überhaupt, ausgerechnet gegen die Glasgow Rangers, und gewinnt deutlich mit 5:2 – ein Ergebnis, das gewissermaßen die berühmteste Rivalität des europäischen Fußballs einläutet, lange bevor jemand das Wort "Old Firm" dafür erfand.
Kapitel 2: Die ersten Erfolge
Der sportliche Aufstieg lässt nicht lange auf sich warten: 1892 gewinnt Celtic den ersten Scottish Cup, ein Jahr später die erste schottische Meisterschaft. 1895 stellt die Mannschaft beim 11:0 gegen Dundee einen bis heute gültigen Ligarekord auf. Geprägt wird diese Ära vor allem von Willie Maley, der den Verein von 1897 bis 1940 – also 43 Jahre lang – als Trainer und Manager formt und zu einer der dominierenden Kräfte Schottlands macht. In diesen Jahrzehnten entstehen auch die ersten echten Legenden des Vereins: der bullige Stürmer Jimmy Quinn, der technisch brillante Patsy Gallacher und der Torschützenkönig Jimmy McGrory, der über 400 Ligatore für Celtic erzielt – eine europaweit kaum erreichte Marke für einen einzigen Verein. Doch die Vereinsgeschichte kennt auch dunkle Kapitel: Am 5. September 1931 stirbt der erst 22-jährige Torhüter John Thomson nach einer Kollision im Old-Firm-Spiel – eine Tragödie, die den gesamten schottischen Fußball erschüttert und bis heute nachwirkt.
Kapitel 3: Der Bergmann wird Trainer
Im Zentrum dieser Folge steht ein Mann, dessen Weg so ungewöhnlich wie eindrucksvoll ist: John "Jock" Stein, geboren 1922 in Burnbank, Lanarkshire, arbeitet zunächst selbst jahrelang als Kohlebergmann – eine harte, prägende Erfahrung, die später seine Disziplin und seinen Blick für die Arbeiterklasse formt. Als Spieler kommt er 1951 zu Celtic, wird dort sogar Mannschaftskapitän, doch eine schwere Verletzung beendet 1956 abrupt seine aktive Karriere. Was folgt, ist der eigentliche Beginn seiner Legende: Als Trainer rettet er den kleinen Verein Dunfermline Athletic vor dem Abstieg und gewinnt mit ihm 1961 sensationell den schottischen Pokal – ausgerechnet gegen Celtic selbst. Nach einer weiteren erfolgreichen Station bei Hibernian kehrt Stein 1965 als Cheftrainer zu seinem alten Klub zurück – ein Verein, der zu diesem Zeitpunkt seit über einem Jahrzehnt auf einen Meistertitel wartet.
Kapitel 4: Das Wunderjahr 1967
1967 wird zum unvergesslichen Jahr der Vereinsgeschichte: Celtic gewinnt buchstäblich jeden Titel, den es zu gewinnen gibt – Meisterschaft, Scottish Cup, Ligapokal, Glasgow Cup und, als Krönung, den Europapokal der Landesmeister. Im Finale am 25. Mai 1967 in Lissabon trifft die Mannschaft auf den haushohen Favoriten Inter Mailand, trainiert vom weltgewandten Helenio Herrera und Meister des defensiven Catenaccio-Fußballs. Nach frühem Rückstand durch einen Foulelfmeter dreht Celtic das Spiel in der zweiten Halbzeit mit offensivem, mutigem Fußball – Tommy Gemmell und Stevie Chalmers erzielen die Tore zum 2:1-Endstand. Celtic wird damit der erste britische Verein, der diesen Titel gewinnt, und zwar mit einer Mannschaft, deren Spieler – bis auf eine einzige Ausnahme – allesamt aus dem unmittelbaren Umkreis von Glasgow stammen. Diese elf Männer gehen als "Lisbon Lions" in die Fußballgeschichte ein.
Kapitel 5: Neun Meisterschaften in Folge
Der Triumph von Lissabon bleibt kein Strohfeuer: Von 1966 bis 1974 gewinnt Celtic unter Stein neun schottische Meisterschaften in ununterbrochener Folge – ein Rekord, der über Jahrzehnte unerreicht bleibt und die fast schon erdrückende Dominanz des Vereins im eigenen Land dokumentiert. Auch international bleibt Celtic eine Macht: 1970 erreicht man nach einem Sieg über den favorisierten englischen Meister Leeds United erneut das Europapokalfinale, verliert dort aber überraschend gegen Außenseiter Feyenoord Rotterdam. Dennoch festigt sich in diesen Jahren der Ruf Steins als einer der größten Trainer des europäischen Fußballs – ein Mann, der seine Spieler bis ins Detail kennt, der fordern und fürsorglich sein kann.
Kapitel 6: Abschied und Nationaltrainer
Nach sportlich schwächeren Jahren – die Saison 1977/78 endet für Celtic enttäuschend nur auf Rang fünf – legt man Stein nahe, von der Trainerbank in eine Vorstandsposition zu wechseln. Für den Mann, der sein gesamtes Leben dem Spielfeld gewidmet hat, ist das inakzeptabel: Im August 1978 verlässt er Celtic. Sein Nachfolger wird mit Billy McNeill ausgerechnet der einstige Kapitän der Lisbon Lions. Stein selbst wechselt kurz zu Leeds United, bleibt dort aber nur 44 Tage, bevor er noch im selben Jahr das Amt des schottischen Nationaltrainers übernimmt – eine Rolle, in der er Schottland unter anderem zur Weltmeisterschaft 1982 in Spanien führt.
Kapitel 7: Cardiff, 10. September 1985
Das letzte Kapitel der Geschichte ist zugleich das bewegendste: Im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales in Cardiff braucht Schottland zwingend ein Unentschieden, um sich wenigstens einen Playoff-Platz zu sichern. Nach einem dramatischen Spielverlauf gleicht Davie Cooper per Foulelfmeter in der 81. Minute zum 1:1 aus. In den letzten, chaotischen Sekunden der Partie erhebt sich der bereits gesundheitlich angeschlagene Stein – er hatte schon 1977 einen ersten Herzinfarkt erlitten – vermutlich in der irrigen Annahme, das Spiel sei bereits beendet, um seinem walisischen Trainerkollegen die Hand zu schütteln. Dabei erleidet er einen schweren Herzinfarkt und bricht zusammen. Wenige Minuten nach dem offiziellen Abpfiff wird sein Tod verkündet – eine Nachricht, die den schottischen Fußball bis ins Mark erschüttert.
Kapitel 8: Das Vermächtnis
Was bleibt, ist die Geschichte eines Vereins, der als Suppenküche für hungrige Kinder begann, und eines Bergmanns, der zum größten Trainer wurde, den Schottland je hervorgebracht hat. Bis heute prägen Jock Stein und die Lisbon Lions die Identität von Celtic – von der Statue vor dem Celtic Park bis zur nach ihm benannten Tribüne. Zum Abschluss ordnen wir ein, warum dieses eine goldene Jahr 1967 und der tragische Tod 1985 bis heute untrennbar mit dem Namen Celtic Glasgow verbunden bleiben.
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